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Viruserkrankung

Jagdhunde vor Aujeszky schützen – das gilt es zu beachten

Jagdhunde haben ein erhöhtes Risiko der Infektion mit dem Suiden Herpesvirus Typ 1. Hundeführer sollten den Kontakt zu Wildschweinen unterbinden.

  • Die Aujeszkysche Krankheit (AK) ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende Viruserkrankung.
  • Erreger ist das Suide Herpesvirus Typ 1 (SHV-1), das bei Rindern, Katzen und Hunden zu tollwutartigen Symptomen führt und schnell zum Tod führt.
  • Das Schwein ist der Hauptwirt, vor allem Jungtiere sind empfänglich.
  • Hunde infizieren sich durch Kontakt zu Schweinen, die das Virus ausscheiden, weshalb Jagdhunde ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen. 
  • Ebenso ist eine Infektion durch die Aufnahme rohen bzw. unzureichend erhitzen Abfällen latent infizierter Schweine möglich. 
  • Dominierendes Symptom ist unstillbarer Juckreiz.
  • Eine Übertragung auf den Menschen findet nicht statt.

Der Fall

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Kleintierpraxis ist der Fall eines acht Jahre alten Münsterländers beschrieben, der an Aujeszky erkrankt ist. Der Hund hatte Kontakt zu Schwarzwild und zeigte eine deutliche Bewusstseinstrübung sowie starken Juckreiz. Mittels Zellkultur, Immunfluoreszenztest und Real-Time-PCR konnte das SHV-1 nachgewiesen werden. Der Patient verstarb zwei Tage nach Vorstellung in der Klinik. 

Das Virus

Die Tenazität des Virus ist hoch. Seit 2003 gilt die Hausschweinepopulation in Deutschland als offiziell frei von der AK. Das Virus ist jedoch in der Wildschweinpopulation weiterhin präsent. Da es gut an die Population angepasst ist, weist es eine geringe Virulenz auf – virustragende Wildschweine können aus diesem Grund auch gesund wirken. Eine Ansteckung von Jagdhunden sowie streunenden Hunden und Katzen ist selten, aber möglich. Da die Erkrankung weder melde- noch anzeigepflichtig ist, sind keine genauen Fallzahlen bekannt. 

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Jagdhunde schützen

Bei sämtlichen Fällen von Hunden mit AK, die seit 2017 amtlich bekannt wurden, konnte ein Kontakt der Tiere mit Wildschweinen nachgewiesen werden. Aus diesem Grund ist auf folgende Punkte zu achten:

  • Kontakt der Hunde zu Wildschweinen aufs Nötigste beschränken, indem sie vom Streckenplatz sowie Ort des Aufbruchs ferngehalten werden.
  • Hunde sollten keinen rohen Aufbruch und kein rohes Fleisch von Wildschweinen erhalten.
  • Ebenso sollte ein Schütteln der Beute oder Anfressen durch die Hunde unterbunden werden.
  • Hunde sind generell von Wildschweinkadavern fernzuhalten.

Der vollständige Fallbericht "Aujeszkysche Krankheit bei einem Jagdhund" von Almuth Chilla ist in der Novemberausgabe der Zeitschrift Kleintierpraxis erschienen. 

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