Physiologische Regulation der Cortisol-Freisetzung
Foto: Joachim Geyer

Der Praktische Tierarzt

Berücksichtigung des MDR1-Defekts beim Hund für die Anwendung von Anästhetika

Consideration of the MDR1 mutation in dogs for application of anesthetics

Der Praktische Tierarzt 102, 1051–1066

DOI: DOI 10.2376/0032-681X-2145

Eingereicht: 26. April 2021

Akzeptiert: 22. Juli 2021

Publiziert: 10/2021

Zusammenfassung

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Bei Hunden mit sog. MDR1-Defekt kommt es genetisch bedingt zu einem Ausfall des wichtigen Arzneistoff-Effluxtransporters MDR1 (syn. ABCB1, P-Glycoprotein) in der Blut-Hirn-Schranke und anderen Geweben. Dadurch ist die Gehirngängigkeit vieler Arzneistoffe erhöht und deren Ausscheidung ist verlangsamt. In Folge kann es zu unerwartet starken Arzneimittelwirkungen bei üblicher Dosierung und zu einer Zunahme von unerwünschten Arzneimittelwirkungen kommen. Während dieses Problem für die Anwendung bestimmter Antiparasitika und Zytostatika weithin bekannt ist und entsprechend Beachtung findet, bestehen im Bereich der Anästhesie häufig Unsicherheiten im Umgang mit MDR1-defekten Hunden. Diese Übersichtsarbeit fasst die wichtigsten Daten für die in der Anästhesie verwendeten Arzneistoffe für Hunde mit MDR1-Defekt zusammen und gibt Hinweise für eine sichere Anwendung trotz MDR1-Defekt. So wird bei Arzneistoffen aus der Gruppe der Neuroleptika (wie z. B. Acepromazin) eine Dosisreduktion empfohlen, da die Arzneimittelwirkung bei MDR1-defekten Hunden stärker ausfällt. Entsprechendes gilt für Opioid-Analgetika, welche bei Fehlen von MDR1 eine insgesamt stärkere Wirkung zeigen, auch eine Verstärkung der unerwünschten Atemdepression. Inhalationsnarkotika, kurz wirksame Injektionsnarkotika wie Propofol oder Alfaxalon, α₂-Agonisten und Benzodiazepine sind nach derzeitigem Wissensstand von diesem Problem nicht betroffen. Insgesamt sollte Hunden mit MDR1-Defekt im Rahmen der Anästhesie eine besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden, besonders bei der Anwendung von Sedativa und Opioid-Analgetika, um eine effektive und sichere Arzneimittelanwendung zu gewährleisten.

P-Glycoprotein
MDR1
ABCB1
Opioide
Hund
Anästhesie
Arzneimittelunverträglichkeit

Summary

MDR1 mutant dogs are deficient for the important drug efflux transporter MDR1 (syn. ABCB1, P-glycoprotein) that is normally expressed at the blood-brain barrier and some other tissues. As consequence, brain penetration of many drugs is increased and their excretion is reduced. This results in unexpectedly strong drug reactions and adverse drug reactions are more likely to occur at normal dosage. While this problem is widely known for the use of certain antiparasitic and cytostatic drugs and is being considered accordingly, there are often some uncertainties in the proper handling of MDR1 mutant dogs in the field of anesthesia. The present article summarizes the most important MDR1-related data for drugs used during anesthesia and provides recommendations for their safe use in MDR1 mutant dogs. Among them, a dose reduction is recommended for neuroleptics (e. g. acepromazine), which show greater and more prolonged sedation in MDR1 mutant dogs. The same applies to opioid analgesics, which have stronger drug effects when MDR1 is defective at the blood-brain barrier, but also show increased risk for undesirable respiratory depression. Drug effects of inhalation narcotics, short-acting injection narcotics such as propofol or alfaxalone, α₂-agonists and benzodiazepines are according to current knowledge not changed in MDR1 mutant dogs. Overall, dogs with MDR1 mutation should be clinically handled with special care when using sedatives and opioid analgesics to ensure effective and safe drug treatment.

P-Glycoprotein
MDR1
ABCB1
opioids
dog
anesthesia
drug intolerance

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