Kuh im Sonnenuntergang
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Babesia divergens beim Rind weiterhin relevant

Ein Ausbruch von Babesiose in einem Rindermastbetrieb in Norddeutschland belegt die anhaltende Bedeutung dieser vermeintlich rückläufigen Erkrankung.

Babesia divergens, ein durch Ixodes ricinus übertragener einzelliger Parasit, ist der in Nordeuropa bei der Babesiose des Rindes häufigste Vertreter seiner Gattung. Die Art ist auch für den Menschen klinisch relevant. Diese Publikation beschreibt die Epidemiologie in einem Rindermastbetrieb in Norddeutschland, in dem im Jahr 2018 erstmals Babesiose diagnostiziert wurde, und die Prävalenz des Erregers bei Zecken in diesem Betrieb.

Babesien: Fallbericht aus der Rindermast in Norddeutschland

Im Juni 2018 verendeten in dem Betrieb 21 Rinder innerhalb weniger Tage an Babesiose, nachdem die Herde knapp zwei Wochen zuvor auf eine bisher ungenutzte Weidefläche gebracht worden war. Leitsymptom war eine Hämoglobinurie. Blutausstriche klinisch erkrankter Tiere enthielten Babesia-Merozoiten, die mittels PCR und Teilsequenzierung der 18S-rRNA als B. divergens identifiziert wurden. Daraufhin wurde der gesamte Bestand einem PCR-Screening auf Babesien unterworfen, wobei sich herausstellte, dass von den fünf auf unterschiedlichen Weideflächen gehaltenen Herden nur die besagte Herde mit dem Erreger befallen war. Im Folgejahr traten auch in anderen Herden des Betriebs weitere Fälle von Babesiose auf, die dank der Vorgeschichte rasch diagnostiziert und mit Imidocarb-Dipropionat behandelt wurden, wodurch der Anteil letaler Verläufe gesenkt werden konnte. B.-divergens-Antikörper wurden im Frühjahr 2020 bei 38 Prozent der untersuchten Tiere gefunden.

Erregerprävalenz bei regionalen Zecken

Zur Ermittlung der Babesia-Prävalenz in den vor Ort lebenden Zecken wurden 1.430 Exemplare von Ixodes ricinus (555 Larven, 648 Nymphen und 227 adulte Tiere) auf den Weideflächen des Betriebes gesammelt und mittels PCR auf Babesien untersucht. Dabei wurde kein B. divergens gefunden, wohl aber B. microti in sieben Zecken, B. venatorum in sechs Zecken und B. capreoli bei einer Zecke.

Babesiose nicht aus dem Blick verlieren

Trotz fehlenden Nachweises von B. divergens bei den Zecken ist die Anwesenheit dieser Art im Betrieb durch das Geschehen bei den Rindern eindeutig erwiesen. Die Autoren mahnen, die Babesiose differenzialdiagnostisch nicht aus dem Blick zu verlieren, da sie nach wie vor erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erlangen kann, insbesondere wenn sie in nicht-endemischen Gebieten (erneut) auftritt.

Originalartikel:

Springer A, Höltershinken M, Lienhart F, Ermel S, Rehage J, Hülskötter K, Lehmbecker A, Wohlsein P, Barutzki D, Gietl C, Baumgärtner W, Hoedemaker M, Strube C (2020): Emergence and Epidemiology of Bovine Babesiosis Due to Babesia divergens on a Northern German Beef Production Farm. Front Vet Sci 7: 649. DOI 10.3389/fvets.2020.00649

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