Schweinemast: In den Ställen wird es eng.
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Corona-Pandemie

In den Ställen wird es eng: Schlachthof-Schließungen sind ein Tierschutz-Problem

Der größte Schlachthof Deutschlands ist Corona-Hotspot und steht still. In Mast und Aufzucht stauen sich die Tiere.

COVID-19 im Schlachthof - das ist eine Krise des Gesundheits- und Arbeitsschutzes. Darüber hinaus sorgt der Stillstand am Band derzeit aber auch für große Tierschutz-Probleme: Mehrere Zehntausend Schlachtungen pro Tag fallen in Deutschland momentan aufgrund der Corona-Pandemie weg. Doch weiterhin werden Ferkel und Küken geboren. In dem eng getakteten System der Aufzucht und Mast kommt es längst zum Rückstau.

Oft ausbeuterische Arbeitsbedingungen, niedrige Temperaturen, eine spezielle Lüftung - diese oder andere Faktoren machen Schlachthöfe häufig zu Coronavirus-Hotspots. Aus den USA erreichen uns schon seit März Berichte über "Depopulationen" der Ställe nach Schlachthofschließungen. Medien berichten über Millionen von Schweinen, Hühnern und Rindern, die in amerikanischen Betrieben gekeult wurden.

Volle Ställe in der Sommerhitze

In Deutschland droht in der Schweine- und Geflügelmast eine deutliche Überbelegung der Ställe. Der Rückstau setzt sich bis ins Flatdeck und in den Sauenstall fort. In Kombination mit sommerlicher Hitze und dem hohen Gewicht der eigentlich schlachtreifen Mastschweine und Vögel drohen vermehrt Tiere zu verenden. Schweren, kreislaufschwachen Tieren könnten lange Transporte zu Ausweich-Schlachthöfen bevorstehen.

Holger Vogel, Präsident des Bundesverbands verbeamteter Tierärzte sagte der Tagesschau zur momentanen Situation in den Ställen: "Die Haltungsbedingungen verschlechtern sich massiv." Tötungen aus Tierschutzgründen mit Entsorgung der Tiere über die Tierkörperbeseitigung wolle niemand. "Davor sträubt man sich", meint Vogel. Doch eine Notschlachtung sei im Stall nicht möglich. Eine Tötung zum Tierwohl sei aber anders als eine Keulung auf Basis des Tierseuchenrechts nicht einfach anzuordnen.

Bundestierärztekammer fordert Krisengipfel

Die Bundestierärztekammer (BTK) fürchtet ebenfalls, dass die Lage sich zuspitzen könnte. Sie fordert einen Krisengipfel unter Einbeziehung von Tierärzten, Landwirten, Schlachthofbetreibern und zuständigen Behörden, um schnell Lösungen für die aktuelle Situation zu finden. Aufgrund der Hygieneregeln und der branchenweiten Corona-Tests müssten die Schlachtzahlen auch an den geöffneten Schlachthöfen zurückgefahren werden. Eine kurzfristige Erhöhung der Schlachtkapazitäten in bisher nicht betroffenen Betrieben dürfte laut BTK "auch bei gutem Willem aller Beteiligten schwierig werden". Für die Tiere, die jetzt in der Aufzucht und Mast sind, müssen praktikable, tierschutzgerechte Lösungen gefunden werden.

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