Foto: Judith Dzierzawa

Phytotherapie

Berauschende Wirkung: Was finden Katzen an asiatischem Silberwein?

Nicht nur Katzenminze scheint unwiderstehlich: Katzen lassen sich auch von anderen Pflanzen berauschen. Der Iridoid-Wirkstoff in Silberwein zieht die Tiere ebenfalls an.

  • Silberwein, auch Japanischer Strahlengriffel (Actinidia polygama) genannt, ist eine in Asien beheimatete Kletterpflanze. 
  • Einer Studie zufolge zieht diese Pflanze Katzen an, welche zum Beispiel den Kopf an dem Gewächs reiben.
  • Dieses Verhalten dient nicht der Adaption an Umweltreize, sondern scheint durch Botenstoffe wie Pheromone oder Kairomone ausgelöst zu sein. 
  • Die in der Pflanze enthaltenen Iridoid-Wirkstoffe scheinen laut einer aktuellen Untersuchung eine abschreckende Wirkung auf Mücken zu haben. 
  • Ungeklärt ist, ob sich Katzen diese Moskitobremse zunutze machen oder sich über die Pflanze eventuell auch gegen andere Parasiten schützen wollen. 

Katzenbesitzer kennen es vor allem von Echter Katzenminze: Das Gewächs aus der Familie der Lippenblütler löst bei adulten Stubentigern ein kurioses Rauschverhalten aus. Für zehn bis 15 Minuten wird geschmatzt und an der Pflanze geleckt, die Tiere reiben sich den Kopf und rollen über den Boden. Die asiatische Kletterpflanze Silberwein hat eine ganz ähnliche Wirkung, die schon lange bekannt ist: Bereits 1705 beschrieben japanische Botaniker berauschte Feliden in Zusammenhang mit Actinidia polygama. Hierbei handelt es sich nicht um erlernte Verhaltensweisen, sondern um ein in der Katze angelegtes Verhalten, das vermutlich durch pflanzliche Inhaltsstoffe ausgelöst wird. 

Pflanzliche Botenstoffe auf dem Prüfstand

Der genaue Nutzen dieses Verhaltens ist noch nicht bekannt. Botaniker wissen jedoch aus zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Pflanze die Wirkstoffe Actinidin und Nepetalacton enthält, welche Sexuallockstoffen ähneln, auf die adulte Katzen berauscht reagieren. Ob das Gleiche auch für Silberwein gilt? Eine japanische Studie von der Universität Iwate Universität in Morioka deutetet darauf hin. So zeigten Hauskatzen, aber auch Wildkatzen wie Löwen, beim Schnüffeln an isoliertem Nepetalacton das typische Rausch-Verhalten. Ebenso konnten die Wissenschaftler um Masao Miyazaki erhöhte Plasmalevel von beta-Endorphinen bei Katzen nach dem Nepetalacton-Schnüffler nachweisen. Der Iridoid-Wirkstoff scheint, ähnlich wie Opioide, das Nervensystem der Tiere zu stimulieren. 

Perorale Applikation von Medikamenten

Perorale Applikation von Medikamenten

Eine aktuelle Studie geht der Frage nach, ob die angewandte Methode zur Medikamentenapplikation, die Charaktereigenschaften der Katze, die Compliance des Tierbesitzers/der Tierbesitzerin, der richtige Umgang mit der Katze und das Handling bei der Tabletteneingabe den Erfolg einer peroralen Therapie maßgeblich beeinflussen.
Artikel lesen

Iridoide als Mücken-Schutz

Rausch hin oder her - für das Verhalten der Katzen scheint es auch eine biologische Ursache zu geben. So ist bekannt, dass Katzenminze eine repellente Wirkung auf Insekten hat. Ähnliches konnten die Japaner nun für Silberwein bestätigen: In einer zweiten Versuchsreihe mit Mücken und Katzen landeten weniger Mücken auf den Köpfen der Tiere, die sich am Nepetalacton gerieben hatten. Die Japaner schließen daraus, dass die Reaktion der Katzen auf die Iridoid-Wirkstoffe mit einer chemischen Abwehr gegen Moskitos und möglicherweise anderer Parasiten verknüpft sein könnte. Somit könnte der Wirkstoff nicht nur für Hersteller von Katzenbedarf, sondern auch für die Entwicklung neuartiger Repellentien interessant sein.

Weitere Versuche sollen klären, warum nur Katzen auf diese Pflanzen reagieren. Steckt womöglich ein Gen dahinter?

Interessiert an weiteren Studien-Zusammenfassungen aus der Veterinärmedizin? Dann melden Sie sich hier für unseren kostenfreien vetline.de-Newsletter an! 

Ferkel und Muttersau
Foto: James Copeland - stock.adobe.com

news4vets

12. September 2019

Umrauschen bei Zuchtsauen - wo liegen die Ursachen?

Die Ursachen für das Umrauschen bei Zuchtsauen sind multifaktoriell und müssen auch so behandelt werden.

Journal Club Logo

Journal Club

3. Oktober 2018

Actinobacillus pleuropneumoniae: subklinisch kranke Schweine finden

Infektionen mit Actinobacillus pleuropneumoniae (APP) sind in der Schweinehaltung mit hohen wirtschaftlichen Verlusten verbunden. Subklinisch erkrankte Tiere stellen eine gefährliche Infektionsquelle dar. Daher ist es wichtig, diese Tiere aufzuspüren.

Katzen fressen Trockenfutter
Foto: anoli - Fotolia.com

Journal Club

20. Oktober 2020

Katzenfutter: Was die Katze gerne frisst – und was nicht

Katzen sind Feinschmecker, das dürfte jedem Besitzer und Kleintierpraktiker bekannt sein. Welche Faktoren über Appetit und Futterwahl entscheiden, scheint deutlich schwerer zu beantworten. Diesem Aspekt haben sich nun Forscher in einer Übersichtsarbeit angenommen.

Katze putzt sich: Gibt es endlich eine Therapie für FIP?
Foto: Maria Sauh - Fotolia.com

Journal Club

31. März 2019

Mögliche Therapie für FIP-Katzen

Eine aktuelle Feldstudie weckt Hoffnungen für Katzen mit Feliner Infektiöser Peritonitis: Mit einem Nukleosidanalogon scheint eine effektive Behandlung möglich.