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Idealerweise gibt es einen Garten oder Hof, die der Welpe gefahrlos ohne Leine erkunden darf. Er folgt sowieso auf Schritt und Tritt. An anderen Orten dienen Brustgeschirr und Leine dazu, das Hundekind vor Gefahren zu beschützen.

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Hundeerziehung mit positiver Verstärkung, Geduld und Liebe

Welpen kommen mit allen Fähigkeiten, die sie zu einem glücklichen, hundegerechten Leben brauchen, auf die Welt.

Von Susanne Lautner

Idealerweise kommt ein Welpe in der zehnten bis zwölften Lebenswoche in seine neue Familie. So groß die Begeisterung auch ist, eine Willkommensparty verschreckt den Neuankömmling

Es empfiehlt sich, Kindern an jenem Tag ein langersehntes Spielzeug zu schenken um zu verhindern, dass das Hundebaby durch zu viele Liebesbeweise überfordert wird. Die Trennung von Mutter und Wurfgeschwistern, die Reise und die neue Umgebung bedeuten ohnehin Stress für das Hundekind.

Welpensichere Wohnung

Die Wohnung sollte welpensicher gemacht werden, damit der Familienzuwachs alles erkunden darf, denn schimpfen und herumkommandieren behindern den Vertrauensaufbau. Teure Teppiche oder andere wertvolle Gegenstände, giftige Pflanzen, Kabel und Schuhe müssen außer Reichweite geräumt werden. Pools sind abzusichern, ebenso alles, was herunterhängt.

Schlaf

Welpen brauchen viel Ruhe und Schlaf, ca. 20 Stunden pro Tag. Die ersten Nächte soll ein Welpe niemals alleine sein. Idealerweise steht das Hundebett nahe bei seinen neuen „Eltern“ bzw. darf er sogar ins Bett. Körperkontakt ist ebenso wichtig für den Vertrauensaufbau wie fressen, trinken und schlafen.

Brustgeschirr und Leine

Idealerweise gibt es einen Garten oder Hof, wo der Welpe in den ersten Tagen keine Leine braucht. Er folgt sowieso auf Schritt und Tritt. An anderen Orten dienen Brustgeschirr und Leine dazu, das Hundekind vor Gefahren zu beschützen, wenn es zum Beispiel er­schrickt und womöglich auf die Straße laufen würde. Ein anatomisch gut sitzendes Brustgeschirr besteht aus weichem Material, hat eine Y-Form, ist an Hals, Brustumfang und Bauch verstellbar. Der Brustgurt soll so locker sein, dass man gleich­zeitig leicht mit zwei Händen hineingreifen kann. Ein schlecht sitzendes Brustgeschirr ist genauso unbrauchbar wie ein Halsband, doch gut angepasst schont es die Halswirbelsäule. Der würgende Zug eines Halsbands kann Schilddrüse, Zungenbein und Kehlkopf verletzen sowie Venen stauen. Je jünger ein Hund ist, desto länger soll die Leine sein, mindestens drei, besser fünf Meter (Abb. 1).

Völlig ungeeignet sind Flexi-Leinen (Abb. 2), denn mit ihnen lernt der Hund: „Wenn ich irgendwohin möchte, muss ich ziehen.“ Die Leinenführigkeit an einer normalen Leine wird dadurch stark erschwert. Flexi-Leinen sind außerdem gefährlich, weil die dünne, stets gespannte Schnur Hund und Mensch verletzen kann. Fallen sie aus der Hand, werden die Handgriffe zu Geschossen, die den Hund mit großer Wucht treffen. Die Hunde rennen panisch davon und womöglich ins nächste Auto. Manchmal funktioniert auch der Stopper nicht, der Hund läuft auf die Straße oder einem Radfahrer in die Speichen.

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Gibt es den dominanten Hund?

