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Zu der Übertragung könnte es durch engen Kontakt mit dem niesenden Tier gekommen sein.
Foto: Tony Campbell - stock.adobe.com
Zu der Übertragung könnte es durch engen Kontakt mit dem niesenden Tier gekommen sein.

COVID-19

Katze könnte Tierärztin mit SARS-CoV-2 angesteckt haben

Hatschi! Beim Nasenabstrich ins Gesicht geniest und möglicherweise COVID-19 übertragen. Ein Fallbericht aus Thailand zeigt, dass eine Übertragung von der Katze auf den Menschen möglich, wenn auch sehr selten ist.

    • Katzen sind für das Coronavirus SARS-CoV-2 empfänglich und können auch  Atemwegssymptome entwickeln.
    • Erkrankte Tierbesitzer können ihre Katzen anstecken, das wurde bereits nachgewiesen. Hinweise auf eine mögliche Übertragung des Virus von Katzen auf den Menschen gab es bisher hingegen nicht.
    • Eine Übertragung von SARS-CoV-2 vom Tier auf den Menschen wurde bisher nur bei Nerzen gezeigt. Nun beschreibt ein Fallbericht aus Thailand den Verdacht auf Infektion einer Tierärztin durch eine Katze.

Ein Autorenteam von der Prince of Songkla Universität in Thailand berichtet in der Fachzeitschrift Emerging Infectious Diseases über den Fall aus dem Sommer letzten Jahres. Der Fallbericht ist bisher nur als Early release article publiziert, die finale Version des Artikels liegt noch nicht vor.

Die Katze hatte sich vermutlich bei den Haltern angesteckt

Anfang August 2021 infizierten sich ein thailändischer Vater und sein Sohn in Bangkok mit SARS-CoV-2. In Bangkok gab es zu diesem Zeitpunkt keine freien Krankenhausbetten mehr, deshalb wurden die Patienten in die 900 km entfernte Prince of Songkla Universitätsklinik gebracht. Bei dem Krankentransport kam die Katze der beiden mit, die üblicherweise bei den Haltern im Bett schlief.

Während die erkrankten Männer im Krankenhaus aufgenommen wurden, kam ihre Katze in die örtliche Tierklinik, wo sie von drei Tierärztinnen und Tierärzten etwa zehn Minuten lang untersucht wurde. Eine 32-jährige Tierärztin nahm Abstriche aus Rektum und Nase, dabei nieste die Katze ihr kräftig ins Gesicht. Das Team trug zwar N95-Masken und Handschuhe, aber keine Schutzbrille oder einen Gesichtsschutz. Drei Tage später zeigten sich bei der Kollegin erste Symptome, kurz darauf fiel das PCR-Ergebnis der Katze positiv aus. 

Die Tierärztin wurde in der Folge positiv auf SARS-CoV-2 getestet, nicht aber ihre beiden Kollegen.

Themenheft Coronaviren

Das erste Themenheft der Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift im Jahr 2021 widmet sich – wie sollte es anders sein – den Coronaviren. Dabei schauen wir über den Tellerrand von SARS-CoV-2 hinaus und stellen die Coronaviren in ihrer ganzen Vielfalt hauptsächlich aus der veterinär-, aber auch aus der humanmedizinischen Perspektive dar.
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Verdacht auf Virusübertragung durch die Katze

Die Autorinnen und Autoren des Fallberichts halten eine Infektion der Tierärztin durch die Katze aus folgenden Gründen für wahrscheinlich:

    • Die Tierärztin hatte keinen engen Kontakt, der im fraglichen Zeitraum positiv getestet wurde. Unter den 30 Angestellten der Klinik gab es nur einen weiteren Fall bei einem Großtierarzt, der weder zu der Kollegin noch zu der Katze Kontakt hatte.
    • Eine indirekte Übertragung z.B. über das Fell stufen die Forschenden als unwahrscheinlich ein, da die Tierärztin Handschuhe trug und nach dem Kontakt zum Patienten ihre Hände wusch.
    • Die Sequenzierung ergab, dass die Virus-Genome bei den erkrankten Tierhaltern, der Katze und der Tierärztin identisch waren. Sie unterschieden sich aber von den Virus-Genomen, die aus anderen Patienten in der Songkla-Region isoliert wurden.

Das Autorenteam glaubt, dass dieser Fall Evidenz dafür liefert, dass eine Übertragung von SARS-CoV-2 von der Katze auf den Menschen möglich ist. Sie betonen allerdings, dass Katzen nur kurze Zeit ansteckend sind und eine Übertragung sehr unwahrscheinlich ist. Ausschlaggebend in der Pandemie ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch.

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Interview mit dem Virologen Prof. Dr. Albert Osterhaus zur Rolle von Haus- und Wildtieren in der Pandemie.