Spitzmaus sitzt auf einem Stein.
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Borna ist eine Zoonose

Aktuelle Fälle zeigen: Auch im nördlichen Teil des tierischen Endemiegebiets muss mit menschlichen Infektionen gerechnet werden. Erst 2018 wurde das Borna-Disease-Virus 1 erstmals als Ursache für Enzephalitis beim Menschen nachgewiesen.

  • BoDV1 ist ein Zoonose-Erreger.
  • Das Virus kann eine tödliche Gehirnentzündung auslösen.
  • Eine Übertragung von Pferd oder Schaf auf den Menschen ist unwahrscheinlich.

Über eine mögliche Infektion von Menschen mit dem Bornavirus wurde schon lange diskutiert. Studien, die einen Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie postulierten, gelten inzwischen als widerlegt. Doch im Januar 2020 zeigte eine Publikation in The Lancet: Das Virus (BoDV-1) löst beim Menschen eine Gehirnentzündung aus. Der Verursacher der Borna-Krankheit bei Pferden, Schafen und einigen anderen Haustieren könnte in endemischen Gebieten hinter einem hohen Prozentsatz ernsthafter bis fataler humaner Enzephalitiden unbekannter Ursache stecken.

Gehirnentzündung und neurologische Symptome

2018/19 wurden die ersten sechs Fälle einer durch BoDV-1 ausgelösten Enzephalitis bekannt. Daraufhin untersuchten Forscher am Regensburger Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene 56 Proben von Enzephalitis-Patienten aus der Zeit zwischen 1999 und 2019 auf das Virus. Sie konnten sechs neue Patienten identifizieren, aus anderen Instituten wird von zwei weiteren Fällen berichtet. Das Virus wurde ausschließlich bei Patienten gefunden, bei denen die Krankheitsursache bisher unbekannt war.

Das tierische Endemiegebiet erstreckt sich auf den östlichen Teil Süd- und Mitteldeutschlands, die Schweiz, Österreich und Liechtenstein. Humane Fälle wurden zunächst in Bayern entdeckt, dann auch in Thüringen und Brandenburg. Im Herbst 2021 wurde von der ersten humanen BoDV1-Infektion beim Menschen in Sachsen-Anhalt berichtet.

Die Erkrankung begann bei den meisten Betroffenen mit Kopfschmerzen und Fieber, dann traten neurologische Symptome auf: Gangstörungen, Verwirrung, Erinnerungslücken, Krampfanfälle und fortschreitender Bewusstseinsverlust. Die Letalität ist sehr hoch. Angesichts der neuen Daten sollten menschliche Patienten mit akuter Meningoenzephalitis auf BoDV-1 getestet werden, insbesondere im Endemiegebiet.

Ende März 2020 wurde die Meldepflicht in der Veterinärmedizin wieder eingeführt und auch beim Menschen ist das Bornavirus meldepflichtig.

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Übertragung vom Pferd auf den Menschen?

Wie sich die erkrankten Menschen infiziert haben, ist bisher unbekannt. Aber es besteht kein Grund zu der Sorge, sich bei tierischen Borna-Patienten anzustecken. Haustiere sind Fehlwirte und es ist unwahrscheinlich, dass sie das Virus übertragen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist auf natürlichem Wege wahrscheinlich nicht möglich. In zwei der 2018 bekannt gewordenen Fälle wurde das Virus allerdings durch eine Organtransplantation übertragen.

Die Infektion ist insgesamt selten und das Risiko daher als gering anzusehen. Hauptwirt und Reservoir des Bornavirus ist die Feldspitzmaus. Pferde infizieren sich vermutlich über mit Mäusekot kontaminiertes Futter. Am wahrscheinlichsten ist, dass auch Menschen sich in endemischen Gebieten bei direktem oder indirektem Kontakt mit Spitzmäusen infizieren. Ein Großteil der Patienten stammte aus ländlichen Gebieten oder war viel draußen unterwegs. Auffällig viele waren Katzenhalter. Die Forscher glauben, dass die Katzen vielleicht Spitzmäuse mit ins Haus brachten oder durch die Mäusejagd kontaminiert waren.

Infektionen mit dem Borna-Virus vermeiden

Das Robert-Koch-Institut hat ein Merkblatt mit Informationen zur Infektionsvermeidung veröffentlicht. Das Wichtigste in Kürze:

  • natürliches Reservoir des Virus ist die Spitzmaus
  • die Infektion erfolgt vermutlich über Spitzmäuse oder ihre Ausscheidungen
  • mögliche Infektionsquellen: kontaminierte Lebensmittel, Einatmen von Staub, direkter Kontakt

 

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