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Vakzination

Corona-Impfstoff: Learnings aus der Veterinärmedizin?

Alle warten auf die Zulassung des Corona-Impfstoffes. In der Veterinärmedizin werden meist Lebendimpfstoffe eingesetzt, doch diese Vorgehensweise lässt sich nicht so einfach auf den Menschen übertragen.

Überblick über die aktuelle Lage

  • Die Corona-Pandemie hält weiterhin die Welt in Atmen, Bund und Länder haben den Teil-Lockdown bis zum zehnten Januar verlängert. 
  • Weltweit haben sich laut Johns-Hopkins-Universität mehr als 64,5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 1,49 Millionen Erkrankte sind gestorben.
  • Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts gibt es Stand heute (03.12) in Deutschland 1.106.789 Fälle, das sind 22.046 mehr Infektionen als am Vortag. Vor allem das Bundesland Sachsen ist ein Sorgenkind.
  • Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht von einer raschen Zulassung der Corona-Impfstoffe von Biontech-Pfizer und Moderna in Deutschland aus, die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema will noch im Dezember über eine Zulassungsempfehlung für den Corona-Impfstoff entscheiden. Merkel warnt jedoch vor "übertriebenen Erwartungen" und kommentiert "wir müssen über den Winter kommen."
  • In Großbritannien ist der Biontech-Pfizer-Impfstoff bereits zugelassen. Dabei handelt es sich um die erste Zulassung für den Impfstoff BNT162b2 weltweit.
  • Für den Biontech/Pfizer-Impfstoff ergaben umfangreiche Testreihen nach Angaben der Unternehmen eine Wirksamkeit, die einen 95-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 bietet. Inwiefern der Impfstoff auch vor der Infektion und einer möglichen Weitergabe des Virus schützt, ist noch nicht klar.
  • In der Veterinärmedizin sind Coronaviren durchaus bekannt und gefürchtet, da sie hohe Schäden in der kommerziellen Tierhaltung anrichten und tödliche Erkrankungen verursachen können (Beispiel FIP Katze).

Coronaviren in der Veterinärmedizin

Ob Durchfall beim Rind, Peritonitis bei der Katze oder Bronchitis beim Huhn - auch Veterinärmedizinern sind Coronaviren durchaus schon lange als Krankheitserreger bekannt, die weder Vogel noch Nutztier verschonen. Zur Immunisierung werden meist Lebendimpfstoffen verwendet, da diese die beste Immunität bewirkten, doch die Wirksamkeit sei nicht immer befriedigend. Nicht nur, weil Viren gerissen und wandlungsfähig sind, auch Antikörper sind nicht gleich Antikörper. So berichtet SPEKTRUM.de, dass laut Aussage von Tierarzt und Leiter der Ständigen Impfkommission Max Bastian, vor allem die lokale Ansammlung von Antikörpern in Schleimhäuten ( = mukosale Antikörper) für einen Schutz gegen Coronaviren entscheidend sind. Die Wirkung systemischer Antikörper sei hingegen oft unzureichend. 

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Die Antikörperabhängige Verstärkung - ein bekanntes Problem

Ein Phänomen, das auch bei der aktuellen Impfstoffentwicklung berücksichtigt werden müsse, sei die antikörperabhängige Verstärkung (AKV). Bei der AKV komme es zu einer Verklumpung des Virus mit dem Antikörper, welcher nicht neutralisierend wirke, sowie zu einem Befall von Makrophagen sowie Monozyten, was bestehende Infektionen verschlimmere. So gab es in den 80-er Jahren Studien mit an Feliner Infektiöser Peritonitis-erkrankten Katzen, die nach Impfung durch die AKV eher verstarben als ohne und auch in der Auseinandersetzung mit SARS und MERS war die AKV ein Thema.

Kein Lebendimpfstoff gegen Sars CoV-2

Eine Sache, die zwar bei Tieren zu einer bestmöglichen Immunität führe, aber im Falle von COVID-19 zu riskant ist, ist die Entwicklung von Lebendimpfstoffen. So sei das Risiko, dass die abgeschwächten Viruspartikel zu alter Virulenz zurückkehren, zu groß und die Zulassung eines sicheren Impfstoffes zu zeitintensiv.

Welche Rolle spielt IgA?

Eine besonders gute Wirksamkeit gegen Coronaviren scheint im übrigen Immunglobulin A zu haben. Bereits in der Impfstoffentwicklung gegen das MERS-Coronavirus war der Antikörper, der vor allem in Körperflüssigkeiten (Speichel, Muttermilch, Intestinal-, Urogenitalsekret) vorkomme, von großem Interesse, was Publikationen der Arbeitsgruppe um den Virologen Christian Drosten bestätigen. Leider sei über die Wirkungsweise noch nicht viel bekannt, jedoch liefen an der Charité in Berlin gleich mehrere Forschungsprojekte.

Insgesamt, so resümiert Bastian im Gespräch bei SPEKTRUM.de, sei für die Zukunft die Entwicklung genetisch veränderter, sicherer Lebendimpfstoffe, die eine mukosale Immunität auslösen, eine vielversprechende Idee, über die es nachzudenken gilt.

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