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Makroskopische Parameter zur Beschreibung intakter oder nicht intakter Schwänze von Mastschweinen

Macroscopical parameters to describe intact or non-intact tails of fattening pigs

Der Praktische Tierarzt 98, 584-593

DOI: 10.2376/0032-681X-17-08

Publiziert: 05/2017

Zusammenfassung

Mit Blick auf die Richtlinie Tierwohl (Nds. Min. Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz) soll diese Studie die normanatomischen Merkmale des gesunden Schweineschwanzes (Schwerpunkt: Schwanzspitze) anhand von Adspektion und Palpation beschreiben, um „intakte“ (nicht kupierte, nicht abgebissene, nicht aufgrund anderer Ätiopathologien verkürzte) von „nicht intakten“ zu unterscheiden. Die ermittelten Parameter sollen eine verlässliche Untersuchung im Bestand/bei der Lebendbeschau ermöglichen. In dieser Pilotstudie wurden alle Proben auf dem Schlachthof nach der Schlachtung entnommen (Masthybriden; sechs Monate alt). Zunächst fand am Schlachtband eine visuelle Vorauswahl/Eingruppierung statt: Gruppe „vermeintlich intakt“ (n = 6) versus Gruppe „vermeintlich nicht intakt“ (n = 13). Diese ausgewählten Schwänze wurden dann, noch auf dem Schlachthof, vom Schlachtkörper abgetrennt; die eigentliche Untersuchung fand danach im anatomischen Labor statt, und zwar adspektorisch und palpatorisch sowie anschließend röntgenologisch und histologisch. Die als vermeintlich intakt angesehenen Schwänze waren länger als die vermeintlich nicht intakten (Mittelwert und Standardabweichung 304 ± 19 mm versus 226 ± 21 mm) und enthielten mehr Wirbel (17–24 versus 9,5–13); ihre Schwanzspitzen waren bilateral abgeplattet und in den kaudalsten 15 mm weich und biegsam; röntgenologisch waren durch Knorpelkappen verbundene, unvollständig ossifizierte und sehr kleine Schwanzwirbel sichtbar. Bei den vermeintlich nicht intakten Schwänzen fielen die abgerundete Form und die derbe Konsistenz des Schwanzendes deutlich auf; der Bau der Wirbel in diesen Schwanzenden entsprach jenem von Wirbeln aus dem Mittelteil eines intakten Schwanzes; der kaudalste Wirbel war oft unvollständig und/oder deformiert. Während der histologischen Gewebefixierung traten Defekte der Haut makroskopisch deutlicher hervor. Eine Unterscheidung von „intakt“ und „nicht intakt“ war allein durch Adspektion und Palpation möglich. Als „intakt“ ist dabei ein Zustand „ohne Verlust“ der „relativ weichen, flachen Schwanzspitze“ anzunehmen. Das Erkennen von Defekten, die womöglich infolge von „Anknabbern“/„Anbeißen“ aufgetreten waren, bedurfte aber einer weiterführenden Untersuchung (Röntgen, Histologie; dabei ergaben sich an einem der Schwänze Zeichen von Bissspuren).

Schwein
Ringelschwanz
Tierwohl
Kupieren

Summary

In the context of the directive for animal welfare (Richtlinie Tierwohl) of the Lower Saxony Ministry of Food, Agriculture, and Consumer Protection, this pilot study aimed to describe the normanatomical characteristics of healthy pig tails (particularly of the apex of the tails) necessary for distinguishing “intact” (not docked, not bitten off, without shortening caused by other etiologies) from “non-intact” tails. The identified characteristics are meant to enable a reliable onsite examination (at pig farms; at abattoirs) of live pigs. All samples were taken at an abattoir (fattening pig hybrids aged 6 months). At the slaughter line, a visual preselection and grouping was performed: Group “preliminarily considered intact” (n=6) versus group “preliminarily considered non-intact” (n=13). Then, the selected tails were cut from the carcasses (still at the abattoir); afterwards, the actual examination was performed at the anatomical laboratory by means of adspection and palpation, followed by radiological and histological examinations. The tails preliminarily considered intact were longer than those preliminarily considered non-intact (mean and standard deviation 304±19 mm versus 226±21 mm) and contained more vertebrae (17–24 versus 9,5–13); their apices were bilaterally flattened and their most caudal 15 millimetres were soft and flexible; incompletely ossified and very small vertebrae connected by cartilaginous caps were radiologically visible. The tails preliminarily considered non-intact stood out with the dome-like, rounded shape and firm texture of their ends; the structure of the vertebrae in their caudal ends matched those at half length of the tails that had been preliminarily considered intact; the most caudal vertebra was often incomplete and/or deformed. Defects of the skin, including scars, became more clearly visible during histological fixation. A distinction of “intact” versus “non-intact” was possible simply by adspection and palpation; here, “intact” referred to “without loss of the relatively soft and flat tip of the tail”. Recognition of defects caused by biting (chewing at) the tails – without partial loss of the tail – required special techniques like radiology and histology. The latter revealed bite marks on one tail.

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pig tail
animal welfare
tail docking

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