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Foto: reinhard sester - Fotolia
Mastschweine: Bei der Fleischuntersuchung fiel eine Muskelerkrankung auf.

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Fettige Muskeldystrophie beim Mastschwein

2017 stieß ein Tierarzt bei der Fleischuntersuchung von zwei Schweinen in der Steiermark auf eine pathologisch fettdurchsetzte Glutealmuskulatur. Eine kleine Umfrage zeigte: Das Phänomen ist in Österreich anscheinend nicht selten.

Bei zwei Schweinen in der österreichischen Steiermark fiel während der Fleischbeschau am Schlachthof die fettig infiltrierte Glutealmuskulatur auf. Teilweise war das Muskelgewebe komplett durch Fett ersetzt. Eine histopathologische Untersuchung an der Vetmeduni Wien ergab die Diagnose fettige Muskeldystrophie mit reduzierter Bildung des Strukturproteins Dystrophin. Die Diagnose konnte durch eine Dystrophin-spezifische Immunhistochemie bestätigt werden.

Muskeldystrophien in der Humanmedizin 

Beim Menschen sind zwei Formen dystrophischer Muskelerkrankungen bekannt: Die Duchenne Muskeldystrophie, die ab der frühen Kindheit zu Muskelschwäche und -atrophie führt, sodass betroffene Kinder zumeist ab dem 10.–12. Lebensjahr im Rollstuhl sitzen. Und die Becker-Muskeldystrophie, die später einsetzt und weniger schnell verläuft. Ursächlich für beide Erkrankungen ist jeweils ein Gendefekt am Dystrophin Gen, das auf dem X-Chromosm liegt. Der Defekt wird rezessiv vererbt, sodass zum überwiegenden Teil Jungen betroffen sind. 

Ursachen und Prävalenz sind noch unbekannt

Muskeldystrophien sind bei verschiedenen Spezies beschrieben und treten auch beim Hausschwein auf. Am Schlachthof fällt das Problem jedoch normalerweise nicht auf, denn Mastschweine erreichen gar nicht das Alter, in dem sich die Erkrankung manifestieren würde.

Einen ersten Eindruck zur Prävalenz lieferte eine Umfrage unter Tierärzten und Tierärztinnen in der österreichischen Fleischuntersuchung. Die Beteiligung war eher gering, es antworteten knapp 15 Prozent (14 von 94). Acht der Fleischuntersuchenden in vier Schlachthöfen hatten schon ähnliche Fälle gesehen. Das Ausmaß der Fettinfiltration im Muskel wurde meist auf etwa 20–40 Prozent geschätzt. Die Schlachttieruntersuchungen waren ohne besonderen Befund.

Die zwei Fälle fettiger Muskeldystrophie in der Steiermark betrafen ein männliches und ein weibliches Schwein. Sollte es sich hier wie beim Menschen um eine rezessiv X-chromosomal vererbte Krankheit handeln, wäre das ein Hinweis auf ein häufiges Vorkommen des Allels in der österreichischen Schweinepopulation. Letztlich ist jedoch zunächst weitere Forschung notwendig, um die Prävalenz und ökonomische Bedeutung der fettigen Muskeldystrophie in der österreichischen und weltweiten Schweinepopulation zu bestimmen. Dann müssten die genetischen oder umweltassoziierten Ursachen geklärt werden, um eine Ausbreitung des Problems zu verhindern.

Originalpublikation

Schwarz L, Schöner C, Brunthaler R, Weissenböck H, Bernreiter-Hofer T, Wallner B, Ladinig A (2021): Investigations on the occurrence of a muscular disorder in Austrian slaughter pigs. Porc Health Manag 7, 51. DOI 10.1186/s40813-021-00230-1

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