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Foto: Claus-Peter Bartmann
Pferdegebiss mit EOTRH

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Frühe EOTRH bleibt unentdeckt

Eine Kadaverstudie vergleicht klinische, radiologische und Mikro-CT-Befunde an Schneidezähnen. Beim Röntgen werden frühe EOTRH-Veränderungen häufig nicht diagnostiziert.

Die Gesellschaft für Pferdemedizin schreibt in Der Praktische Tierarzt monatlich über praxisrelevante, aktuelle Forschung.

Die equine odontoklastische Zahnresorption und Hyperzementose (equine odontoclastic tooth resorption and hypercementosis, EOTRH) ist ein schmerzhaftes und progressives Krankheitsbild der Schneide- und Hengstzähne älterer Pferde. Für frühe radiologische Veränderungen gibt es bisher keine einheitlichen Kriterien.

Röntgen- und µCT-Befunde divergieren

In einer deskriptiv-vergleichenden Studie wurde die Schneidezahnregion an 20 Köpfen von getöteten Pferden klinisch und mithilfe intraoraler Röntgentechnik untersucht und anhand eines definierten Scores klassifiziert. Anschließend wurden die Schneidezähne extrahiert, makroskopisch beurteilt und mithilfe einer Mikro-Computertomografie (µCT) untersucht. Durch eine Softwareapplikation wurde die Rauigkeit der Zahnoberflächen dargestellt und ausgewertet. Erhobene Röntgenbefunde konnten makroskopisch sowie bei den µCT-Scans bestätigt werden. Allerdings fanden sich bei 13,7 % der als radiologisch gesund befundeten Zähne makroskopische Läsionen. Bei der µCT-Analyse waren sogar 58,1 % der radiologisch als gesund befundeten Zähne auffällig.


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Die Veränderungen bei EOTRH zeigen sich zuerst palatinal bzw. lingual, das konnte durch die Wissenschaftler bestätigt werden. Bei der intraoralen Röntgentechnik zur Diagnosestellung werden frühe Veränderungen aber überlagert und können somit nicht diagnostiziert werden.

Radiologische Kriterien überarbeiten

Bei 83,7 % der als röntgenologisch gesund klassifizierten Schneidezähne fanden sich im µCT Befunde, die bei moderater (52,7 %) bis schwerer EOTRH (5,4 %) vorliegen oder die zumindest verdächtig für eine EOTRH waren (25,6 %). Noch ist unklar, ob alle beobachteten Veränderungen im Zusammenhang mit EOTRH stehen oder ob auch altersbedingte Befunde ohne entsprechende Symptomatik erhoben wurden. Durch den vergleichenden Studienansatz konnten die Grenzen der Röntgendiagnostik bei EOTRH im frühen Stadium aufgezeigt werden. Daher raten die Forscher dazu, die aktuellen radiologischen Kriterien zu überarbeiten.

Originalpublikation

Albers L, Albers J, Dullin C, Staszyk C, Bienert-Zeit A (2023): Early incisor lesions and Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis: Reliability of radiographic findings. Equine Vet J 55: 261–269. doi.org/10.1111/evj.13577.

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