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Der Praktische Tierarzt

Fütterung von Hunden und Katzen mit Erkrankungen des Urogenitaltrakts

Der Praktische Tierarzt 91, 305-308

Publiziert: 04/2010

Zusammenfassung

Die diätetische Begleitbehandlung urogenitaler Erkrankungen hat heute einen hohen klinischen Stellenwert.Sie muss jedoch nicht nur spezifisch sein, sondern im Ergebnis auch regelmäßig überwacht werden.

Hunde und besonders Katzen leiden häufig an Erkrankungendes Urogenitaltrakts. Unabhängig davon, ob die Erkrankung mitoder ohne Beteiligung von mineralischen Kristallen abläuft, ist dasklinische Erscheinungsbild ähnlich. Neben der klassischen Harnsteinbildung(Urolithiasis) beobachtet man auch Matrix-assoziierteHarnpfröpfe. Bei weiblichen Katzen hat die idiopathische Zystitiseine durchaus hohe praktische Bedeutung. Die Diätetik stellt einewichtige Maßnahme in der Behandlung der verschiedenen Erkrankungsformendar.

Pathogenese von Kristallurien bzw. der Urolithiasis
Neben Risikofaktoren diätetischer Art spielen offenbar das Alter,das Geschlecht (kastrierte männliche Tiere unterliegen einem erhöhtenRisiko) und die Rasse eine wichtige Rolle als Dispositionsfaktoren.In den USA und Kanada ist zudem eine sehr starkeVerlagerung in Richtung der durch Kalziumoxalat bedingten Konkrementezu verzeichnen, während in früheren Jahren vorwiegendAmmonium-Magnesium-Phosphat (Struvit) als Konkrementbildnerim Vordergrund stand. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch in Europa,allerdings war bzw. ist die Bedeutung der Ammonium-Magnesium-Phosphatkristalle bzw. -steine immer noch höher als dievon Kalziumoxalat. Die einzelnen Steinarten zeigen Unterschiedehinsichtlich des Verhältnisses von mono- und mischmineralischenKomponenten. Mehr als zwei Drittel der Struvitsteine beim Hundenthalten weitere Konkrementanteile. Liegt ein entsprechender Befundvor, so sollte man sich bei der Auswahl der geeigneten Diätnach dem Hauptkonkrementbildner richten. Für diese Fälle geeigneteDiätfuttermittel sind so konzipiert, dass sie eine verminderteKonzentration der wichtigsten Konkrementbildner, insbesondereStruvit und Kalziumoxalat im Harn induzieren, indem die relativeSättigung des Harns mit Konkrementbildnern reduziert wird.

Die Bildung von Harnsteinen lässt sich aus dem Zusammenwirkenverschiedener Faktoren erklären: eine hohe Konzentrationsteinbildender Substanzen im Harn und eine daraus resultierendeÜbersättigung; ein Harn-pH-Wert, welcher die Bildung vonKristallen bzw. Steinen begünstigt; das Vorhandensein einesKristallisationskernes, zum Beispiel bakterieller Art oder in Formvon Entzündungsprodukten; eine unzureichende Frequenz desHarnabsatzes und dadurch bedingte lange Verweildauer des Harnsin der Blase; ein Mangel an Kristallisationsinhibitoren; Stoffwechselbesonderheiten,die zu einer vermehrten Ausscheidung einesKristallbildners führen sowie ggf. anatomische Fehlbildungen.

Zur Harnsteinbildung werden verschiedene Auslöser vermutetund als Kristallisations-, Inhibitormangel- und Matrixtheoriezusammengefasst. Ein allgemeiner Faktor, der häufig übersehenwird, ist die Höhe der Wasseraufnahme. Je höher die Wasseraufnahme,desto höher ist das Harnvolumen und desto mehr werdendie Inhaltsstoffe des Harns verdünnt. Wichtig ist, dass der Harndie gelösten Substanzen in einem stabilen Gleichgewicht hält undnicht übersättigt wird. Dann wächst nämlich das Risiko für dieKristallisation.

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