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Einmal mit RHD infiziert versterben betroffene Tiere meist innerhalb von 12-36 Stunden.
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Einmal mit RHD infiziert versterben betroffene Tiere meist innerhalb von 12-36 Stunden.

Hämorrhagische Kaninchenkrankheit

FLI weist auf hypervirulente RHD-Stämme hin 

In Frankreich und Belgien haben veränderte RHDV-2-Stämme mitunter für massive Tierverluste in kommerziellen Kaninchenhaltungen gesorgt.

  • Seit 2015 ist eine Ausbreitung der Hämorrhagischen Kaninchenkrankheit, vor allem ausgelöst durch das Rabbit Haemorrhagic Disease Virus 2 (RHDV-2), auf das gesamte Bundesgebiet zu verzeichnen.
  • In Frankreich und Belgien wurden seit 2019 in kommerziellen Kaninchenhaltungen veränderte hypervirulente RHDV2-Stämme nachgewiesen, die vor allem bei Jungtieren trotz korrekter Impfung in seltenen Fällen zu dramatischen Verlusten führen können.
  • In Frankreich wurde eine vorübergehende Genehmigung zur Nutzung eines neu entwickelten Impfstoffes erteilt, der in kommerziellen Haltungen angewendet werden darf, die nachweislich Probleme mit den neuen hypervirulenten Virusstämmen haben.
  • Nach bisherigen Erkenntnissen traten diese neuen hypervirulenten Stämme in Deutschland und in den Niederlanden noch nicht auf.

Wie das Friedrich-Loeffler-Institut mitteilt, erkranken und sterben Kaninchen, vor allem Jungtiere, trotz korrekt ausgeführtem Impfschutz. Die veränderten hypervirulenten Stämme des RHDV-2-Virus seien das erste Mal in 2019 nachgewiesen worden. Ausbrüche unter korrekt vakzinierten Tieren scheinen zwar selten zu sein, nehmen wenn aber einen dramatischem Verlauf. In Frankreich hat die Zulassungsbehörde eine vorübergehende Nutzungsberechtigung für einen neu entwickelten Totimpfstoff mit Immunverstärkern erteilt, welcher vom französischen Hersteller Filavie stammt und nur in großen Margen (ab 100 Dosen) vertrieben wird. Die Vakzine darf seit dem 22.11.2021 eingesetzt werden, allerdings nur in kommerziellen Haltungen, die nachweislich Probleme mit den neuen hypervirulenten Virusstämmen haben.

Noch keine Ausbrüche in Deutschland

Bisher gab es in Deutschland noch keine Nachweise/Ausbrüche der neuen Virusstämme. Auch die Niederlande blieben bis dato verschont. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) überwacht die Situation und kann bei einem Nachweis der veränderten RHDV-2-Erreger in Deutschland ebenfalls Ausnahmegenehmigungen für die Vakzination kommerzieller Haltungen erteilen. Bei Hauskaninchen böten die verfügbaren Impfstoffe einen ausreichenden Schutz. Bei akuter Bedrohung durch eine mögliche zukünftige Ausbreitung der hypervirulenten RHDV-2-Stämme bietet sich bei ihnen zudem die effiziente Alternative, das Impfintervall weiter zu verkürzen und Tiere alle sechs Monate zu impfen. Dies wäre zumindest für die erste Auffrischungsimpfung bei Jungtieren dringend zu empfehlen, gegebenenfalls auch bei Vorerkrankungen und bei hoher Belastung der Tiere bzw. hohem Leistungslevel (Auffangstationen/Zucht).

Diagnostisch werden die hypervirulenten Viren von den etablierten RHDV-2-Nachweismethoden sicher erfasst. Die Methodik ist jedoch zeit- und kostenintensiv und wird vom FLI daher nur bei begründetem Verdacht (z. B. Massensterben in kommerziellen Haltungen trotz korrekt durchgeführter Impfungen) eingesetzt. Besteht der Verdacht auf mangelhafte Wirksamkeit zugelassener Vakzine trotz ordnungsgemäß durchgeführter Impfung, bittet das FLI um Meldung bei den Impfstoffherstellern sowie dem Paul-Ehrlich-Institut bzw. bei der Europäischen Agentur für Arzneimittelzulassung (Nobivac-Impfstoffe).

Deutsche Kaninchen vor RHD schützen – weitere Infos vom FLI

Da die gegen das klassische RHDV zugelassenen Impfstoffe  nur bedingt gegen RHDV-2 schützen, sollte entsprechend den aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) gegen beide Serotypen geimpft werden. Es steht mittlerweile ein bivalenter Impfstoff zur Verfügung, der nach einmaliger Anwendung für ein Jahr gegen beide derzeit zirkulierenden Varianten des Virus Schutz bietet.

Zusätzlich zur Impfung ist auf Maßnahmen des allgemeinen Infektionsschutzes besonderer Wert zu legen: Hygiene, Desinfektion, Kleiderwechsel; wenn möglich Quarantänehaltung bei Zukauf. Im Falle eines RHDV Ausbruchs sind Reinigung, Desinfektion und sichere Beseitigung von potentiell infektiösem Material unerlässlich, um eine Weiterverbreitung einzudämmen. Hierbei ist vor allem die Wahl der richtigen Desinfektionsmittel wichtig: Es ist unbedingt zu beachten, dass Spezialmittel, die gegen unbehüllte Viren wirksam sind, zum Einsatz kommen.