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Führung durch Stärke? – Interaktionen zwischen Mensch und Pferd

Der menschliche Umgang mit dem Flucht- und Herdentier Pferd ist geprägt durch traditionelle oder von neuzeitlichen Gurus angepriesene Erziehungsmodelle. Die vorliegende Studienzusammenfassung liefert Daten zu Möglichkeiten und Grenzen der artübergreifenden Kommunikation.

Durch Beobachtung der Sozialstruktur von Pferden hat sich die Meinung etabliert, es könne durch Nachahmung des Dominanz- und Führungsverhaltens unerwünschtes Verhalten der Tiere gegenüber dem Menschen unterbunden werden.

Herdenverhalten des Pferdes
Dominanzverhalten von Pferden führt zu einer Rangordnung in der Herde. Einmal ausgefochten, wird das Dominanzverhältnis nicht weiter durch aggressives Verhalten des Ranghöheren, sondern durch Vermeidungsverhalten der Rangniedrigeren vermittelt. Die Führung der Gruppe übernimmt bei Pferden nicht nur das ranghöchste Individuum. Jedes Pferd kann potenziell innerhalb der Herde zum Initiator einer Aktion werden, deren Effekt in Abhängigkeit zu der Persönlichkeit des Tieres sowie zu seinen Sozialbindungen steht. Pferde kommunizieren über visuelle, auditorische, olfaktorische und taktile Signale.

Kommunikation des Menschen
Der Mensch hingegen verständigt sich vornehmlich über komplexe auditorische Signale und Gesten. Studien belegen jedoch, dass die Intonation der Lautäußerungen eines Menschen Pferde nicht automatisch beruhigt oder einschüchtert, sondern deren Bedeutung erst auf dem Weg der klassischen Konditionierung erlernt werden muss. Starke morphologische Unterschiede erschweren dem Pferd, Gesten des Menschen zu verstehen. Häufig kommuniziert der Mensch auch unbeabsichtigt. So wurde z. B. gezeigt, dass Menschen in Erwartung eines Negativereignisses ihre Herzfrequenzerhöhung auf das Pferd übertragen oder sich Pferde von angespannten Personen schlechter einfangen ließen.

Fazit
Antropomorphistische Charakterzüge wie Respekt und Autorität auf das Pferd zu übertragen und eine Alphaposition durch übertriebene Härte etablieren zu wollen, gefährdet das Wohlbefinden des Pferdes und die Sicherheit des Menschen. Um sicherheitsrelevante Situationen für den Menschen zu vermeiden, sollte durch gutes Management Fehlkonditionierung verhindert werden. Ein reibungsloser Umgang kann durch konsequentes, wohlwollendes Training etabliert werden, gerne unter Zuhilfenahme eines erfahrenen Artgenossen. Probst

Originalpublikation: Hartmann E, Christensen JW, McGreevy PD (2017): Dominance and Leadership: Useful Concepts in Human–Horse Interactions? J Equine Vet Sci 52: 1–9. DOI 10.1016/j.jevs.2017.01.015.

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