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Kleintierpraxis

Evaluierung der Haltungsbedingungen häufig gehaltener Reptilienspezies in Deutschland

Evaluation of the husbandry conditions of reptile species commonly kept in Germany

Kleintierpraxis 59, 477-491

DOI: 10.2377/0023-2076-59-477

Publiziert: 10/2014

Zusammenfassung

Reptilien stellen als poikilotherme Lebewesen besondere Anforderungen an die Haltung. Um Daten zu Haltung und möglichen Haltungsdefiziten häufig gehaltener Reptilien zu erheben, wurden deutschlandweit in spezialisierten tierärztlichen Einrichtungen Halter mittels eines standardisierten Fragebogens befragt und Daten zum Tier, zur Unterbringung und Fütterung sowie zur Erfahrung des Halters erhoben. Insgesamt wurden 304 Fragebögen ausgewertet und die Ergebnisse mit verschiedenen Haltungsangaben zu der jeweiligen Spezies verglichen, wobei nach definierten Kriterien keine, geringe oder deutliche Abweichungen beurteilt wurden. Die Ergebnisse wurden zueinander in Bezug gesetzt und auch über alle Spezies hinweg ausgewertet. Insgesamt wurde die Terrariengröße bei einem Drittel als deutlich abweichend eingestuft, wobei insbesondere Schlangen betroffen waren. Die Luftfeuchtigkeit war bei 57 % der Tiere und die Temperatur bei 43 % deutlich abweichend. Bei der Fütterung traten nur bei zwei Spezies mehrheitlich deutliche Abweichungen auf, bei etwa einem Drittel aller Reptilien entsprachen die Angaben zur Fütterung vollständig den Empfehlungen. Deutliche Abweichungen ergaben sich bei der Durchführung der Winterruhe. Es wurde nachgewiesen, dass bei Haltern, bei denen ein evaluierter Parameter deutlich von der Vorgabe abwich, auch signifikant häufiger andere Haltungsparameter deutlich abweichend waren. Bezüglich der Erfahrung der Halter zeigte sich, dass bei denjenigen, welche bereits mehrere Reptilien gehalten haben, entsprechend weniger Abweichungen von den Vorgaben auftraten. Ein Rückschluss auf die generelle Situation aller Reptilienhaltungen in Deutschland ist auf Basis der Ergebnisse nicht zulässig, da die Studie nicht repräsentativ war und die Halterangaben freiwillig und nicht überprüfbar erfolgten. Dennoch geben die Ergebnisse wichtige Hinweise auf mögliche Verbesserungspunkte bei der Haltung häufiger Reptilienspezies, die Tierärzte bei der Beratung von Reptilienhaltern beachten sollten, und betonen die Notwendigkeit, dass Halter eine entsprechende Sachkunde haben.

Reptil
Haltung
Fütterung
Evaluierung

Summary

As poikilothermic organisms, reptiles have special husbandry needs. In order to collect data on the husbandry conditions and possible deficits, several German veterinary institutions specialising in reptile medicine asked reptile owners to complete a standardised questionnaire. Data on the reptile itself, its housing and feeding conditions as well as the experience of the owner were evaluated. A total of 304 questionnaires were assessed and the results were compared with the husbandry recommendations for the respective species, resulting in an assessment of no, lowgrade or significant deviation. The results were interpreted in relation to each other, and also evaluated independent of the species. Overall, in one third of the cases evaluated, the terrarium size was classified as being significantly too small, with snakes being particularly affected. In 57% air humidity and in 43% ambient temperature deviated significantly from the suggested parameters. As for the food provided, significant deviations from the suggested norms were found in only two of the species presented; approximately one third of all the reptiles included in the study were fed according to the recommendations. Significant deviations were also found for the brumation of the reptiles. It could be demonstrated that in reptiles with one parameter differing from the recommendations, other parameters also deviated in significantly more cases. Regarding the experience of the owners, it could be shown that, in general, fewer deviations were found amongst those who kept several reptiles. On the basis of these results, it is not possible to draw any conclusions about the general situation of reptiles kept in Germany, since the study is not representative and the owner information was provided on a voluntary and non-verifiable basis. Nevertheless, the data give important information about the possibilities of improving husbandry conditions of commonly kept reptile species that veterinarians should be aware of when advising clients, and emphasise the need for appropriate education in the owners of reptiles.

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