Viele (schlechte) Trainer, Internetforen, leider auch noch etliche Tierarztkollegen geben Tipps, wie man verhindert, dass der Familienhund „die Führungsposition übernimmt“. Die Ratschläge lauten von „Sie müssen das Alpha-Tier sein, also der Rudelführer!“ bis „Ihr Hund muss sich in Ihrem Rudel immer unterordnen“. Rangordnungsregeln wie: „Der Hund darf nicht vor Ihnen durch die Tür gehen, nicht höher als Sie sitzen, nicht vor Ihnen fressen. Wenn er nicht folgt, müssen Sie den Hund packen und auf den Rücken drehen (Alphawurf) oder die Schnauze zuhalten!“ geistern noch immer durch die Ratgeber. Alles, was ein Mensch damit erreicht, ist, dass sich der Hund vor seinem Besitzer fürchtet.

Woher kommt die falsche Verwendung des Begriffs der Dominanz in der Hundeerziehung? 1970 veröffentlichte der bekannte Wolfsforscher David Meech sein Buch „The Wolf, Ecology and Behavior of an Endangered Species“. Seine Ergebnisse beruhen auf der Beobachtung des Verhaltens von Wölfen in Gefangenschaft. Die Haltung in engen Gehegen erlaubten den Tieren jedoch kein natürliches Sozialleben. Außerdem stammten die Individuen nicht aus einer gemeinsamen Familie, sondern waren willkürlich zu Gruppen zusammengestellt worden, was zu vielen Kämpfen führte. Fälschlicherweise wurden aus diesem Verhalten Rückschlüsse auf das Verhalten von Hunden und deren Zusammenleben mit Menschen gezogen.

Meech fand 20 Jahre später bei der Beobachtung von Wolfsrudeln in ihrem natürlichen Habitat heraus, dass Wölfe extrem sozial sind und dass ein Rudel immer aus zwei Elterntieren und ihren Nachkommen besteht, die liebevoll aufgezogen werden. Sind die Wolfswelpen erwachsen, verlassen sie das Rudel und gründen ein eigenes. Meech beobachtete niemals, dass es innerhalb eines Rudels zu Machtkämpfen kam, sondern vielmehr, dass die gesamte Körpersprache der Individuen auf Konfliktvermeidung ausgelegt war. Zu Kämpfen kam es nur in der Ranzzeit, wenn fremde Rüden eindrangen. Daher ist es nicht zulässig, die ursprünglichen Beobachtungen von Rangordnungskämpfen von Wölfen in Gefangenschaft auf Hunde umzulegen und ganz und gar nicht auf die Beziehung zwischen einem Familienhund und seinen Menschen. 

Zahmere, mutigere Wölfe begannen vor ca. 15.000 Jahren, als die Menschen sesshaft wurden, sich freiwillig Menschen anzuschließen. Sie wurden von ihnen gefüttert und umsorgt und halfen dafür bei der Jagd oder beim Verteidigen der Behausungen. Durch das Zusammenleben mit Menschen veränderten sich nicht nur ihre Ernährungsgewohnheiten, sondern auch ihr Verhalten. Es entstand eine Kooperation.

Die Hundesprache: Calming Signals

Hunde sind auf friedliche Koexistenz aus, ihre Körpersprache ist daher auf Konfliktvermeidung ausgelegt. Die Norwegerin Turid Rugaas entdeckte Ende der 1980er-Jahre die Beschwichtigungssignale (Calming Signals) an Wölfen und Hunden. Ihre Forschungsergebnisse bilden bis heute die Basis moderner Hundeerziehung in der ganzen Welt (www.pdte.eu). Beschwichtigungssignale sind: Kopf zur Seite drehen, Blick deutlich abwenden, Schnauze schlecken, Pfote heben, einen Bogen laufen, am Boden schnüffeln, seitlich sitzend den Bauch präsentieren, gähnen, blinzeln, splitten, pinkeln, sich abwenden, sich hinlegen, auf den Rücken legen, sich klein machen (Abb. 3). Ebenfalls ein Beschwichtigungssignal ist es, die Lefzen eines anderen Hundes zu lecken – auch ein Grund, warum Welpen uns anspringen.

