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Bandscheibenvorfälle beim Hund: Retrospektive Studie über den klinischen Verlauf von 238 Hunden (2003–2004)

Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 121, 159-170

DOI: 10.2376/0005-9366-121-159

Publiziert: 03/2008

Zusammenfassung

Ziel dieser Arbeit war es, anhand einer großen Fallzahl die Prognosestellung von Bandscheibenvorfällen mit derzeit gültigen Therapieverfahren zu überprüfen. Die Unterlagen von 238 Patienten, die an der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover aufgrund eines Bandscheibenvorfalls in einer Zeitspanne von zwei Jahren (2003–2004) operiert worden sind, wurden im Hinblick auf das langfristige Behandlungsergebnis ausgewertet. Langfristig wurde bei 85 % der Patienten ein gutes und bei 15 % ein unbefriedigendes Ergebnis festgestellt. Sowohl das Vorhandensein der Tiefenschmerzsensibilität als auch das Gewicht des Hundes stellten sich dabei als wichtige prognostische Indikatoren für den Behandlungserfolg heraus. Die Rekonvaleszenzzeit verlängerte sich mit Zunahme der neurologischen Ausfälle. Außerdem erholten sich Patienten mit einer zervikalen Rückenmarkskompression in der Regel schneller als solche mit einer Erkrankung im thorakolumbalen Wirbelsäulenbereich. Demgegenüber hatten das Patientenalter, anamnestische Bandscheibenbeschwerden, die Vorbehandlung mit Glukokortikosteroiden, eine Läsion im Bereich des unteren motorischen Neurons und die Durchführung einer Durotomie bei einem makroskopisch veränderten Rückenmark keinen Einfluss auf das Ergebnis. Radiologische Veränderungen an der Wirbelsäule in Form von Spondylosen, Spondylarthrosen, einem Wirbelengstand bis hin zu einer Fusion benachbarter Wirbelkörper konnten hauptsächlich bei den Operationsmethoden verzeichnet werden, die mit einer Entfernung der Zwischenwirbelscheibe einhergingen. Bei den untersuchten Patienten kann insgesamt von einem guten Ergebnis der Bandscheibenbehandlung durch operative Dekompression gesprochen werden.

Summary

The aim of the study was the assessment of the prognosis of intervertebral disk diseases on the basis of a large case load with the help of currently avail-able therapy modalities. Medical records of 238 dogs presented within 2 years (2003–2004) with neurological deficits resulting from intervertebral disk disease and surgical treatment at the Department of Small Animal Medicine and Surgery of the University of Veterinary Medicine Hannover were reviewed. 85 % of the patients showed a good and 15 % a poor long-term functional outcome. Both the presence of deep pain sensation and the weight of the dog were the only variables detected as having a significant impact on prognosis. The time needed to motor function improve depended on the degree of neurological deficits before surgery, and patients with a cervical lesion had a more rapid recovery than patients with a thoracolumbal disease. All other variables, including age, previous signs of intervertebral disk disease, preoperative steroid medication, a lower motor neuron involvement and durotomy did not significantly influence the outcome. Radiographic changes of the vertebral column such as spondylosis, spondylarthrosis, a narrowed disk space up to a fusion of the vertebral bodies mostly were found at the site of a removed intervertebral disk. In dogs with intervertebral disk disease evaluated in the current study a good result could be obtained after surgical decompression.

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