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Erster deutscher Fallbericht über eine Myiasis durch Hypoderma diana

Dasselfliegenbefall beim Rind war im 20. Jahrhundert in Europa eine sehr bedeutende parasitäre Erkrankung. Koordinierte Kontrollprogramme konnten die Rinderhypodermose zurückdrängen. Doch erkranken können auch andere Tiere, ob domestiziert oder wild, inklusive des Menschen.

Eine fünfjährige Vollblutstute aus Niedersachsen zeigte im Januar 2015 als einziges Pferd im Bestand einen massiven Befall mit subkutanen Dassellarven. Die 18 Dasselbeulen an Rücken, Rippen, Flanke und Kruppe waren im Durchmesser 1–2 cm breit, etwas erhaben und zeigten das typische Atemloch. Aus der Hälfte der Beulen konnten durch manuellen Druck lebende Larven entfernt werden. Eine weitere Behandlung war nicht erforderlich und die nicht schmerzhaften Dasselbeulen verschwanden nach sechs Wochen. Klinisch war die Stute anschließend unauffällig und führte ihre Laufbahn als international erfolgreiches Rennpferd fort.

Hypoderma diana
Eine morphologische Larvenuntersuchung identifizierte die Larven als Hypoderma diana, eine Dasselfliege mit geringer Wirtsspezifität, die hauptsächlich Tiere aus den Familien der Hirsche und Rinder befällt. Es sind aber auch Fälle von Schweinen und Equiden als Fehlwirte bekannt. Höhepunkt der Ansteckungszeit ist Juni und Juli, bei Trockenheit und Temperaturen über 18 °C. Das Pferd scheint eigentlich ein unpassender Wirt zu sein, da beobachtet wurde, dass sich an ihm kein drittes Larvenstadium entwickeln kann.

Beim Entwurmen vergessen
Dass es bei diesem Pferd zu einem so starken Befall kommen konnte, lässt sich auf besondere Gegebenheiten zurückführen: Der Privatstall liegt in einem Gebiet mit viel Weideland, an dem kleinere Waldgebiete angeschlossen sind. Rehe halten sich auf den Weiden auf, um dort zu grasen, was es wahrscheinlich macht, dass die Dasselfliegen über diese zu den Pferden kamen. Zusätzlich war das betroffene Pferd von August bis Dezember zum Training in einem anderen Stall und wurde deshalb im November bei der routinemäßigen Entwurmung der anderen Pferde des Gestüts mit Ivermectin vergessen. Zudem ist die dunkle Fellfarbe des Tieres attraktiv für Dasselfliegen.

Wirksame Prävention
Der vorliegende Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer routinemäßigen Parasitenprophylaxe – dass nur das einzige unbehandelte Pferd infiziert war, spricht für die Wirksamkeit der prophylaktisch angewendeten Makrozyklischen Laktone. Vermutlich wirkt Ivermectin bei Pferden in der therapeutischen Dosierung für die Entwurmung (200 μg/kg Körpergewicht) gegen das erste und zweite Larvenstadium.
Nach dem ersten Frost im späten Herbst legt die Dasselfliege keine Eier mehr. Die Entwicklung der Larven aus dem letzten Gelege benötigt eine Woche, danach können sie den Wirt infizieren. Die Ivermectin-Behandlung sollte nach Abschluss der „Dasselfliegen-Saison“ im Spätherbst stattfinden und entsprechend der Wetterlage terminiert werden. Probst


Originalpublikation:
Borges F, Sybrecht GW, von Samson-Himmelstjerna G (2017): First reported case of Hypoderma diana Brauer, 1985 (Diptera: Oestridae)-associated myiasis in a horse in Germany. Equine Vet Educ
DOI 10.1111/eve.12810

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