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ITIS

Die perfekte Ergänzung

Physikalische Medizin und Rehabilitation in der multimodalen Schmerztherapie

von Dr. Marion Mucha, Prof. Dr. Barbara Bockstahler

Mit wachsender Kenntnis über Ursachen und Begleit­erscheinungen des Schmerzes werden immer öfter die Methoden der Physikalischen Medizin und Rehabilitation (PMR) eingesetzt. Diese ergänzen die klassische Schmerztherapie und erlauben dem Tierarzt eine multimodale Therapie, die auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt werden kann. Bei allen Schmerzzuständen, egal welcher Art, sollten vor allem in der Anfangsphase immer Analgetika eingesetzt werden, um eine effiziente Schmerzdämpfung zu erzielen. Die Physikalische Medizin und Rehabilitation kann gut als adjuvantes Verfahren eingesetzt werden und in späteren Phasen die medikamentöse Therapie mitunter ersetzen. Die Implementierung der PMR erfolgt unter anderem, weil eine alleinige Therapie mit Medikamenten zwar oft die Symptomatik und den Schmerz lindert, aber natürlich keinerlei Einfluss auf die Gelenksmechanik und die Muskulatur hat, die als Schutz und Stoßdämpfer von Gelenken wirkt. Ein weiterer Aspekt ist die nachweislich schmerzhemmende Wirkung einiger physikalischer Verfahren, die als ideale Ergänzung und im idealen Verlauf auch als alleiniges Therapeutikum genutzt werden können.

Massage

Massagen sind schon lange ein selbstverständlicher Bestandteil in der Rehabilitation und in der Sportmedizin beim Menschen, aber auch der tierische Patient kann von dieser Therapieform profitieren und Massagen werden von Hunden und Katzen sehr gut toleriert. Zu den Wirkungen der klassischen Massage zählen die Durchbrechung des Teufelskreises aus Schmerz und Verspannung, eine Förderung der Durchblutung, eine verbesserte Sauerstoffversorgung und somit ein besserer Abtransport algogener Substanzen, die Freisetzung körpereigener Endorphine, eine verbesserte Muskelregeneration und Körperwahrnehmung.


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Elektrotherapie

Unter dem Begriff Elektrotherapie versteht man ein physikalisches Verfahren, welches im Rahmen der Therapie orthopädischer und neurologischer Erkrankungen angewendet wird. Besonders bei Vorliegen akuter und chronischer Schmerzen sowie bei Muskelatrophien kommen meistens niederfrequente Impuls- und Wechselströme zum Einsatz. Die schmerzstillende Wirkung der Elektrotherapie lässt sich auf die Gate-Control-Theorie (nach Melzack und Wall), die Detonisierung verspannter Muskulatur, eine verbesserte Durchblutung sowie Freisetzung körpereigener Endorphine zurückführen. Therapeutischer UltraschallDie Therapie mittels therapeutischen Ultraschalls wirkt schmerzlindernd, verbessert die Dehnbarkeit fibröser Gewebe und steigert die Durchblutung im behandelten Bereich. Je nach Einstellung steht eine intensive Tiefenerwärmung, die besonders vor Dehnungen notwendig ist, oder die Geweberegeneration im Vordergrund. Im Hinblick auf die Wirkungen hat diese Therapieform ein recht breites Indikationsspektrum. Es sprechen Erkrankungen der Gelenke und ihrer funktionellen Anteile ebenso gut darauf an wie Sehnen- und Muskelerkrankungen.

Extrakorporale radiale Stoßwellentherapie

Es kommen mechanische Wellen mit hohem Druck zum Einsatz und sollen auf diese Weise schmerzstillend wirken. Die genauen Wirkmechanismen sind noch nicht zur Gänze geklärt. Eine kurzfristige Schmerzreduktion kann über die Gate-Control-Theorie und die Freisetzung endogener Endorphine erklärt werden. Man geht aber davon aus, dass daneben aufgrund mechanischer und chemischer Effekte auf Zellebene, welche Reparaturprozesse in Gang setzen und Schmerzsignale modulieren, noch eine langfristige Schmerztherapie zustande kommt. Bewährte Indikationen sind Arthrosen der großen Gelenke und Tendinopathien, beispielsweise die Insertionstendopathie der Bizepssehne. Therapeutische LaserDer Einsatz therapeutischer Laser im Gewebe führt zu Veränderungen der Enzymaktivität und der metabolischen Rate sowie einer gesteigerten Synthese biologischer Makromoleküle. Therapeutischen Laserstrahlen werden zahlreiche klinische Effekte wie eine antiinflammatorische und analgetische Wirkung zugeschrieben. Des Weiteren wird die Gewebeheilung gefördert. Die Anwendung therapeutischer Laser darf nur unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen (Kennzeichnung des Raumes, Tragen einer Laserschutzbrille aller anwesenden Personen und des Tieres) erfolgen. ThermotherapieBei der Thermotherapie wird dem Körper durch physikalische Methoden entweder Wärme zugeführt (Wärmetherapie) oder entzogen (Kältetherapie, Kryotherapie). Je nach Indikation haben sowohl die Anwendung von Wärme als auch von Kälte schmerzlindernde Effekte.Die Wirkungen der Wärmeapplikation sind Hyperämie, Erhöhung der Nervenleitgeschwindigkeit, Relaxation der Muskulatur, Schmerzminderung und die verbesserte Dehnbarkeit fibröser Strukturen. Die Kryotherapie hingegen wirkt mittels Vasokonstriktion, Herabsetzung des Zellmetabolismus, Schmerzlinderung und der Verminderung von Muskelspasmen.Es obliegt dem Tierarzt, die ideale Therapie für den Patienten zusammenzustellen. Abhängig von der Art des Schmerzes, der Kooperationsbereitschaft des Patienten, der Erfahrung und dem Wissen des Tierarztes, den örtlichen Gegebenheiten und den Wünschen des Besitzers soll ein multimodales Therapiekonzept erstellt und durchgeführt werden. Klassische und komplementäre Schmerztherapie schließen sich nicht aus, sondern ergänzen einander.

ITIS – Die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie

Dieser Fachartikel wird publiziert mit Unterstützung der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS). Die ITIS ist ein Fachgremium, besetzt mit führenden Spezialisten für veterinärmedizinische Schmerztherapie. Die Experten um die Professorinnen Michaele Alef, Sabine Kästner, Heidrun Potschka und Sabine Tacke sowie Dr. Julia Tünsmeyer setzen sich für ein optimales Schmerzmanagement bei Haus- und Nutztieren ein. Die Arbeit der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie wird von Sponsoren engagiert begleitet und ermöglicht.

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