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Bandagierter Huf

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Castverband beim Pferd: mögliche Folgeschäden der Ruhigstellung

Muskuloskeletale Verletzungen können eine temporäre Immobilisation der distalen Gliedmaße notwendig machen. Eine Studie zeigt, warum eine frühe Remobilisierung so wichtig ist.

  • Temporäre Immobilisation einer Gliedmaße hat Abbauprozesse im Knochen zur Folge.
  • Eine Studie zeigt die überraschend gravierenden Folgeschäden, die ein Castverband beim Pferd auslösen kann.

Fraktur, Luxation, Sehnenriss – zahlreiche Verletzungen müssen temporär durch einen Gipsverband stabilisiert werden. Eine Immobilisation hat jedoch auch negative Konsequenzen: Sie reduziert die Kräfte, die auf den Knochen wirken, und führt zu einer Reduktion der Knochenmasse und -dichte. Dies zieht wiederum strukturelle und biomechanische Veränderungen im Gelenk nach sich. Die Folgen einer langfristigen Ruhigstellung über acht Wochen wurden jetzt untersucht.

Immobilisation über zwei Monate

Bei acht gesunden Pferden wurde je ein Vorderbein acht Wochen lang mittels Glasfaser-Gipsverband immobilisiert. Der Cast reichte unter Einbeziehung des Hufes bis zum proximalen Ende des dritten Metakarpalknochens. Nach Entfernung des Castverbandes begann ein zwölfwöchiges Training zur Remobilisierung, zunächst an der Hand, dann auf einem Laufband. Eigentliches Ziel war, experimentell eine Osteoporose/-penie zu induzieren, um ein neues Therapeutikum zu testen. Die Autoren nutzten den Versuchsaufbau jedoch auch, um im Detail die Folgen einer derart langfristigen Ruhigstellung und einer anschließenden Mobilisierungsphase zu betrachten: Sie führten regelmäßig Lahmheitsuntersuchungen durch und untersuchten die distalen Vordergliedmaßen zu verschiedenen Zeitpunkten mittels Röntgen, CT, MRT und Szintigrafie. Schließlich wurden die Tiere euthanasiert und ihre Fesselgelenke seziert.

Aufgrund ihrer klinischen Erfahrungen hatten die Autoren Veränderungen der Knochen und des Gelenks erwartet – aber der Schweregrad und Umfang der festgestellten Läsionen überraschte sie. Die Pferde zeigten nicht nur direkt nach der Entfernung des Verbandes eine deutliche Lahmheit, diese Lahmheit persistierte und der Beugetest blieb während der gesamten Mobilisationsphase positiv. In der Bildgebung fielen Fragmente, Osteophyten, Knochenbildung am Sehnenansatz, Schäden an den Gleichbeinen auf. Die Knochendichte war reduziert. Noch am Ende des Studienzeitraums zeigte die Bildgebung zahlreiche Abnormalitäten.

Castverband umsichtig einsetzen

Acht Wochen Ruhigstellung führten zu bleibenden Veränderungen an Knochen, Knorpel und periartikulärem Weichteilgewebe, die auch nach drei Monaten Mobilisation weiterhin vorhanden waren. Eine Immobilisierung über einen so langen Zeitraum ist dank moderner Techniken zur internen Fixierung in der Praxis eigentlich nie notwendig. Spannend wären also weitere Untersuchungen zu den Folgen von Castverbänden über kürzere Zeiträume. Dennoch unterstreicht die Studie eindrücklich, warum es bei der Therapie muskuloskeletaler Verletzungen so wichtig ist, möglichst früh eine normale Beweglichkeit und Belastung zu ermöglichen.

Originalpublikation:
Stewart HL, Werpy NM, McIlwraith CW, Kawcak CE (2020): Physiologic effects of long-term immobilization of the equine distal limb. Vet Surg 49(5): 840–851. DOI 10.1111/vsu.13441.

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