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Wasserfall im Urwald, island, Hawaii

Biodiversität

Medikamente aus dem Regenwald

Tropische Regenwälder sind an Vielfalt kaum zu übertreffen. Hier findet sich die größte Biodiversität der Welt. Eine wahre Schatztruhe, auch als Quelle potenzieller neuer Pharmazeutika.

In tropischen Regenwäldern ist die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten enorm. Die Diversität chemischer Verbindungen in diesem Habitat ist damit ebenfalls außergewöhnlich. Pflanzen produzieren zahlreiche chemische Moleküle, die auch bei Säugetieren biochemische Prozesse und Stoffwechselwege beeinflussen können. Tropische Regenwälder könnten daher ein großes Reservoir für potenzielle neue Medikamente sein.

Medikamente mit pflanzlichem Ursprung

Die Entdeckung biologisch aktiver Moleküle in der Natur war der Anfang der pharmazeutischen Industrie. Etwa 45 Prozent aller Pharmazeutika auf dem Markt haben ihren Ursprung in der Natur. Altbekannt ist zum Beispiel die Acetylsalicylsäure (ASS) aus der Weidenrinde. Aber auch einige der wichtigsten Tumormedikamente wurden in der Natur entdeckt: Taxol stammt aus Eibenrinde, Vincristin und Vinblastin aus Madagaskar-Immergrün.

Und noch immer lässt sich in der Pflanzenwelt manche Neuentdeckung machen. Im australischen Regenwald sucht zum Beispiel die QBiotics Group Limited nach Wirkstoffen für Veterinär- und Humanmedizin. QBiotics neues antitumorales Produkt ist Tigilanol Tiglat (Stelfonta®). Der Praktische Tierarzt hat mit CEO und Mitbegründerin Dr. Victoria Gordon gesprochen.

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Pflanzliche Strategien für Pharmazeutika nutzen

Potenziellen Wirkstoffen im Regenwald auf die Spur zu kommen, ist nicht ganz einfach. Victoria Gordon erklärt: "Moleküle, die medizinische Lösungen bieten, in der Natur zu entdecken, beruht normalerweise größtenteils auf glücklichem Zufall." Um die Erfolgsquote zu steigern, versucht QBiotics, aktive Moleküle mit einem eigenen Ansatz aufzuspüren. Die Hypothese ist: Wenn man versteht, wie das Ökosystem arbeitet, sollte man in der Lage sein, Chemikalien mit der gesuchten spezifischen biologischen Aktivität zu entdecken.

Pflanzen nutzen Chemie für eine Vielfalt von Aufgaben: unter anderem um Räuber und Parasiten abzuschrecken, Bestäuber und Samenverteiler anzulocken, Zugang zu Nährstoffen zu bekommen. Gordon und Kollegen betrachten pflanzliche Problemlösungs-Strategien, um Moleküle zu finden, die Stoffwechselwege bei Säugetieren auf die gewünschte Weise beeinflussen. Die antitumorale Wirkung von Tigilanol Tiglat beruht zum Beispiel auf einer Kinase-Modulation, die der Ursprungspflanze dazu dient, Pflanzenfresser vom Verzehr der Samen abzuhalten.

Tropische Regenwälder brauchen Schutz

Moleküle aus Regenwald-Pflanzen können laut der QBiotics-Geschäftsführerin häufig nicht auf wirtschaftlich sinnvolle Weise synthetisiert werden, weil sie klein, aber komplex sind. Doch die Gewinnung direkt aus dem Regenwald scheidet für Gordon aus. Sie meint: "Eine Ernte aus der Wildnis ist langfristig weder eine ethische noch eine nachhaltige Lösung." Sie plädiert für den Versuch, die Ursprungspflanze anzubauen. So könnten die Versorgung mit dem Wirkstoff kontrolliert und gleichzeitig Arbeitsplätze in Entwicklungsländern geschaffen werden. Gordon hofft, dass ein stabiler finanzieller Anreiz zum Schutz der wertvollen Biodiversität tropischer Regenwälder beitragen kann: "Jedes erfolgreiche Medikament, das aus den Regenwäldern stammt, ist in Beweis, dass diese Wälder eine Quelle potenzieller medizinischer Lösungen sind.

Mehr zum Thema:

Ein ausführliches Interview mit Dr. Victoria Gordon ist in der Oktoberausgabe 2020 von Der Praktische Tierarzt zu lesen.

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