Schwarzbunte Milchkuh auf der Weide
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Labmagenverlagerungen durch Neurofibrome?

Überraschender Zufallsbefund: Eine unerwartete Häufung von Neurofibromen im Ganglion coeliacum beim Rind wirft Fragen auf.

In einer histopathologischen Untersuchung, die eigentlich dem Auffinden von Risikofaktoren für die Bovine Spongiforme Enzephalopathie galt, wurden Gewebeproben von insgesamt 403 Holstein-Friesian- und Red-Holstein-Rindern untersucht. Das Material stammte von

  • BSE-Tieren (n = 20),
  • ihren Geburts- und Futterkohorten (n = 236),
  • ihren Nachkommen (n = 32),
  • einer Kontrollgruppe einer gleichartigen Rasse und geografischen Region (n = 103) sowie
  • einigen Rinden mit neurologischen Symptomen (n = 12).

Histologisch untersucht wurden der Obex (Übergang vom IV. Ventrikel zum Zentralkanal), das Ganglion coeliacum, das Ganglion cervicale craniale, das Trigeminusganglion sowie das Ganglion proximale des Nervus vagus.

Eine unerwartet hohe Prävalenz von Neurofibromen

Unerwarteterweise wurde eine hohe Anzahl von Neurofibromen vorgefunden, einem gutartigen Tumor des peripheren Nervensystems, der sich aus Schwann’schen Zellen, Fibroblasten und Perineuralzellen zusammensetzt. Diese Neurofibrome fielen makroskopisch nicht auf und wurden erst bei der histologischen Untersuchung gefunden, und zwar ausschließlich im Ganglion coeliacum. Sie kamen im Durchschnitt bei gut neun Prozent der untersuchten Rinder vor, unabhängig vom Vorliegen neurologischer Erkrankungen.

Könnten Neurofibrome eine Ursache der Labmagenverlagerung sein?

Gutartige Tumoren der peripheren Nervenscheiden werden beim Rind häufiger beschrieben als bei anderen Haustieren. Meist handelt es sich um makroskopische Zufallsbefunde an den Thoraxganglien am Schlachthof. Das Ganglion coeliacum stand bisher nie im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass dieses Ganglion direkt oder indirekt an der Innervation sämtlicher Mägen und weiterer Darmabschnitte beteiligt ist. Ein Neurofibrom kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und könnte damit eine Rolle bei gastrointestinalen Motilitätsstörungen und schließlich auch bei der häufigen und nach wie vor unzureichend erklärten Labmagenverlagerung spielen. Eine genetische Prädisposition für diese Tumorart kann nicht ausgeschlossen werden und bedürfte weiterer Abklärung.

Originalpublikation:
Dammann I, Wemheuer WM, Wrede A, Wemheuer WE, Campe A, Petschenka J, Schulze-Sturm U, Hahmann U, Czerny CP, Münster P, Brening B, Kreienbrock L, Herden C, Schulz-Schaeffer WJ (2020): Unexpected high frequency of neurofibroma in the celiac ganglion of German cattle. Vet Res 51: 82. DOI 10.1186/s13567-020-00800-1.

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