Journal Club Logo

Journal Club

Fliegenmaden in der Nase eines Alpakas

Selten, aber nicht unmöglich: Myiasis bei einem Neuweltkameliden in Niedersachsen.

Eine Infestation mit Fliegenmaden kann zu respiratorischen Problemen führen. Verschiedene Fliegenspezies kommen in Betracht, hierzulande bei Neuweltkameliden insbesondere die Schafbremse (Oestrus ovis) und Rachendasseln (Cephenemyia spp.). Die eigentliche Nasendassel der Kamele, Cephalopina titillator, kommt in Zentraleuropa nicht vor. Bisherige Berichte betreffen Lamas, wohingegen für das Alpaka bisher keine Fälle bekannt sind.

Der Fall
Ein fünfjähriger kastrierter Alpaka-Hengst, der mit vier Stuten zusammen gehalten wird, fiel seit drei Wochen durch heftige Niesattacken von teilweise bis zu zwei Stunden Dauer auf. Bei der klinischen Untersuchung ließ sich Niesen durch Druck auf den Nasenrücken auslösen und es lag beidseitig seröser Nasenausfluss vor. Die Atemgeräusche waren physiologisch. Die endoskopische Untersuchung der Nase unter Allgemeinanästhesie zeigte etwa 15 Zentimeter tief im Nasengang eine erhebliche Umfangsvermehrung, in der sich mehrere Fliegenmaden bewegten. Es war nicht möglich, Maden zu entnehmen, da Manipulationen der Umfangsvermehrung zu Blutungen führten.

Das Alpaka wurde einmalig mit Doramectin (Dectomax®) in einer Dosierung von 0,2 mg/kg subkutan behandelt. Fünf Tage später war kein Niesen mehr auslösbar und eine erneute endoskopische Untersuchung ergab eine deutliche Schrumpfung der Umfangsvermehrung und keine sichtbaren Maden mehr. Auch wenn eine Bestimmung der Madenart in diesem Fall nicht zweifelsfrei möglich war, sprachen mehrere Indizien dafür, dass es sich um Cephenemyia spp. gehandelt hat: Das Alpaka hatte keinen Kontakt mit Schafen, wohl aber mit Rehen, dem Endwirt dieser Rachendasseln; ferner sprach die starke Schwellung für Rachendasseln, die eine besonders starke Immunreaktion hervorrufen; und nicht zuletzt glichen die endoskopisch beobachteten Maden denen der Rachendassel.

Fazit
Fliegenmaden können offenbar durchaus die Ursache respiratorischer Störungen bei einem Alpaka sein und sollten deshalb differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden. Eine Behandlung mit Doramectin war erfolgreich.


Originalpublikation:
Punsmann TM, Grimm LM, Reckmann C, Schwennen C, Wagener MG, Ganter M (2018): First report on nasal myiasis in an alpaca „Vicugna pacos“ – a case report. BMC Vet Res 14: 384. DOI 10.1186/s12917-018-1706-7.

Journal Club Logo

Journal Club

26. Juni 2019

Endoparasiten bei Alpakas in Deutschland und Österreich

Magen-Darm-Strongyliden, allen voran der Rote Magenwurm, sind in Alpakaherden ein massives Problem. Ein Team der Vetmeduni Vienna hat Alpakabesitzer befragt, wie häufig Endoparasitosen sind und wie die Neuweltkameliden entwurmt werden.

Foto: PAB P

Zoonose

13. November 2020

Rattenhalter aufgepasst: Nicht nur Mäuse übertragen Hantaviren

In Niedersachsen hat sich eine junge Patientin bei ihrer Ratte mit einem hochvirulenten asiatischen Hantavirus infiziert.

Neuweltkameliden sind sehr soziale, gesellige Tiere. Im Falle eines stationären Aufenthalts an einer Tierklinik empfiehlt es sich, zusätzlich zum Patienten auch ein vertrautes Begleittier aufzustallen.
Foto: Chitsanupong - stock.adobe.com

news4vets

4. Juni 2021

Zahnerkrankungen bei Lamas und Alpakas

Das Gebiss von Neuweltkameliden weist anatomische Besonderheiten auf. Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über die häufigsten Zahnerkrankungen und ihre Behandlung.

Journal Club Logo

Journal Club

11. Juli 2017

Imepitoin: Zwei Fliegen mit einer Klappe?

Imepitoin wird erfolgreich bei der Therapie der idiopathischen Epilepsie eingesetzt. Dem zentral wirksamen Antiepileptikum wird nachgesagt, auch anxiolytisch zu wirken. Untersucht und bewiesen wurde dies bisher beim Hund aber noch nicht.