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Asthma führt zu Veränderungen in den Atemwegen, die nicht immer reversibel sind.
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Asthma führt zu Veränderungen in den Atemwegen, die nicht immer reversibel sind.

Journal Club

Beharrliche Bronchialgefäße bei equinem Asthma

Asthma führt bei Pferden zur Angiogenese in der Bronchialwand – und die Gefäße sind auf Dauer angelegt.

Asthma, insbesondere bei schwerer Ausprägung, geht mit strukturellen Veränderungen in den unteren Atemwegen einher, die mit den derzeit verfügbaren pharmakologischen Mitteln nur teilweise reversibel sind. Vom Menschen ist bekannt, dass die auch dort bei Asthmapatienten auftretenden Verdickungen der Bronchialwand mit einer verstärkten Vaskularisation vergesellschaftet sind, und die Forschung läuft auf Hochtouren, um diese Angiogenese zum Ansatzpunkt für neue Medikamente zu machen.

Verdickte Bronchialwände bei Mensch und Pferd

Eine verblindete, randomisierte Studie hat nun untersucht, ob auch bei asthmatischen Pferden im Vergleich mit gesunden Artgenossen eine verstärkte Vaskularisation der Bronchialwände vorliegt und diese gegebenenfalls durch eine zweiwöchige Behandlung mit Dexamethason (0,06 mg/kg per os einmal täglich) rückgängig zu machen wäre. Diese Fragen wurden nacheinander in zwei getrennten Versuchsansätzen angegangen. Der erste Versuch befasst sich mit Suche nach histologischen und immunhistochemischen Unterschieden in bronchialen Biopsien von

  • (a) asthmatischen Pferden im Stadium der Verschlechterung,
  • (b) asthmatischen Pferden in Remission, und
  • ( c) gesunden Pferden gleichen Alters.

Dabei stellte sich heraus, dass sowohl die Bronchialwände der Gruppe (a) als auch der Gruppe (b) im Vergleich mit den gesunden Pferden verdickt waren.

Keine Reversion unter Kortikosteroiden

Im zweiten Versuch wurden Pferde der Gruppe (a) und gesunde Kontrollen über zwei Wochen mit Dexamethason behandelt und anschließend erneut bronchiale Biopsien entnommen. Hier wurde festgestellt, dass die Wanddicke bei den asthmatischen Pferden sich nicht nennenswert veränderte. Unerwartet kam es jedoch bei den gesunden Pferden mit der Behandlung zu einer Angiogenese, die dazu führte, dass die Dicke der Bronchialwand nach zwei Wochen etwa derjenigen der asthmatischen Pferde entsprach.

Fazit

Wie beim Menschen ist auch beim Pferd der strukturelle Umbau der Bronchialwände mit einer Angiogenese vergesellschaftet, die nicht nur im akuten Asthmageschehen, sondern auch bei Pferden in Remission besteht. Eine zweiwöchige Kortikosteroid-Behandlung ist zur Reversion dieser Angiogenese ungeeignet. 

Originalpublikation

Millares-Ramirez EM, Lavoie JP (2021): Bronchial angiogenesis in horses with severe asthma and its response to corticosteroids. J Vet Intern Med 35 (4): 2026–2034. DOI 10.1111/jvim.16159.