Jeder Hund versucht zunächst, eine ihm unangenehme Situationen friedlich zu lösen. Werden diese Signale nicht gesehen oder nicht verstanden, sendet er Stresssignale und weitere distanzfordernde Signale aus, entsprechend einer Eskalationsleiter (Abb. 4). Knurren bedeutet: „Stopp, ich fürchte mich, ich mag das nicht!“ Knurren ist die letzte Warnung vor dem Aggressionsverhalten. Einen Hund für das Knurren zu bestrafen, ist falsch und könnte fatalerweise nach sich ziehen, dass das Tier zukünftig ohne Vorwarnung in Aggressionsverhalten übergeht.

Wenn zwei Hunde einander begegnen, bleiben sie stehen, blinzeln, schauen auf die Seite, schlecken sich schnell über die Lefzen, beginnen im Bogen zu gehen, während sie die ganze Zeit am Boden schnüffeln. Sie zeigen damit ihrem Gegenüber, dass sie nicht auf Streit aus sind. Wenn sie dabei nicht durch kurze Leinen, schimpfen, wegzerren gestört werden, wird das Treffen friedlich enden – entweder gehen beide ihrer Wege oder sie spielen miteinander.

Hunde zeigen diese feinen Zeichen – z. B. ducken, gähnen, wegschauen, starr stehen bleiben – auch Menschen gegenüber, wenn sie sich bedrängt oder bedroht fühlen (Abb. 5). Wichtig ist, die Situation dann sofort zu entschärfen.

Hunde wollen mit ihren Menschen kooperieren und ihnen zuliebe Dinge tun, die sie mit anderen Hunde nie tun würden. Der minimale genetische Unterschied zum Wolf könnte man als das „Ich-liebe-Menschen-bin-gern-mit-ihnen-zusammen-und-möchte-immer-gefallen-und-kooperieren-Gen“ bezeichnen. Es geht um Kameradschaft, nicht Unterordnung. Natürlich gibt es im Alltag verschiedene Regeln, die man Hunden mit Freundlichkeit und dem Wissen um ihr Lernverhalten beibringen kann. Diese Regeln sollten aber immer einen Sinn ergeben. So sollte man z. B. den Hund nicht zwingen, sich auf eine kalte, nasse Wiese zu legen, wenn er ebenso gut im Stehen kurz warten kann.

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Hunde-/Welpenschule

Die Wahl der richtigen Hundeschule bzw. eines -trainers ist entscheidend für das weitere Leben des Hundes – im positiven und auch im negativen Sinn. Eine gut ausgebildete Trainerin arbeitet nach den aktuellsten verhaltenskundlichen Erkenntnissen und gibt auch viel theoretisches Wissen an die Hundehalterinnen weiter. Versprechungen wie „in fünf Tagen zum alltagstauglichen Hund“ sind unseriös und meist mit Strafen verbunden. Niemals sollte man seinen Hund abgeben, damit er ohne seinen Besitzer „erzogen“ wird. Stattdessen geht es um das gemeinsame Erlernen, das Hund und Herrl miteinander verbindet.

Basis für gutes Lernen ist Vertrauen zum Lehrer. Das betrifft auch das Verhältnis zwischen Hunde­welpen und ihren Besitzern, wobei der Ausdruck Beschützerin oder Betreuerin das Verhältnis noch besser beschreibt.

Die Welpenschule – oft müssen die Menschen viel mehr lernen als der Hund – besteht bei mir aus zwei Teilen: Der Unterricht des Welpen erfolgt ausschließlich in Einzelstunden. Die Sozialisierung der Welpen hingegen findet in sorgsam zusammengestellten Welpengruppen statt, die aus maximal vier Hunden bestehen, darunter auch erwachsene, souveräne Tiere (Abb. 6).

