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Foto: Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Aus der Forschung

Fragiles Fohlen-Syndrom: Was ist der Ursprung des Gendefekts?

Genetische Untersuchungen an 100 Jahre alter Pferdehaut brachten Göttinger Forscher auf die Spur einer alten genetischen Erkrankung.

Ronald war nicht schuld: Bisher wurde die Verbreitung eines Gendefekts, der das fragile Fohlen-Syndrom verursacht, dem englischen Voll­bluthengst Dark Ronald XX zugeschrieben. Als Stempelhengst mit überdurchschnittlicher Vererbungskraft war er Anfang des 20. Jahrhundert im Einsatz und hatte großen Einfluss auf die deutsche Pferdezucht. Doch ein Forschungsteam der Universität Göttingen konnte jetzt nachweisen, dass der Hengst kein Träger der Mutation war.

Warmblut Fragiles Fohlen Syndrom

Das fragile Fohlen-Syndrom ist eine schwere, meist tödliche Erkrankung, die auf eine Mutation des Gens PLOD1 zurückgeht. PLOD1 sorgt normalerweise dafür, dass sich Kollagen-Moleküle in der Haut und im Bindegewebe zu einem stabilen Geflecht verbinden können. Seit der Gendefekt entdeckt wurde, werden alle Zuchttiere darauf getestet. Auch beim Menschen gibt es eine vergleichbare genetische Erkrankung, die als Ehlers-Danlos-Syndrom bezeichnet wird und ähnliche Symptome aufweist.

Gentest im Museum


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Dark Ronald war aber kein Träger der Mutation, wie Forschende der Universitäten Göttingen und Halle jetzt nachweisen konnten. Die Untersuchungen deuten eher auf einen 1826 geborenen Hannoveraner Hengst hin. Die Forschenden hatten Zugriff auf Untersuchungsmaterial, weil Dark Ronald XX 1928 in der Universität Halle an Darmkolik verstarb und seine sterblichen Überreste wie Skelett in der haustierkundlichen Sammlung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aufbewahrt wurden. „Die Untersuchung der DNA aus der fast 100 Jahre alten Haut von Dark Ronald XX war nicht ganz einfach“, so Ko-Autorin Dr. Renate Schafberg von der Universität Halle, „da wir nichts über die Gerbung oder sonstige konservierende Behandlungen der Haut wussten“.

Hier finden Sie die in Animal Genetics veröffentlichte Studie.

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