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Intraossäre Injektionen sind nur für geübte Tierärzte und Tierärztinnen anwendbar. Verweilkatheter verrutschen leicht und müssen regelmäßig erneuert werden, damit keine Phlebitis entsteht (beim Welpen häufiger).
Foto: Sabine Schäfer-Somi
Intraossäre Injektionen sind nur für geübte Tierärzte und Tierärztinnen anwendbar. Verweilkatheter verrutschen leicht und müssen regelmäßig erneuert werden, damit keine Phlebitis entsteht (beim Welpen häufiger).

Kleintierpraxis

Canines Herpesvirus 1 (CHV-1) – ein unterschätzter Erreger?

Canine Herpesvirus 1 (CHV-1) – an underestimated infectious agent?

Kleintierpraxis 68, 236-247

DOI: 10.2377/0023-2076-68-236

Eingereicht: 13. Dezember 2022

Akzeptiert: 3. März 2023

Publiziert: 05/2023

Zusammenfassung

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Das Canine Herpesvirus 1 (CHV-1), oder Canines Alphaherpesvirus 1, verursacht latente, chronische oder akute bis per­akute Erkrankungen bei Welpen und adulten Hunden. Wie die Erkrankung verläuft, hängt unter anderem vom Infektionszeitpunkt (Alter des Tieres), der Infektionsroute, dem Infektionsdruck, der Haltung und der Konstitution der Tiere ab. Als sogenannter Faktorenseuchen-Erreger kann CHV-1 bei latenten Trägern im Zuge von Stresseinwirkung oder anderen Erkrankungen zu Virämie und akuten Problemen führen. Die Übertragung erfolgt meist oronasal, aber auch während des Deckakts sowie diaplazentar und laktogen; die kurze Inkubationszeit von vier bis sieben Tagen ermöglicht vor allem in großen Beständen bei dichtem Besatz („crowding“) eine rasche Ausbreitung des Erregers. Antikörpertiter werden nach ca. drei Wochen nachweisbar, sind jedoch nur kurz schützend und persistieren nur für annähernd 100 Tage. Die Seroprävalenz ist daher in großen Kennels oft > 40 %, ändert sich jedoch rasch; bei guter Haltung kann eine hohe Seroprävalenz vorliegen, ohne dass vermehrt Probleme im Kennel auftreten. Klinisch sind eine muköse Form (respiratorisch, vaginal), latente Infektionen, die akute neonatale Virämie (Welpensterben), systemische Infektion gravider Hündinnen und die okuläre Variante zu unterscheiden. Zusätzlich ist das Virus am Zwingerhustenkomplex beteiligt. Während die akute neonatale Virämie nur Neonaten und Welpen bis zur dritten Lebenswoche betrifft, können alle anderen Varianten sowohl bei älteren Welpen als auch bei adulten Hunden vorkommen. Die Diagnostik kann nach einer Virämie aus Sekreten erkrankter Schleimhäute, Läufigkeitssekret, Abortprodukten und Samen erfolgen; die PCR ermöglicht eine schnelle Diagnose, jedoch ist nur der positive Test beweisend. Seropositive, aber sonst gesunde Tiere müssen nicht aus der Zucht genommen werden, wenn sie nicht gerade Virus ausscheiden. Infizierte, gravide Hündinnen können abortieren, je nach Infektionszeitpunkt; Totgeburten und die Geburt lebensschwacher Neonaten ist möglich. Die Hündinnen selbst erkranken nicht, scheiden aber massiv Viren aus und können ihre Neonaten im Geburtskanal oder post partum über die oronasale Route und laktogen infizieren. Die Prognose ist fraglich, die Mortalität ist hoch und überlebende Welpen behalten oft neurologische oder kardiale Probleme. Als Schutz vor Erkrankung können Hündinnen vor der Bedeckung und bis zu zehn Tage nach der Bedeckung und im Falle der Konzeption zehn bis 14 Tage vor der Geburt mit einem Impfstoff gegen CHV-1 geimpft werden.

Hund
Herpesvirus
CHV-1
Neonat
Abort

Summary

The Canine Herpesvirus 1 (CHV-1) or Canine Alphaherpesvirus 1, causes latent, chronic or acute and peracute diseases in puppies and adult dogs. The course of the disease is among others dependent on the time of infection, the infectious burden, the keeping and the constitution of the animals. Several factors like stress or other diseases can trigger the infection and in case of a latent infection, can cause a reactivation of the virus and viremia. The most common route of infection is oro-nasal and during mating but transmission via the placenta and milk is possible. The incubation period is as short as four to seven days enabling the virus to rapidly spread in large kennels (“crowding). Antibody titers become measurable after two to three weeks but only persist for up to 100 days. Therefore, the seroprevalence in large kennels may be > 40 % and is quickly changing; on the other hand, a high seroprevalence may be present in good kennels without an increase in problems. Clinically, a mucosal disease (respiratory, vaginal), latent infections, the acute neonatal viremia, systemical infection of pregnant bitches and an ocular disease can be differentiated. The CHV was isolated in dogs with kennel cough syndrome. The acute neonatal viremia affects neonates and puppies up to three weeks old, all other diseases occur in older puppies and adult dogs. Virus isolation is possible from secretions of diseased mucous membranes, vaginal secretions from bitches in heat, abortion products and semen; using PCR, a quick diagnosis is possible but only the positive assay provides evidence. Seropositive but otherwise healthy dogs can be bred if they are not shedding the virus. Infected pregnant bitches may undergo abortion during late pregnancy, dependent on the time of infection; birth of dead or weak puppies is possible. The bitches do not fall ill but shed the virus and can infect their puppies in the birth channel or after parturition via post-partum secretions and milk. The prognosis is bad since mortality is high and surviving puppies can have neurological or cardial problems. As a prophylactic measure, immunosuppressive factors should be avoided and bitches can be vaccinated before mating and up to ten days after mating, and 10–14 days before parturition.

dog
Herpesvirus
CHV-1
neonate
Abort

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