Lernverhalten

Hunde lernen vor allem durch Erfolg und Misserfolg. Springt ein Hund beispielsweise immer gegen die Tür und sie öffnet sich daraufhin, wird er das wiederholen. Zieht er an der Leine und der Leinenträger folgt hinterher, wird der Hund das beibehalten. Soll unerwünschtes Verhalten abgestellt werden, dann verhindert man durch Management-Maßnahmen, dass es ausgeübt werden kann, und belohnt stattdessen das erwünschte Verhalten.

Freundliche, eindeutige und hundegerechte Kommunikation ist das Um und Auf. Welpen können sich nur kurze Zeit konzentrieren – ein vorbeifliegender Schmetterling ist viel interessanter. Daher müssen Motivation, Erfolg und Belohnung sehr groß sein. Ungeduld und schimpfen, zerren an der Leine oder zu Boden drücken erzeugen Angst und sind kontraproduktiv für Lernprozess und Vertrauensaufbau. Stress und Überforderung des Welpen sind daran zu erkennen, dass er hüpft, sich hinlegt und nicht weitergeht, in die Leine beißt, plötzlich zieht oder kein Leckerli mehr nimmt. In diesem Fall ist die Lerneinheit zu beenden.

Belohnung – positive Verstärkung

Hunde lernen auch durch Verknüpfung zweier gleichzeitiger Ereignisse. Positive Verstärkung bedeutet, dass man einem Hund freundlich und verständlich sagt und zeigt, was man von ihm möchte. Wenn der Hund beim Training Spaß hat, sich wohlfühlt und zusätzlich noch eine Belohnung bekommt, wiederholt er die Übungen gerne, denn Gedächtnis und Gefühlszentrum arbeiten zusammen. Das Gute am Belohnen ist, dass es nie zu Fehlverknüpfungen führt und dass es bei Belohnungen kein zu viel oder zu oft gibt. (. Abb. 7). Dies gilt auch für Welpen, aus denen ein Jagdhund, Wachhund, Therapiebegleithund, Suchhund, Hundesportler oder Polizeihund werden soll.

Strafe

Strafe kann erfolgen durch das Zufügen von Schmerz (würgen am Halsband, ruckeln an der Leine, Verwendung von Sprühhalsbändern, etwas nachwerfen) oder durch anschreien, wegsperren, verängstigen, ignorieren. Das ist einerseits Tierquälerei und andererseits didaktisch wertlos. Strafe führt zwar manchmal dazu, dass der Hund in dem Moment das unerwünschte Verhalten beendet, aber es kommt zu einer Fehlverknüpfung.

Ein Beispiel: Die Nachbarin kommt zu Besuch. Um zu verhindern, dass der Welpe sie anspringt, reißt die Besitzerin ihn an der Leine zurück, sodass es dem Hund wehtut und er erschrickt. In Zukunft verknüpft er mit dieser Person ein unangenehmes Gefühl und fürchtet sich vor ihr. Vergleichbares geschieht, wenn Hunde beim Treffen mit Artgenossen schmerzhaft an der Leine zurückgerissen werden. Eine Folge ist die sogenannte Leinen­aggression gegenüber anderen Hunden. Von Astrid Lindgren stammt die Aussage: „Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln.“ Das trifft auch auf Hunde zu.

Lernziele

Hunde können sich nur ohne Leine frei entfalten: die Umwelt schnüffelnd erkunden, herumlaufen oder stehen bleiben nach eigenem Belieben, ihre angeborene Sprache zur Konfliktvermeidung bei Begegnungen mit Artgenossen ausleben. Das Freilaufen ist jedoch nur möglich, wenn sie in jeder Situation, in der sie gerufen werden, kommen: bei Menschen, die sich fürchten, Radfahrern, an der Straße oder Misthaufen …

Daher ist die wichtigste Lektion, die jeder Hund erlernen sollte, das Herankommen, wenn er gerufen wird (Abb. 8).

