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Die tierärztliche Aufklärung bei der Kastration der Hündin – eine Umfrage in deutschen Tierarztpraxen und -kliniken

Kleintierpraxis 56, 633-641

Publiziert: 12/2011

Zusammenfassung

Die Kastration ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe in der tierärztlichen Praxis. Bei der Entscheidungzu einer elektiven Kastration einer Hündin ist es wichtig, erwartete Vorteile gegenüber möglichen unerwünschtenNebenwirkungen abzuwägen. Der Tierarzt hat die Aufklärungspflicht gegenüber dem Besitzer zu erfüllen und mussdurch eine sorgfältige Beratung die Grundlage für dessen Entscheidung für oder gegen diesen Eingriff schaffen. Umdie aktuelle Beratungssituation in Deutschland zu erfassen, ließ sich eine Tierbesitzerin in einer deutschlandweitentelefonischen Umfrage in 59 Tierarztpraxen sowie 35 Tierkliniken bezüglich der Kastration ihrer Hündin beraten. Ein„Fragenkatalog Kastration Hündin“, der die wichtigsten Punkte bei der Beratung zu diesem Thema aufführte,wurde im Verlauf des Gespräches bearbeitet und danach ausgewertet. 40 % der Angerufenen (n = 38) lehnten einetelefonische Beratung ab, in 60 % der Fälle (n = 56) kam eine auswertbare telefonische Beratung zustande. Unaufgefordertführten 71 % der Angerufenen eine Beratung durch, auf unerwünschte Nebenwirkungen wiesen nur 51 % derBerater ohne Nachfrage hin. Wichtige mögliche unerwünschte Nebenwirkungen wie z. B. Harninkontinenz oderdas allgemeine Narkoserisiko wurden nur in 60 % (n = 34) bzw. 35 % (n = 19) der Beratungsgespräche erwähnt. 80 %(n = 37) berieten bezüglich des Zusammenhangs zwischen Kastration(-salter) und Mammatumorrisiko korrekt. 67 %(n = 35) der Angerufenen rieten zu dem Eingriff, 25 % (n = 13) überließen die Entscheidung dem Besitzer, dierestlichen 8 % (n = 4) rieten von einer Kastration ab. Positiv hervorzuheben sind einige zum Teil sehr ausführliche undsorgfältige Gespräche, insgesamt jedoch stellte sich die Beratungssituation bezüglich Vollständigkeit und angemessenerNeutralität gegenüber dem Eingriff verbesserungswürdig dar.
Ovariohysterektomie
unerwünschte Nebenwirkungen
Aufklärungspflicht
Harninkontinenz

Summary

Veterinary counselling concerning the spaying of bitches – a survey of veterinary practices and clinics in Germany
Spaying is one of the most common surgical procedures carried out in veterinary practice. When deciding aboutan elective castration of a bitch, it is essential to calculate between the expected benefits and the possible risks ofadverse reactions. The veterinary surgeon has the duty to inform the owner and to advise him/her properly toprovide a basis for the owner’s own decision in favour or against this intervention. To report the actual status of theadvisory service in Germany, a pet owner called 59 veterinary practices and 35 veterinary clinics all over Germanyto solicit advice about the castration of her female dog. Overall, 40% (n=38) of the callees refused a consultancyover the phone, while 60% (n=56) gave evaluable advice. A questionnaire about the castration of female dogs, whichcovered the most important points concerning the advisory service in this field, was answered during the call andevaluated afterwards. Three quarters of the callees started to inform the pet owner without further request, but only51% automatically referred to any possible adverse effects. Important secondary effects, such as urinary incontinenceor general anaesthetic risk, were mentioned only in 60% (n=34) and 35% (n=19) of the calls, respectively. The contextbetween castration or age at castration and the risk for developing mammary cancer was explained correctly by80% (n=37) of the callees. 67% (n=35) advised the owner to castrate her dog, 25% (n=13) said that the decision had tobe made by herself and 8% (n=4) advised against the intervention. Some individual counselling sessions were verydetailed and accurate but in the main, the advisory service was not satisfactory concerning integrity and neutralitytowards the owner.
ovariohysterectomy
side effects
duty to inform client
urinary incontinence

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