Image
Foto:

Journal Club

Der Golden Retriever und sein Tumorrisiko

Golden Retriever sind relativ häufig von Krebserkrankungen betroffen. Uneinigkeit herrscht darüber, ob und wie sich die Kastration darauf auswirkt. Zahlen aus einer Überweisungsklinik sagen: gar nicht.

Im Vergleich mit anderen Rassen ist die Prävalenz von Krebserkrankungen beim Golden Retriever (GR) ziemlich hoch, Studien in den USA nennen bei 50–70 Prozent der GR Krebs als Todesursache und eine durchschnittliche Lebenserwartung von unter neun Jahren für dieses Kollektiv. Kontrovers diskutiert wird der Einfluss der Kastration auf onkologische Erkrankungen. Deshalb wurden nun Daten von 655 GR aus einer Universitätsklinik in den USA hinsichtlich Todesursache und Kastrationsstatus ausgewertet.

Der Krebs kommt mit dem Alter
Von 1989 bis 2016 wurden 655 GR obduziert. Krebs wurde als Todesursache bei 424 Tieren (65,0 Prozent) diagnostiziert. Das mediane Sterbealter dieser Krebspatienten lag bei 9,83 Jahren; die 231 an anderen Ursachen verstorbenen Hunde waren im Median nur 6,93 Jahre alt geworden. Die Todesfälle durch Krebs verteilten sich bei den Rüden gleichmäßig auf kastrierte und intakte Tiere, wohingegen bei den Hündinnen deutlich mehr kastrierte als intakte Tiere an Krebs verstorben waren. Der Grund für diese Beobachtung war, dass viele intakte Hündinnen viel früher starben als die kastrierten und schlichtweg nicht in das Alter kamen, in dem das Krebsrisiko ansteigt. Bei den Rüden hingegen war die Lebenserwartung für kastrierte und intakte Tiere etwa gleich.
Die häufigsten histologischen Befunde bei den an Krebs verstorbenen GR waren Hämangiosarkome (23 Prozent), gefolgt von lymphatischen Neoplasien (18 Prozent), Karzinomen (13 Prozent), anderen Sarkomen (10 Prozent), sonstigen Krebserkrankungen (9 Prozent), Meningiomen (9 Prozent), Histiozytomen (8 Prozent), Osteosarkomen (7 Prozent), Melanomen (2 Prozent) und Hypophysentumoren (2 Prozent). Für keine dieser Tumorhistologien gab es Unterschiede in der Prävalenz zwischen kastrierten und intakten Hunden.

Kastration macht keinen Unterschied
Die Daten zeigen einen starken Zusammenhang zwischen Krebsprävalenz und Lebensalter. Der Kastrationsstatus hingegen wirkt sich weder bei Rüden noch bei Hündinnen auf das Krebsrisiko aus.

Originalpublikation:
Kent MS, Burton JH, Dank G, Bannasch DL, Rebhun RB (2018): Association of cancer- related mortality, age and gonadectomy in golden retriever dogs at a veterinary academic center (1989–2016). PLoS One 13(2): e0192578.

news4vets

26. Februar 2021

Kastration – schneiden oder nicht?

Die chirurgische Kastration ist definiert als operative Entfernung der Gonaden eines Hundes, entweder der Hoden oder der Eierstöcke. Eine Alternative ist oft die chemische Kastration mit einem GnRH-Agonisten. In diesem Review wird auf die unterschiedlichen Auswirkungen beider Methoden auf den Organismus von männlichen und weiblichen Hunden sowie auf das Verhalten eingegangen.

Journal Club

15. Mai 2020

Die häufigsten Erkrankungen beim Kaninchen

Ziel der hier vorgestellten Studie war es, Morbidität und Mortalität von Hauskaninchen (Oryctolagus cuniculus) unter tierärztlicher Primärversorgung in England zu untersuchen. Fliegenmaden waren das häufigste Problem.