Heranrufen

Das Rufen des Hundenamens ist das Aufmerksamkeitssignal. Danach folgt, was er tun soll, als Rufzeichen, kombiniert mit einem Sichtzeichen. Wenn der Hund gekommen ist, freue ich mich und er wird mit einem köstlichen Leckerli belohnt (. Abb. 9). Geübt wird in kleinen Schritten in freundlicher Atmosphäre ohne Ablenkung. Das Rufen nur mit Namen funktioniert irgendwann nicht mehr, weil ein Hund seinen Namen sehr oft hört, ohne dass er etwas bedeutet.

Das Gehen an der Leine

Mein Einzel-Leinentraining beginnt auf einer Wiese. Die mindestens drei, besser vier bis fünf Meter lange leichte Leine (aus Biothane, 9–12 mm breit, ohne Ringe zum Verkürzen) wird zunächst nur ins Geschirr eingehängt und schleift nach. Die Welpen lernen dadurch das Gefühl, dass da „hinten etwas dran hängt“. Die Länge der Leine erlaubt, dass die Welpen ungestört schnüffeln und erkunden können.

Der nächste Schritt: Der Welpe möchte z. B. zu einem Taschentuch, das am Boden liegt. Man hält die Leine fest, ohne sie zurückzuziehen. Der Hund spürt den Zug (Druck) und lässt sofort die Leine locker, da dieses Gefühl unangenehm ist. Man lobt ihn und zeigt, schaut und geht in jene Richtung, in die der Kleine stattdessen gehen soll. Schon hat er gelernt, dass das Ziehen keinen Erfolg brachte.

Alle Leinenübungen mit Welpen dürfen nur kurz dauern, da sie extrem anstrengend sind. Hunde mit starkem Jagdtrieb lernen, an einer bis zu acht Meter langen Schleppleine zu laufen. Merke: Leinen dienen zum Sichern des Hundes und zum Herausnehmen aus Situationen. Sie sind nicht zum Lenken da.

Verkehrssicherheit

Es ist sinnvoll, Hunden beizubringen, immer mindestens 50 cm vor der Gehsteigkante zu warten. Man sagt „laaaangsam“. Dann wendet man sich dem Hund zu, also z. B. wenn man die Leine links hält, der Hund links geht, wendet man sich nach links drehend dem Hund zu, indem man die rechte Hand dem Hund als „Stopphand“ zeigt und sagt „waaaarte“. Sobald der Hund stehen bleibt, lässt man die Leine locker, gerade so, dass der Hund nicht auf die Straße hüpfen kann. Er muss nicht sitzen – auch stehende Hunde können warten. Dann schaut man, ob die Straße frei ist, sagt „schau“ und geht auf „weiter“ mit einer einladenden Handbewegung zügig los. Geübt wird natürlich an einer verkehrsarmen Straße.

Ruhekommandos

Übungen, bei denen der Hund zum Stillstand kommt, sind Ruhekommandos („warten“, „bleib“). Sie müssen aufgelöst werden. Ich nenne das das „Ampelsystem“: „Warte“ ist das Rot, „schau“ das Gelb und „weiter“ das Grün. Dieses System hilft dem Hund als Ritual. Er kennt sich aus, weiß, was kommt. Das „Gelb“ hilft ihm, ungestörter zu warten. Ich habe Zeit, in Ruhe zu schauen, wann die Straße frei ist, denn meine nächste Bewegung nach dem Warten ist nicht das Weitergehen. Es geht erst weiter, wenn ich sehe, dass es sicher für uns ist.

Alleine bleiben

Ein Welpe bleibt anfangs keine Minute alleine, denn er weiß noch nicht, dass wir wieder zurückkommen. Er begleitet uns auf die Toilette, ins Bad, in die Küche, in den Garten, denn wir sind die einzigen Bezugspersonen in seiner neuen Umgebung.

