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Jagdhunde sollten möglichst wenig Kontakt zu Wildschweinen haben.
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Jagdhunde sollten möglichst wenig Kontakt zu Wildschweinen haben.

Tierseuche

Aujeszkysche Krankheit beim Wildschwein – ein Risiko  für Hund und Katze?

Deutschland ist bereits seit 2003 frei von der Aujeszkyschen Krankheit. Doch beim Schwarzwild kommt das Pseudorabiesvirus weiterhin vor. 

  • Das Pseudorabiesvirus breitet sich in der deutschen Schwarzwildpopulation aus.
  • Nur bei Hausschweinen ist die Aujeszkysche Krankheit meldepflichtig. Seit 2003 sind die Bestände frei von Suidem Herpesvirus 1.
  • Hunde und Katzen infizieren sich selten, aber insbesondere für Streuner und Jagdhunde gibt es ein erstzunehmendes Risiko. Für sie ist die Aujeszkysche Krankheit tödlich.

Anfang Januar 2022 meldete das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz den Nachweis der Aujezskyschen Krankheit bei einem Kleinen Münsterländer. Es sei der fünfte Nachweis bei einem jagdlich geführten Hund in den letzten Jahren. Im selben Zeitraum warnte die Stadt Gera in Thüringen Hunde- und Katzenhalter und riet ihnen, ihre Haustiere nur noch kontrolliert ins Freie zu lassen. Bei einer toten Wildsau war das Suide Herpesvirus 1 (SHV-1, Pseudorabiesvirus) nachgewiesen worden.

Pseudorabiesvirus: Endemie in der Schwarzwildpopulation

Solche Meldungen scheinen immer häufiger in der Presse aufzutauchen. Tatsächlich hat sich SHV-1 in den letzten Jahren in der Schwarzwildpopulation ausgebreitet. Eine 2020 publizierte, groß angelegte Monitoring-Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts  zeigt, dass das Virus in großen Teilen Deutschlands bereits praktisch endemisch ist. Die Untersuchung von fast 110.000 Wildschwein-Sera von 2010 bis 2015 ergab eine durchschnittliche Seroprävalenz von etwa 12 Prozent – mit signifikanter Zunahme in den letzten Jahren.

Große Cluster finden sich vor allem in Ostdeutschland. Die Autoren schreiben aber, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich das Pseudorabiesvirus bei Wildschweinen in ganz Deutschland ausgebreitet haben wird. Auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) berichtet von einer Ausbreitung des Erregers in der niedersächsischen Schwarzwildpopulation, mit 89 Antikörpernachweisen im Jahr 2020. Eine Bekämpfung des Pseudorabiesvirus beim Schwarzwild ist praktisch nicht möglich, die Population bildet also ein wachsendes Reservoir für das Virus.

Anzeigepflichtige Infektionen beim Hausschwein sind seit 2003 nicht aufgetreten, neben der Afrikanischen Schweinepest ist aber auch die Aujeszkysche Krankheit ein Grund, die Biosicherheit genau im Blick zu halten und Kontakte zwischen Haus- und Schwarzwild zu vermeiden.

Pseudowut bei Hund und Katze

Eine Infektion mit dem Pseudorabiesvirus ist bei Katzen und Hunden sehr selten. Vor allem bei Streunern und Jagdhunden ist sie aber nicht auszuschließen. Wissenschaftler um Prof. Dr. Stephan Neumann von der Klinik für Kleintiere der Universität Göttingen berichteten 2020 in der Kleintierpraxis von einem solchen Fall: Ein Münsterländerrüde zeigte kurz nach dem Kontakt mit Schwarzwild Bewusstseinseintrübungen und starken Juckreiz, schließlich verstarb er. SHV-1 wurde nachgewiesen.

Hunde und Katzen können sich bei Kontakt zu Wildschweinen oder durch das Fressen roher oder unzureichend erhitzter Abfälle aus dem Aufbruch infizieren. Die Symptome einer ZNS-Erkrankung (Apathie, Unruhe, Erregbarkeit, Salivation, Schluckstörungen, Erbrechen) setzen plötzlich ein, Kardinalsymptom ist ein unstillbarer Juckreiz unilateral am Kopf. Er tritt aber nicht bei allen infizierten Hunden auf. Oft werden auch Hyperthermie und Konvulsionen beobachtet. Schließlich treten Paralysen, Teilnahmslosigkeit und der Tod ein. Heilbar ist die Aujeszky-Krankheit bei Hund und Katze nicht. 

Präventionsmaßnahmen für Jagdhunde

Jagdhunde haben im Vergleich zu Haushunden ein deutlich erhöhtes Risiko, sich mit dem Pseudorabiesvirus zu infizieren. Die Göttinger Forschenden raten zu einigen Vorsichtsmaßnahmen:

  • Vorsicht auch bei klinisch gesunden Wildschweinen, das Virus ist beim Schwarzwild nur wenig virulent
  • Den Kontakt der Hunde zu Wildschweinen auf das Nötigste beschränken
  • Hunde vom Streckenplatz und Aufbruch fernhalten
  • Schütteln oder Anfressen der Beute durch Hunde verhindern
  • Hunde auch von Wildschweinkadavern fernhalten, SHV-1 hat eine hohe Tenazität
  • Kein rohes oder unzureichend erhitztes Fleisch verfüttern (Inaktivierung von SHV-1 erst bei über 80 °C)

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