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From farm to fork - Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) als Zoonoseerreger?

Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 118

Publiziert: 08/2005

Zusammenfassung

Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) ist der Erreger der Paratuberkulose (Para Tb) bei Wiederkäuern. Aufgrund der vergleichbaren pathomorphologischen Veränderungen bei der als Morbus Crohn (MC) bezeichneten chronisch entzündlichen Darmveränderung des Menschen wird seit langer Zeit eine Beteiligung von MAP an dieser Krankheit diskutiert. Es ist einerseits mehrfach gelungen, MAP-DNA in verändertem Gewebe beim Menschen nachzuweisen sowie, in jüngster Zeit, den Erreger aus dem Blut Erkrankter anzuzüchten; andererseits gibt es eine Vielzahl von Veröffentlichungen, die einen Zusammenhang widerlegen. In kritischer Bewertung bisher vorliegender Daten kann daher allenfalls die Hypo-these formuliert werden, daß MAP möglicherweise am MC des Menschen beteiligt sein könnte. Die Verifizierung oder Falsifizierung dieser Hypothese wird sicherlich erst möglich sein, wenn zum einen die diagnostischen Verfahren, die z. T. ein erhebliches Defizit bezüglich der Sensitivität und/oder Spezifität aufweisen, verfeinert werden und statistisch einwandfreie Fall-Kontroll-Studien erhoben werden, an denen es derzeit noch mangelt. Abgesehen von einer vorstellbaren Erregerübertragung auf den Menschen durch den direkten Tierkontakt werden aufgrund entsprechender MAP-Nachweise, selbst in pasteurisierter Milch, auch Lebensmittel tierischen Ursprungs als mögliche Vektoren diskutiert. Die vornehmlich aus blutserologischen Untersuchungen stammenden Prävalenzdaten liegen für Milchrinderbestände in vielen Bundesländern über 80 %, bei einer Einzeltierprävalenz, die sich regelmäßig zwischen 1 % und 17 % bewegt. Vergleichbare Daten liegen auch aus anderen Staaten sowie für kleine Wiederkäuer vor. Es handelt sich somit um ein globales Problem. Die ebenfalls hohe Verbreitung von MAP in Wildtierpopulationen sowie die beachtliche Überlebensfähigkeit des Erregers in der Umwelt unterhalten insgesamt einen Infektions- und Kontaminationszyklus über belebte und unbelebte Vektoren, der kaum zu durchbrechen sein dürfte. Vor diesem Hintergrund bedarf es intensiver Forschungsbemühungen zur Fortentwicklung methodischer Verfahrenstechniken als Basis für valide epidemiologische Erhebungen bei Tieren, beim Menschen und in Lebensmitteln.

Summary

Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) is the causative agent of the paratuberculosis (Para Tb) in ruminants. In addition, this pathogen has been suspected to be implicated in the pathogenesis of Morbus Crohn disease (MC), causing chronic inflammatory intestine changes of humans. The participation of MAP in this illness is discussed intensively and has very contradictory opinions. On the one hand several times succeeded in proving MAP DNA in changed human tissues as well as, in recent time, the bacteria has been isolated from patient's blood. On the other hand there are many publications which support the opposite opinion. In critical evaluation of already available data, therefore the hypothesis can be formulated that MAP could possibly take part in the MC of humans. The reliable verification of this hypothesis will only be possible, if the diagnostic procedures can be refined upon the substantial deficit concerning the sensitivity and/or specificity of the diagnostic methods. In addition, till now there is lack of optimized statistically case control studies. The conceivable transmission of the bacteria to humans by the direct animal contact has been considered as possible vector, furthermore, MAP has been detected in pasteurised milk and other food of animal origin. The prevalence data, usually estimated by ELISA for milk cattle stock show over 80 % prevalence in many counties of the Federal Republic of Germany with an individual case prevalence ranging between 1 % and 17 % in different stocks. Comparable data are present also from other countries as well as for small ruminants. MAP has been concerned as a global problem, moreover the high spreading rate of MAP in wild animal populations as well as the considerable ability of the bacteria to survive in different stages of the infectious- and contamination-cycle, which might hardly be broken through. Thus it requires intensive research efforts for the development of the methodical diagnostic process as basis for valid epidemiological investigations of animals, humans and food.

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