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Der Praktische Tierarzt

Antibiotika in der Kleintierchirurgie

Use of antibiotics in small animal surgery

Der Praktische Tierarzt 103, 582–601

DOI: 10.2376/0032-681X-2228

Eingereicht: 27. November 2021

Akzeptiert: 20. April 2022

Publiziert: 06/2022

Zusammenfassung

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Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin wird zunehmend kritisch diskutiert. Insbesondere die bedenkliche Zunahme multiresistenter Keime, deren Vormarsch in einem direkten Zusammenhang mit übermäßigem und unsachgemäßem Einsatz von Antibiotika steht, erfordert neue Handlungsweisen im Umgang mit Antibiotika (Allerton et al. 2021, WHO 2021b). Aktuell verabreichen laut Umfragen über 80 % aller Veterinäre Antibiotika im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen (Hardefeldt et al. 2017, Van Cleven et al. 2018, Gomez-Beltran et al. 2021). Diese Studien zeigen, dass subkutane Depotpräparate zu variablen Zeitpunkten, teilweise erst nach Abschluss des Eingriffs, verwendet werden (Weese und Halling 2006). Aktuelle Empfehlungen besagen, dass eine Antibiotikaprophylaxe durch die Gabe von Cefazolin (20–25 mg/kg) intravenös innerhalb von zwei Stunden vor Hautschnitt verabreicht werden sollte (Tobias 2012, Allegranzi et al. 2016a, Cagnardi et al. 2018). Eine Fortführung der Verabreichung über den perioperativen Zeitraum hinaus ist bei rein prophylaktischer Gabe nicht nur unnötig, sondern kann sogar schädlich sein (Allegranzi et al. 2016b, Eckmann 2021). Wird jedoch im Rahmen des chirurgischen Eingriffs eine bakterielle Infektion nachgewiesen, so schließt sich eine therapeutische Verabreichung an. Werden Antibiotika bereits deutlich vor einer Operation begonnen, so selektiert man auf resistente Keime, die postoperativ hochproblematisch sein können. Immunkompetente Patienten, die eine saubere Operation durchlaufen, benötigen oftmals keine Antibiotikaprophylaxe. Das Risiko für postoperative Wundheilungsstörungen hängt von mehreren Faktoren ab und sollte bereits im Vorfeld möglichst genau berücksichtigt werden. Entscheidend für die Prävention postoperativer Wundheilungsstörungen sind die Einhaltung der chirurgischen Grundprinzipien, ein optimiertes Narkosemanagement sowie eine standardisierte und hochwertige Vor- und Nachbereitung des Patienten (Brown et al. 1997, Beal et al. 2000, Tobias 2012, Bergstrom et al. 2016, Winkels 2016). Ein Standardprotokoll, das für jeden chirurgischen Patienten genutzt wird, ist hilfreich (Bergstrom et al. 2016). Entscheidend für das Wundinfektionsrisiko ist neben der Klassifizierung der chirurgischen Wunde von sauber bis infiziert auch die Einschätzung des Gesamtzustandes des Patienten. Hierfür kann die Bestimmung der ASA-Klasse hilfreich sein. Bereits im Vorfeld sollten die geschätzte OP- und Narkosedauer in die Kalkulation einbezogen werden. Ergibt sich hieraus ein deutlich erhöhtes Risiko für postoperative Wundinfektionen, so wird eine evidenzbasierte antibiotische Infektionsprophylaxe betrieben.

Perioperative Antibiotikaprophylaxe
postoperative Wundinfektion
Wirkspiegel

Summary

The use of antibiotics in veterinary medicine is progressively discussed critically. In particular, the worrying increase in multi-resistant bacteria, the advance of which is directly related to an excessive and inappropriate use of antibiotics, requires new ways of dealing with antibiotics (Allerton et al. 2021, WHO 2021b). Currently, according to surveys, over 80 % of all veterinarians administer antibiotics in the event of surgical procedures (Hardefeldt et al. 2017, Van Cleven et al. 2018, Gomez-Beltran et al. 2021). These studies show that subcutaneous depot preparations are used at variable times, sometimes even after the procedure has been completed (Weese und Halling 2006). Current recommendations state that antibiotic prophylaxis through administration of cefazoline (20–25 mg/kg) intravenously should be administered within two hours before skin incision (Tobias 2012, Allegranzi et al. 2016a, Cagnardi et al. 2018). Continuing administration beyond the perioperative period is not only unnecessary for purely prophylactic administration, but can even be harmful (Allegranzi et al. 2016b, Eckmann 2021). However, if a bacterial infection is detected during surgical procedure, continued therapeutic administration follows. If antibiotics are started well before surgery, one selects for resistant bacteria, which can be highly problematic in the postoperative period. Immunocompetent patients who undergo clean surgery do generally not require antibiotic prophylaxis. The risk of postoperative surgical site infections depends on several factors and should be considered as precisely as possible in advance. Adherence to basic surgical principles, optimized anesthetic management as well as standardized and high-quality preparation and follow-up of the patient are decisive for the prevention of surgical site infections (Brown et al. 1997, Beal et al. 2000, Tobias 2012, Bergstrom et al. 2016, Winkels 2016). A standard protocol used for each surgical patient is helpful (Bergstrom et al. 2016). In addition to the classification of surgical wounds from clean to infected, the assessment of the patient’s overall condition is also decisive to evaluate the risk for surgical site infections. Determining the ASA class can be helpful for this. The estimated duration of surgery and anesthesia should be calculated in advance. If a significantly increased risk for surgical site infections is expected, evidence based perioperative antibiotic prophylaxis is carried out.

perioperative antibiotic prophylaxis
surgical site infection
effective concentration

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