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bpt Kongress DIGITAL

Brennpunkt Personal: Warum Chefs umdenken müssen

Die Probleme mit der Generation Y bleiben die Gleichen: Auf dem bpt-Kongress zeigt sich, dass sich Praxisinhaber ändern müssen.

  • Ein zentrales Thema für Kliniken und Praxen ist das Thema Personal und Fachkräftemangel. Vor allem Gemischtpraxen haben große Probleme, Nachwuchs zu finden.
  • Für die Generation Y ist die Work-Life-Balance von großer Bedeutung. Nicht nur das Gehalt, auch Wertschätzung für die große Arbeitslast sei den Angestellten wichtig.
  • Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob Tierärzte externe Personal-Manager benötigen.
  • Eine neue Aufgabe wird sein, ausländische Tierärzte beim Erlangen der deutschen Approbation zu unterstützen.

70-Stunden-Wochen als Selbstverständlichkeit und der Chef als Autoritätsperson - das war mal. Die Branche verändert sich, das bestätigen alle Referenten mit Personalverantwortung auf dem bpt-Kongress DIGITAL. Vor allem Chefs müssen umdenken und alte Hierarchien aufbrechen.

"Chefs dürfen sich nicht so wichtig nehmen"

Gutes Personal ist weiterhin rar gesät. Vor allem Gemischtpraxen auf dem Land haben große Probleme, Nachwuchs zu finden. Ein weiteres Problem ist, dass Tierärzte das Thema Personalmanagement nicht gelernt haben und das Führen von Teams in der Praxis lernen müssen. Ältere Kollegen treffen auf eine Generation, die eine ganz andere Arbeitsmentalität mitbringt als die eigene: Die 70-Stunden-Wochen, die sie als selbstverständlich ansehen, sind für die Generation Y nicht tragbar. Wenn viel gearbeitet wird, soll das immerhin auch anerkannt und wertgeschätzt werden. Auch Hierarchien gehörten aufgebrochen: "Chefs dürfen sich einfach nicht mehr so wichtig nehmen und müssen nahbarer werden", sagt Tierarzt Christian Protz, der zwei Kleintierpraxen in Hamburg führt. Seine Angestellten könnten ihn jederzeit ansprechen. Für ihn sei die Personalfrage Chefsache und schwer durch externe Berater regelbar. "Ich habe eine TFA, die Interesse auf diesem Gebiet hat und mich als Assistentin der Geschäftsführung unterstützen wird." Dieses Vorgehen findet Personalberater Felix von Hardenberg "sehr löblich", jedoch sei es unter Tierärzten nicht weit verbreitet. "Tierärzte sind Tierärzte und keine Personalmanager", so seine Meinung. Er glaubt, dass eine zeitweise Beratung durch Experten Kliniken einen großen Schritt voranbringen könne. "Wenn eine Kollegin plötzlich schwanger wird, brennt das Thema, dann brauchen Sie jemanden, der Regelungen trifft", so Hardenberg. Natürlich müsse dieser Jemand mit den Abläufen der Klinik vertraut sein.

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Auch der Leiter der Tierklinik Lüneburg Dirk Remien beobachtet, dass sich das Verhältnis von Klinikleiter und Angestellten verändert: Die Chefs von heute müssen gut Freund mit ihren Angestellten sein, bei Sorgen ein offenes Ohr mitbringen. "Nur, wer es schafft, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, wird Angestellte halten können", so der Gründer des Verbundes unabhängiger Kleintierkliniken (VUK). In der Talkrunde "Personal 5.0 - wie überstehe ich als Praxis/Klinik im umkämpften Tierärzte-Arbeitsmarkt von heute, morgen, 2030?" waren sich alle Referenten einig: Es brauche neben mehr Wertschätzung und weniger Hierarchien auch mehr Tierärzte. "300 Studenten in einem Jahrgang ist viel, sehr viel", so Thomas Göbel. Die Kollegen plädieren für mindestens einen weiteren Ausbildungsstandort. 500 Absolventen mehr pro Jahr würden auch unterkommen, lautet das Fazit.

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