Sagen Sie Ihrem Welpen, wohin Sie gehen: „Herrli geht ins Bad“, kombiniert mit einem Handzeichen (Zeigen der Handfläche, „Handsignal“). Er läuft mit und sieht, was das bedeutet. Irgendwann läuft er bei „Herrli geht ins Bad“ nur noch halbherzig mit, bald gar nicht mehr. Jetzt weiß er, was das bedeutet. Dann kann man – kurz – die Tür schließen.

Nächster Schritt: Der Welpe war draußen, hat gefressen, ist müde (richtiger Zeitpunkt). Es folgt die Ankündigung: „Frauli kommt gleich“ plus Handzeichen. Sie gehen zur Türe hinaus, zählen bis zehn und kommen wieder herein. Zurückgekommen, begrüßen Sie den Hund ruhig und loben ihn. Diese Übung kann mehrmals am Tag mit genau diesen Regeln durchgespielt werden.

Wichtig ist: Anfangs maximal bis zehn zählen! Danach erhöht man schrittweise die Wartezeit um eine halbe Minute, bis rund fünf Minuten erreicht sind. Die nächsten Schritte steigern die Wartezeit jeweils um eine ganze Minute. Ab ca. 15 Minuten können die Schritte größer werden, die Geschwindigkeit gibt der Hund vor. Man kann das Radio laufen lassen oder dem Hund eine Kaubeschäftigung geben. Findet man beim Heimkommen zerbissene Gegenstände oder eine zerstörte Wohnung, dann geschah das nicht, um seine Menschen zu ärgern, sondern aus Angst. Das Training muss erneut erfolgen. Tipps in Internetforen, Welpen über Nacht, oder auch tagsüber, wenn man sie alleine lässt, in Boxen zu sperren, sind tierschutzrelevant! Mehr als fünf Stunden sollte jedoch selbst ein erwachsener Hund nicht alleine bleiben müssen, darüber hinaus braucht man einen Hundesitter.

Austauschen statt wegnehmen

Einen fressenden Hund lässt man in Ruhe und übt niemals, das Futter wegzunehmen Anders verhält es sich, wenn er beispielsweise draußen etwas He­rumliegendes aufgenommen hat und fressen will. Für diesen Fall übt man so früh wie möglich das Austauschen gegen etwas anderes: Mein Welpe hat was im Maul, ich rufe ihn zu mir, zeige ihm etwas viel Besseres, das natürlich immer griffbereit da sein muss. Er lässt seine Beute fallen und nimmt das Bessere. Gleichzeitig hört er „danke“, „lass aus“, „tauschen“ oder Ähnliches, aber immer das gleiche Wort. Wichtig: den Hund immer herbeirufen, ihm nicht nachlaufen. Der Welpe lernt sonst davonzulaufen, eventuell schnell abzuschlucken und ein gefährliches Spiel daraus zu machen.

Welpen und Kinder

Ein lieber Kollege erzählte mir kürzlich eine Anekdote: Einer seiner Freunde hat einen sehr lieben Rotweiler und auch Kinder. Er wurde gefragt, ob er diesbezüglich keine Bedenken hätte. Seine Antwort lautete: „Nein, wieso? Meine Kinder sind gut erzogen!“ Diese Anekdote beinhaltet das Wichtigste, was Kinder lernen müssen: Welpen sind kein Spielzeug. Sie sind eigenständige Wesen, die Respekt und gute Umgangsweisen verdienen (. Abb. 10). Bei Kleinkindern ist es wichtig, dass sie nie mit dem Hund alleingelassen werden und dass das Tier seine Ruhe hat, wenn es frisst, schläft oder spielt. Am besten ist, wenn Kinder in einem sicheren, abgegrenzten Bereich spielen und krabbeln können.

Welpen für Jugendliche anzuschaffen, damit sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, funktioniert nicht immer. Die Letztverantwortung bleibt bei den Eltern. Das Spaziergehen an Kinder zu delegieren, bevor diese das 16. Lebensjahr vollendet haben, ist sogar gesetzlich verboten. Wenn Kinder freundlich angeleitet werden, Hunde mit Respekt, Freude und Umsicht zu behandeln, können sie wunderbare Kameraden werden.

