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Leptospirose beim Hund – aktuelle Aspekte zu Klinik, Diagnose, Therapie und Prophylaxe

Kleintierpraxis 57, 461-474

DOI: 10.2377/0023-2076-57-461

Publiziert: 09/2012

Zusammenfassung

Die canine Leptospirose ist eine bakterielle Infektionskrankheit von zunehmender Bedeutung, die meist durch Leptospiren der Genomspezies Leptospira interrogans und Leptospira kirschneri hervorgerufen wird. Die Übertragung der Leptospiren erfolgt überwiegend indirekt durch Kontakt mit Urin von infizierten Reservoirwirten in einer kontaminierten Umwelt. Der Erreger gelangt über intakte Schleimhäute oder Hautläsionen in den Organismus. Der Krankheitsverlauf ist vom Immunstatus des Hundes, der Infektionsdosis und der Virulenz des Erregers abhängig. Bei ungenügend hohem Antikörpertiter kommt es nach einer Leptospirämie zur Organbesiedlung. Ein akutes Nierenversagen ist die häufigste Folge der Infektion, weiterhin können Leber, Lunge (Lungenblutungen), Muskulatur, Augen und zahlreiche andere Organe betroffen sein. Häufig vorkommende Laborwertveränderungen sind renale Azotämie, Leberwerterhöhungen, Thrombozytopenie, Leukozytose, Anämie, Proteinurie, Glukosurie und Bilirubinurie. Die Diagnosestellung basiert auf einer Kombination klinischer und labordiagnostischer Befunde sowie indirekter (Mikroagglutinationstest, ELISA) und direkter (PCR, Kultur) Verfahren zum Nachweis der Erreger. Hunde mit einer akuten Leptospirose sind meist Intensivpatienten. Der Erreger wird häufig mit einer zweiphasigen antimikrobiellen Therapie (Amoxicillin und Doxycyclin) bekämpft. Neben der individuell angepassten Infusionstherapie werden je nach klinischen Symptomen Antiemetika, Magenschutzpräparate und Analgetika verabreicht. Eine intensive Überwachung ist besonders wegen der Gefahr von anurischem Nierenversagen und Lungenblutungen anzuraten. Eine Hämodialysetherapie kann lebensrettend sein. Die Prognose ist vom Schweregrad der Symptome und den Komplikationen abhängig, wobei Hunde mit Lungensymptomatik eine höhere Letalitätsrate aufweisen. Aufgrund des Zoonoserisikos sind strikte Hygienemaßnahmen einzuhalten. In Deutschland stehen neben den traditionellen bivalenten Impfstoffen seit Kurzem tri- und tetravalente Impfstoffe zur Verfügung.
Leptospirenserovare

Summary

Leptospirosis in dogs – current aspects regarding clinical signs, diagnosis, therapy and prevention
Canine leptospirosis is a re-emerging zoonotic infectious disease which is primarily caused by leptospiral spirochetes of the genomospecies Leptospira interrogans and Leptospira kirschneri. Indirect transmission of leptospires mainly occurs through the exposure of susceptible animals to a contaminated environment (urine of reservoir hosts). The leptospires enter the organism via intact mucous membranes or skin lesions. The course of the disease is dependent on the host’s immunity, the infecting dose and the virulence of the organism. In dogs with low or absent antibody titres, leptospires can spread and replicate in many tissues. Acute renal failure is the most common clinical feature, but other organs such as liver, lung (haemorrhage), eyes and muscles are also involved. Common laboratory abnormalities include renal azotaemia, altered liver parameters, thrombocytopenia, leucocytosis, anaemia, proteinuria, glucosuria, and bilirubinuria. The diagnosis is based on a combination of clinical signs/laboratory abnormalities and indirect (microscopic agglutination test, ELISA) and direct (PCR, culture) tests. Dogs with acute leptospirosis require intensive care management. In addition to a biphasic antiinfective therapy (amoxicillin and doxycycline), affected dogs require individually adjusted fluid therapy, antiemetics, gastric protectants and analgesics according to their clinical signs. An intensive monitoring is needed mainly because of the risk of anuric renal failure and pulmonary haemorrhage. Haemodialysis may be life-saving. The prognosis is dependent on the severity of the clinical signs and associated complications; the mortality rate is higher in dogs with pulmonary involvement. Since leptospirosis is a zoonotic disease strict hygiene measures have to be taken. In Germany bivalent vaccines and recently tri- and tetravalent vaccines are available.
Leptospira serovars

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