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Stechmücken sind bei Flaviviren häufige Vektoren.
Foto: Henrik Larsson - Fotolia.com
Stechmücken sind bei Flaviviren häufige Vektoren.

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Flaviviren auf dem Vormarsch

Eine weitere Ausbreitung von Flaviviridae in Europa ist eine realistische Bedrohung. Ein aktuelles Consensus Statement zu Diagnostik, Therapie und Prävention.

Die Gesellschaft für Pferdemedizin schreibt in Der Praktische Tierarzt monatlich über praxisrelevante, aktuelle Forschung.

Ein aktuelles Consensus Statement des European College of Equine Internal Medicine (ECEIM) fasst aktuelle Literatur zu in Europa auftretenden Flaviviren zusammen und formuliert Empfehlungen bezüglich Diagnose, Behandlung und Prävention. Zu den in Europa vorkommenden Flaviviren zählen das

  • West-Nil-Virus,
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)-Virus,
  • Usutu-Virus,
  • da Louping-ill-Virus und das
  • equine Hepacivirus.

Diagnostik mittels Serologie


Top Job:


Bis auf das equine Hepacivirus, dessen Übertragung noch ungeklärt ist, sind Flaviviren vektorassoziiert und werden durch Zecken oder Mücken übertragen. Von allen Flaviviren hat das West-Nil-Virus die größten Auswirkungen auf die Pferdegesundheit. Die Verdachtsdiagnose einer West-Nil-Virusinfektion kann aufgrund von Jahreszeit, klinischem Bild, Impfstatus und Herkunft des Patienten gestellt werden. Die serologische Antikörpertestung kann eine Ante-mortem-Diagnose ermöglichen. Therapeutische Maßnahmen sind lediglich unterstützend, eine zielgerichtete Therapie existiert nicht.

Zoonotisches Potenzial

Dokumentierte Ausbrüche in den USA zeigen das Potenzial unvorhersagbarer und dramatischer Epidemien bei Flaviviren am Beispiel von West-Nil-Virusinfektionen auf. Pferd und Mensch gelten als Fehlwirte. Eine Reinfektion von Zecken und Mücken tritt aufgrund geringer Viruslast bei kurzer Virämiedauer nicht auf. Das neurologische Krankheitsbild tritt beim Menschen bei etwa 1 % der Infektionen auf, bei Pferden bei etwa 10 %. Laut der Autoren erzeugen alle verfügbaren Impfstoffe vergleichbare Antikörpertiter und schützen vor schweren Verläufen. Die Empfehlungen bezüglich einer Impfung variieren je nach Land, doch grundsätzlich besteht eine Impfempfehlung für endemische Gebiete. Für die anderen Flaviviren existieren derzeit keine Impfstoffe.

Originalpublikation

Cavalleri JV, Korbacska-Kutasi O, Leblond A, Paillot R, Pusterla N, Steinmann E, Tomlinson J (2022): European College of Equine Internal Medicine consensus statement on equine flaviviridae infections in Europe. J Vet Intern Med 36: 1858–1871. doi.org/10.1111/jvim.16581.

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