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Genetische Analyse von Ellenbogengelenkwinkeln und deren Beziehungen zur Ellenbogengelenkdysplasie beim Rottweiler

Kleintierpraxis 55, 297-307

Publiziert: 06/2010

Zusammenfassung

In dieser Studie wurde untersucht, welche phänotypischen und genetischen Beziehungen zwischen dem Olekranonwinkel (OL-Winkel), dem Winkel des Processus anconeus (PAWinkel), dem Ulnawinkel (UL-Winkel), dem Radiuswinkel (RAWinkel) und dem Auftreten der Ellenbogengelenkdysplasie (ED) beim Rottweiler bestehen. Für die Untersuchung standen die radiologischen Befunde für ED und Ellenbogengelenkwinkel von 2386 Rottweilern des Allgemeinen Deutschen Rottweiler Klubs (ADRK) zur Verfügung. Die Größe der Ellenbogengelenkwinkel wurde durch das Geschlecht, das Geburtsjahr, die Mutter sowie Beugung und Lagerung des Gelenks während der Röntgenuntersuchung signifikant beeinflusst. Hündinnen hatten größere OL-, PA- und RA-Winkel, jedoch einen kleineren UL-Winkel als Rüden. Die Größe der OL-, PA- und RA-Winkel stieg mit zunehmendem ED-Grad an, der UL-Winkel nahm dagegen ab. Die Heritabilitäten (h2) und genetischen Korrelationen (rg) wurden zunächst für die Ellenbogengelenkwinkel und ED für alle untersuchten Hunde geschätzt. Die Heritabilitäten der Ellenbogengelenkwinkel lagen bei h2 = 0,18–0,41. Lediglich die Winkel OL und UL zeigten mittlere genetische Korrelationen zur ED. Wenn nur die Ellenbogengelenkwinkel von ED-freien Hunden in die Analyse einbezogen wurden, dann zeigten der OL- und RA-Winkel deutliche genetische Korrelationen in einer Höhe von rg = 0,51 (OL) und –0,75 (RA) zur ED. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass die Höhe der Heritabilität der Ellenbogengelenkwinkel von den Veränderungen der ED beeinflusst wird und bei ED-freien Hunden die Heritabilitätsschätzwerte für die Ellenbogengelenkwinkel niedriger sind (h2 = 0,09–0,29). Es ist ein zusätzlicher Zuchtfortschritt auf ED-Freiheit durch Winkelmessungen möglich, jedoch kann eine ED-Befundung durch Winkelmessungen keinesfalls ersetzt werden.
Ellenbogengelenkdysplasie
Ellenbogengelenkwinkel
Rottweiler
Heritabilität
Korrelation

Summary

Genetic analysis of elbow angles and their relationship to elbow dysplasia in the Rottweiler dog
The aim of this study was to analyse the phenotypic and genetic correlations between the prevalence of elbow dysplasia (ED) and the elbow angles OL (angle of the olecranon), PA (angle of the anconeal process), UL (angle of the ulna) and RA (angle of the radius) in the Rottweiler dog. This study included the radiographs of 2386 Rottweiler dogs from the German Rottweiler Club (Allgemeiner Deutscher Rottweiler Club; ADRK). The size of the elbow angles was significantly influenced by sex, year of birth, dam, angle of elbow flexion and X-ray positioning of the dog’s forelimbs. Female dogs had larger OL, PA and RA angles, but their UL was smaller than in male dogs. The size of the OL, PA and RA elbow angles increased with a higher ED score, whereas the UL angle decreased with a higher ED score. First, the additive genetic correlations and heritabilities were analysed in all examined dogs. The heritability estimates for the elbow angles were between h2 = 0.18 and 0.41. Moderate additive genetic correlations were found between the ED score and the angles OL and UL. Using only the elbow angles of dogs free from ED, the OL and RA angles were significantly correlated with the ED scores at rg = 0.51 (OL) and –0.75 (RA). Furthermore, it could be demonstrated that the size of the heritabilities of the elbow angles was influenced by the changes at the elbow joints caused by ED and that in dogs free from ED, the heritabilities of elbow angles were smaller with values of h2 = 0.09 to 0.29. A further increase in breeding progress might be expected if elbow angles are employed as additional traits in addition to ED scores. However, measurements of elbow angles cannot replace scorings of elbow joints for signs of dysplasia.
elbow dysplasia
elbow angles
Rottweiler
heritability
correlation

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