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Der Praktische Tierarzt

Eine Übersicht zur Hämatologie des Pferdes

An overview of equine hematology

Der Praktische Tierarzt 96, 480-488

Publiziert: 04/2015

Zusammenfassung

Erythrozytenzahl, Hämoglobinkonzentration und Hämatokrit werden routinemäßig zur Beurteilung der zirkulierenden Erythrozyten bestimmt. Ein Anstieg dieser Parameter kann auf einer Dehydratation oder Kreislaufzentralisation beruhen. Daneben muss eine „stressbedingte“ Hämokonzentration durch Entspeicherung der Milz in Betracht gezogen werden. Eine Anämie kann durch akute oder chronische Blutverluste, Hämolyse oder Störungen der Erythropoese verursacht sein. Retikulozyten sind im peripheren Blut von Pferden fast keine zu finden, da die vollständige Reifung der roten Blutkörperchen im Knochenmark stattfindet. Die häufigste Ursache einer mittelgradigen Blutarmut stellt eine chronische Entzündung dar, welche zur Beeinträchtigung der Erythropoese und zum vorzeitigen Abbau der roten Blutkörperchen führt. Hämolytische Anämien werden vorwiegend sekundär durch einen immunologisch bedingten Abbau der Erythrozyten hervorgerufen, z. B. infolge von Infektionen, nach Medikamentengabe oder im Rahmen eines malignen Lymphoms. Das weiße Blutbild erwachsener Pferde ist von neutrophilen Granulozyten geprägt. Neutrophilien können als Folge infektiöser, entzündlicher oder neoplastischer Erkrankungen auftreten. Differenzialdiagnostisch kommt eine „Stressneutrophilie“ infrage. Akute Neutropenien sind als Hinweis auf schwere Entzündungen, z. B. Peritonitis, Pleuritis oder Kolitis, zu werten. Veränderungen der Lymphozytenzahlen können nur selten einer bestimmten Erkrankung oder Reaktion zugeordnet werden. Eine Eosinophilie resultiert meist aus einer Parasitose, eine anhaltende Erhöhung der Monozyten spricht für ein chronisches Entzündungsgeschehen. Thrombozyten besitzen eine entscheidende Rolle bei der Hämostase. Klinisch wird eine Blutungsneigung meist erst bei Thrombozytenzahlen < 40 G/l manifest. „Pseudothrombozytopenien“ können durch Bestimmung der Blutplättchen aus einer mit Natriumzitrat stabilisierten Blutprobe von einer „echten“ Thrombozytopenie differenziert werden.

Pferd
rotes Blutbild
weißes Blutbild
Thrombozyten

Summary

To evaluate circulating erythrocytes red blood cell count (RBC), hemoglobin and packed cell volume (PCV) are routinely measured. Dehydration or centralization can lead to hemoconcentration. In addition splenic contraction can result in a stress-­induced increase in RBC and PCV. Anemia is caused by either acute or chronic blood loss, hemolysis or decreased red blood cell production. Reticulocytes can hardly be found in peripheral blood in horses because of complete maturation of erythrocytes in bone marrow. Moderate anemia is most commonly a result of chronic inflammation due to impaired erythropoesis or an increased removal of red blood cells from circulation. Hemolysis most likely appears secondary to immune mediated processes as a consequence of infection, drug therapy or lymphoma. In adult horses neutrophils usually dominate white blood cell count (WBC). Neutrophilia can result from infectious, inflammatory or neoplastic disease. Stress-­induced neutrophilia has to be considered as a differential diagnosis. Acute neutropenia indicates severe inflammation like e. g. peritonitis, pleuritis or colitis. Changes in lymphocyte count are rarely associated with specific disease or reactions. Peripheral eosinophilia most commonly results from parasitic infection, persistent increase in monocytes may be observed in chronic inflammation. Thrombocytes are essential in forming the primary hemostatic plug and initiate further hemostatic events. Clinical bleeding usually is associated with platelet counts (PL) < 40 G/l. To differentiate EDTA­-induced pseudothrombocytopenia from “true” thrombocytopenia reassessing PL in a blood sample anticoagulated with sodium citrate is advisable.

horse
erythrogram
leukogram
platelets

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