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Vektor

Dermacentor reticulatus: Zeckenschutz auch im Winter

Buntzecken sind bereits ab Februar aktiv. Haustiere können sich ganzjährig infizieren und sollten kontrolliert werden.

  • Parasiten sind Profiteure des Klimawandels, mit steigenden Temperaturen breiten sie sich immer weiter in den Norden aus.
  • Aktuelle Daten zeigen, dass die Buntzecken, Überträger der Hundebabesiose, inzwischen ganz Deutschland erobert haben. 
  • B. canis kann somit auch im Norden Deutschlands endemisch übertragen werden. Die Zecken sind bereits bei frostigen Temperaturen aktiv, wenn es über den Tag wärmer wird. Ixodes ricinus tritt co-endemisch auf.
  • Tierbesitzer sollten ihre Hunde auch im Winter auf Zecken kontrollieren. Tierärzte müssen über Zeckenschutz informieren. Laut einer forsa-Umfrage aus dem letzten Jahr nutzt ein Drittel der Hundebesitzer natürliche/biologische Präparate.
  • Tierärzte sollten überlegen, ob sie einen ganzjährigen Zeckenschutz empfehlen wollen.
  • Zwar wird die Gefahr für den Menschen eher als gering eingeschätzt, Buntzecken können jedoch Rickettsien oder das FSME-Virus übertragen.

Zecken-Monitoring mit Unterstützung der Bürger

Forscher um Prof. Christina Strube hatten die Bürger dazu aufgerufen, Buntzecken unter Angabe des Fundortes einzusenden. Über 3.900 Päckchen mit achtbeinigem Inhalt erreichten von Februar 2019 bis Februar 2020 die TiHo Hannover und die Universität Hohenheim. Bei fast 85 Prozent der eingesandten Parasiten handelte es sich tatsächlich um Dermacentor reticulatus, meist von Hunden abgesammelt. Die Zecken sind an ihrer emailleartigen Marmorierung gut zu erkennen.

Das Vorkommen von Dermacentor reticulatus und D. marginatus in Deutschland wurde 1976 zum ersten Mal untersucht. Damals kamen die Zecken im Rhein- und Maintal vor. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert: Buntzecken haben sich unter anderem erfolgreich im Norden und Nordwesten Deutschlands angesiedelt und sind nun über das ganze Bundesgebiet verbreitet. Selbst auf der Insel Sylt wurden Exemplare gefunden. Dieses Ergebnis bezeichnen auch die Forscher als überraschend. Die Studie wurde hier, im Fachmagazin Frontiers in Veterinary Science, veröffentlicht.

Hunde auch im Winter vor Babesiose schützen

Die Daten des Zeckenmonitorings zeigen, dass adulte Zecken das ganze Jahr über aktiv sind. Die Buntzecke tritt auch bei Temperaturen um 4 °C noch auf und lässt sich selbst durch nächtlichen Bodenfrost nicht abhalten. Im Gegensatz zum Holzbock Ixodes ricinus fühlt sich die Bunt- oder Wiesenzecke Dermacentor reticulatus nicht in allen Vegetationsformen wohl. Wie ihr Name schon sagt, lebt sie gern auf Wiesen bzw. Grünstreifen mit höherem Aufwuchs oder in Übergangszonen am Waldrand.

Dermacentor reticulatus ist Vektor von Babesia canis, dem Erreger der Hundebabesiose. Die Zecke sticht bevorzugt Hunde. Zwar kann sie auch das Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME)-Virus oder Rickettsien übertragen, doch werden Menschen nur sehr selten gestochen. Lediglich 0,36 Prozent der Zecken wurden an einem Menschen gefunden.

Zeckenstudie läuft weiter: Bitte um weitere Zusendungen von Zecken

Das Zecken-Monitoring wird fortgeführt. Die Forscherinnen und Forscher bitten um Zusendung folgender Funde:

  • Buntzecken aus Gebieten, in denen sie bisher nicht gefunden wurden, um gegebenenfalls verbliebene „weiße Flecken“ auf der Verbreitungskarte zu füllen. Buntzecken sind an ihrem emailleartig marmorierten Körper zu erkennen, auch sind sie etwas größer als der Holzbock.
  • Alle Zeckenarten, die in der Zeit von November und Februar gefunden werden. Hier interessiert die Forscherinnen und Forscher die Winteraktivität der Zecken.

Wer wissen möchte, welche Zeckenart eingesandt wurde, wird gebeten, bei der Einsendung für die Antwort eine E-Mail-Adresse anzugeben.

Einsendungen bitte an: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Parasitologie, Professorin Strube, Bünteweg 17, 30559 Hannover

 

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