Der Artikel wurde von der Redaktion stark gekürzt und ist in Originallänge bei der Autorin erhältlich.

Literatur

Eaton B (2003): Dominanz – Tatsache oder fixe Idee. Animal Learn Verlag, Bernau. Rugaas T (2001): Calming Signals. Die Beschwichtigungs­signale der Hunde. Animal Learn Verlag, Bernau. Reichmann U (2019): Auf kleinen dicken Pfoten. BoD-Books on Demand, Norderstedt. Von Reinhardt C (2007): Welpen. Animal Learn Verlag, Bernau. Tschentscher J (2009): Mensch-Hund Psychologie: Wie Mensch und Hund miteinander leben und sich gegenseitig beeinflussen. Animal Learn Verlag, Bernau Infos: www.pdte.eu

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Foto: Susanne Lautner Ein gut sitzendes Brustgeschirr hat eine Y-Form und ist an Hals, Brustumfang und Bauch verstellbar. Ein schlecht sitzendes Brustgeschirr ist genauso unbrauchbar wie ein Halsband, doch gut angepasst schont es die Halswirbelsäule. Je jünger der Hund ist, desto länger soll die Leine sein, mindestens drei, besser vier bis fünf Meter.
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Foto: Susanne Lautner An Flexi-Leinen lässt sich die Leinenführigkeit nicht erlernen. Außerdem sind Flexi-Leinen gefährlich, weil die dünne, stets gespannte Schnur Hund und Mensch verletzen kann. Fallen die Handgriffe aus der Hand, werden sie zu Geschossen, bei Versagen des Stoppers läuft der Hund womöglich vor ein Auto.
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Foto: Susanne Lautner Der Welpe sieht einen herannahenden Hund und zeigt das Beschwichtigungssignal „schlecken“ und duckt sich, um einen Konflikt zu vermeiden.
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Foto: Susanne Lautner Das Ausdrucksverhalten gut sozialisierter Hunde folgt Schritt für Schritt einer Eskalationsleiter, um Konflikte zu vermeiden. Am Anfang stehen sehr kleine Signale, die Intensität nimmt von Stufe zu Stufe zu.
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Foto: Susanne Lautner Die angelegten Ohren und der Blick verraten, dass dieser Hund das Streicheln am Kopf „von oben herab“ nicht mag und als unangenehm empfindet.
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Foto: Susanne Lautner Welpen entwickeln beim Spielen soziale Kompetenzen. Der erwachsene Hund rechts zeigt das Beschwichtigungssignal „splitten“, indem er sich zwischen die wild spielenden Welpen stellt und damit deeskaliert.
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Foto: Susanne Lautner Positive Verstärkung bedeutet, dass man einem Hund freundlich und verständlich sagt und zeigt, was man von ihm möchte, und das gezeigte Verhalten belohnt. Belohnungen führen nie zu Fehlverknüpfungen!
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Foto: Susanne Lautner Freies Laufen lässt sich nur verwirklichen, wenn der Hund auch zuverlässig kommt, sobald er gerufen wird. Dies lässt sich im heimischen Garten trainieren.
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Foto: Susanne Lautner Durch ein freundliches Heranrufen mit dem Namen als Aufmerksamkeitssignal und die seitlich gehaltene Hand mit der Belohnung beim Kommen lernt der Welpe die wichtigste Lektion: immer zu kommen, wenn er gerufen wird.
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Foto: Susanne Lautner Die großen Augen und der starre Blick zeigen, dass der Welpe auf dem Arm seiner Besitzerin eigentlich nicht gestreichelt werden möchte. Besser wäre, das Kind setzte sich auf den Boden, sodass der Hund selber entscheiden kann, ob er kommt und sich streicheln lässt.

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