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Bei Eseln und Zebras wurde ein equines Hepatitis-B-Virus nachgewiesen.

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Equines Hepatitis-B-Virus entdeckt

Das bei Eseln und Zebras in verschiedenen Ländern nachgewiesene Virus infiziert in vitro auch Hepatozyten des Pferdes.

Auf gut Glück: Virussuche in der Equidenpopulation

Der Fokus der hier vorgestellten Studie war die Suche nach einem Tiermodell für die Entwicklung von Hepatitis-B-(HBV)-Therapien beim Menschen. Die Überlegung, dass bei Equiden ein Hepatitis-C-Virus vorkommt und HCV beim Menschen häufig mit einer HBV-Infektion zusammenfällt, führte zu einem HBV-Screening von 2.917 Proben von Lebergewebe verschiedener Equiden aus fünf Kontinenten, darunter 1.958 Pferde, 877 Esel, 53 Maultiere und 29 Zebras.

Hepatitis-B-Virus bei Eseln und Zebras entdeckt

Und man wurde fündig: Ein equines HBV (EqHBF) wurde bei 24 Eseln aus Bulgarien, Italien, Deutschland, Israel, Kenia und Ghana sowie fünf Zebras aus Tansania (insgesamt 3,2 Prozent des Probenkollektivs) mittels PCR und bei 5,4 Prozent der Esel und Zebras serologisch nachgewiesen. Alle Pferde waren virologisch und serologisch negativ. Eine Koinfektion mit dem equinen HCV lag bei 26,5 Prozent der für EqHBV seropositiven Esel vor.

Die genetische Diversität der sequenzierten EqHBV-Viren betrug weniger als fünf Prozent, der genetische Abstand zu anderen Säugetier-Hepadnaviren über 30 Prozent. Berechnungen zufolge soll die Entstehung des EqHBV vor einigen Jahrtausenden in Afrika stattgefunden haben.

Virologie und Klinik ähnlich wie bei der Hepatitis B des Menschen

Anhand einer Untersuchung von 84 Eseln an einem Schlachthof in Ghana wurde festgestellt, dass die Viruskonzentrationen in der Leber im Vergleich mit anderen Organen und dem Blut signifikant höher liegen; der Tropismus entspricht damit dem des humanen HBV. Die Lebern infizierter Esel wiesen Anzeichen für Entzündung sowie Fibrosierung im Bereich der Pfortader auf und entsprachen damit dem Bild einer frühen HBV-Erkrankung beim Menschen. EqHBV kann in vitro keine humanen Hepatozyten infizieren und nutzt vermutlichen einen anderen Rezeptor als das menschliche HBV, um in die Zellen einzudringen.

Eine über zwölf Monate laufende Beobachtung von sieben natürlich infizierten Eselstuten in Deutschland ergab, dass Esel eine lang andauernde (>6 Monate) Virämie mit fluktuierender Viruslast (bis zu 2,6 × 109 Kopien/ml Serum) in Anwesenheit konstanter Antikörpertiter aufweisen können. Bei einer ausgewachsenen Eselstute trat eine Neuinfektion auf, was für eine horizontale Virustransmission spricht. Die infizierten Tiere zeigten keine klinischen oder labordiagnostischen Hinweise auf eine Lebererkrankung.

Originalpublikation

Rasche A, Lehmann F, Goldmann N, Nagel M, Moreira-Soto A, Nobach D, de Oliveira Carneiro I, Osterrieder N, Greenwood AD, Steinmann E, Lukashev AN, Schuler G, Glebe D, Drexler JF; Equid HBV Consortium (2021): A hepatitis B virus causes chronic infections in equids worldwide. Proc Natl Acad Sci USA: 118 (13): e2013982118. DOI 10.1073/pnas.2013982118.

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