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Unvollständiger oder verzögerter Fellwechsel beim Pferd: Ein starker Hinweis auf PPID.
Foto: Menzies-Gow et al. 2023
Unvollständiger oder verzögerter Fellwechsel beim Pferd: Ein starker Hinweis auf PPID.

Journal Club

Evidenz bei PPID

Diagnostik und Therapie der Pituitary pars intermedia dysfunction, zusammengefasst durch die British Equine Veterinary Association.

Die Gesellschaft für Pferdemedizin schreibt in Der Praktische Tierarzt monatlich über praxisrelevante, aktuelle Forschung.

Die BEVA (British Equine Veterinary Association) hat zur Entwicklung klinischer Richtlinien für das Management von Patienten mit Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID) eine Übersichtsarbeit zu der vorhandenen Evidenz anhand von verfügbarer Fachliteratur initiiert. Hierfür wurden von einem Panel ein wissenschaftlicher und thematisch strukturierter Fragenkatalog entworfen und die Veröffentlichungen auf ihre Evidenz beurteilt.

Prävalenz bei Pferden ≥ 15 Jahren zwischen 21 und 27 %

PPID ist eine häufige, altersabhängige chronische Erkrankung bei Pferden mit variabler klinischer Symptomatik. Die Diagnostik ist nicht standardisiert und die Behandlungsoptionen sind begrenzt. Die Kombination aus Alter und auftretenden Symptomen ermöglicht einen klinischen Verdacht und verbessert die Auswertung diagnostischer Tests. Dabei gelten Hypertrichose und verzögerter bzw. unvollständiger Fellwechsel als klinisch sehr verdächtige Symptome. Die Diagnostik mittels basaler ACTH-Wert-Bestimmung ist im Herbst zu 88–92 % akkurat, die Variabilität steigt allerdings in anderen Jahreszeiten. Der TRH-Stimulationstest unterliegt weniger Schwankungen: 92–98 % im Herbst vs. 90–94 % in den übrigen Jahreszeiten. Neben der Jahreszeit beeinflussen auch Rasse, Ort, Fütterung, Transport und starke Schmerzen die Plasma-ACTH-Konzentration. Milde Schmerzsymptomatik hat keinen deutlichen Effekt auf die basale ACTH-Konzentration. Das Auftreten von PPID bei Pferden < 10 Jahren ist unwahrscheinlich und positive Testergebnisse müssen kritisch geprüft werden, um Fehldiagnosen und lebenslange Therapien zu vermeiden.


Top Job:


Pergolid als Monotherapie weiterhin Standard

Pergolid verbessert viele klinische Symptome bei PPID bei einer Großzahl der Pferde und kann die basale ACTH-Konzentration senken. Der Einsatz von Mönchs­pfeffer-Präparaten kann einige klinische Symptome mildern, hat allerdings keinen Einfluss auf die ACTH-Konzentration. Kein messbarer Vorteil wurde durch die Kombination von Pergolid und Mönchs­pfeffer erreicht. Auch die Kombination von Cyproheptadin und Pergolid bietet keinen besseren Therapieerfolg. Es fand sich keine Evidenz für negative kardiogene Effekte von Pergolid. Allerdings wird auch die Insulinsensitivität durch Pergolid nicht verbessert. Abschließend wird durch die Forscher festgestellt, dass die Evidenz in der verfügbaren Literatur weiter verbessert werden muss.

Originalpublikation

Menzies-Gow NJ, Banse HE, Duff A, Hart N, Ireland JL et  al. (2023): BEVA primary care clinical guidelines: Diagnosis and management of equine ­pituitary pars intermedia dysfunction. Equine Vet J: 1–23. doi.org/10.1111/evj.14009.

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