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Klinische Listeriose bei Mastschweinen

Ein Fallbericht aus Österreich zeigt, dass eine Infektion mit L. monocytogenes bei blutigem Durchfall und erhöhter Mortalität in die Liste der Differenzialdiagnosen aufgenommen werden sollte. Quelle der Infektion war vermutlich Silage schlechter Qualität.

Listeria monocytogenes verursacht beim Schwein nur selten klinische Erkrankungen. Am häufigsten beschrieben ist eine septikämische Form bei Saugferkeln. Die Muttersauen zeigten Anorexie, eine reduzierte Milchbildung und waren lethargisch. Eine durch Listerien verursachte Enzephalitis und Fehlgeburten bei Sauen sind ebenfalls beschrieben. Zu Listeriose bei Mastschweinen ist hingegen wenig bekannt, obwohl eine Kontamination von Schweinefleisch auch Relevanz für die Lebensmittelsicherheit hätte.

Erhöhte Mortalität und blutiger Durchfall
Daher waren die Kollegen von der Schweineklinik der Vetmeduni Vienna vermutlich überrascht, als sie bei der Sektion von zwei Schweinen sowie in der im Betrieb verfütterten Silage L. monocytogenes nachwiesen. Die erkrankten Tiere stammten von einem Ferkelproduzenten mit 60 Sauen, der einen integrierten Maststall für 450 Schweine betreibt. Etwa zehn Prozent der Mastschweine zeigten Anorexie, blutige Diarrhoe und Fieber bis zu 40 °C. Betroffen waren vor allem Tiere zwischen 40 und 100 kg Körpergewicht, die gut im Futter standen. Innerhalb von drei Wochen starben 35 Schweine; damit stieg die Mortalitätsrate auf 7,8 Prozent.

Die Wiener Tierärzte stellten bei beiden eingesandten Schweinen eine nekrotisierende Typhlocolitis fest. Mittels Immunohistochemie wiesen sie L. monocytogenes in den inguinalen Lymphknoten und der Milz nach. Bei einem der zwei Schweine wurde zusätzlich Brachyspira hyodysenteriae entdeckt, was die Autoren aber für eine Ko-Morbidität halten.

Schlechte Silage als Infektionsquelle
Die Schweine wurden mit Maissilage gefüttert. Eine Ortsbegehung ergab, dass bei einem der drei Silos auf dem Betrieb die Dichtungen beschädigt waren und die Tür nicht luftdicht schloss. Zumindest im Türbereich kam es dadurch zu unvollständiger Silierung und Schimmelbildung. In den eingesandten Proben wurde L. monocytogenes nachgewiesen. Darüber hinaus war die Silage mit Mykotoxinen kontaminiert: 3.000 ppb Deoxynivalenol und 270 ppb Zearalenon. Diese Konzentrationen werden nicht als schädlich angesehen. Es ist jedoch bekannt, dass eine chronische Exposition mit Mykotoxinen selbst in harmlosen Dosen zu einer unspezifischen Immunsuppression führen kann. Die Autoren nehmen an, dass dies eine Ursache dafür gewesen sein könnte, dass L. monocytogenes in diesem Fall zu einer klinischen Erkrankung bei Mastschweinen führen konnte. Nach Therapie mit Amoxicillin (20 mg/kg Körpergewicht für fünf Tage) traten keine weiteren Todesfälle mehr auf und der blutige Durchfall sistierte.


Originalpublikation:
Stein H, Stessl B, Brunthaler R, Loncaric I, Weissenböck H, Ruczizka U, Ladinig A, Schwarz L (2018): Listeriosis in fattening pigs caused by poor quality silage – a case report. BMC Vet Res 14: 362. DOI 10.1186/s12917-018-1687-6.

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