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Unangenehme Situationen im Notdienst sollte man im Nachgang besprechen.
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Unangenehme Situationen im Notdienst sollte man im Nachgang besprechen.

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Angst vor Nacht- und Notdiensten

Die Ausnahmesituationen in der tierärztlichen Praxis richtig meistern. In unserer Kolumne gibt EVA Antworten auf Ihre Fragen.

Liebe Eva, ich arbeite in einer Gemischtpraxis und habe ein Thema, zu dem ich wirklich gerne Deinen Rat hätte. Ich bin noch nicht so lange in der Praxis und erst seit ein paar Monaten im Not- und Nachtdienst eingeteilt. Eigentlich habe ich gedacht, dass ich mich an diese besonderen Aufgaben langsam gewöhnen würde, aber irgendwie wird meine Angst vor diesen Diensten immer größer. Ich fühle mich allein und auch oft überfordert in der Notfallsituation. Wie kann ich das ändern?

Liebe Kollegin, vielen Dank, dass Du dieses Thema so offen ansprichst. Aus zahlreichen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen weiß ich, dass es vielen, auch sehr erfahrenen Kollegen immer mal wieder genauso geht. Ängste entstehen dabei aus den unterschiedlichsten Gründen. Eine Kollegin in der Kleintierpraxis berichtete mir von einem Notfall, bei dem sie von den Tierbesitzern, die eindeutig unter Drogen standen, bedroht wurde. Andere Kollegen haben schwere Tierunfälle miterleben müssen, manch einer leidet an Versagensängsten. In den meisten Fällen verstärkt sich die Angst dadurch, dass man sich in der Situation alleingelassen fühlt.

Ein Stück weit gehört es zu unserem Beruf, Ausnahmesituationen zu meistern, man gewöhnt sich daran und es wird mit der Zeit besser. Trotz allem ist es wichtig, dass Ängste auch in unserer Berufssparte ernst genommen werden und wir offen über sie sprechen.

Diese Ansprache fängt in der Regel im Kleinen an. „Ist es Dir auch schon mal so gegangen, dass Du Angst vor einem Notdienst hattest“, kann eine Frage an Kollegen sein, oder „was würdest Du mir raten, wenn ich merke, dass mich der Nachtdienst überfordert“ ein Einstieg in das Gespräch mit dem Vorgesetzten.


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Aus meiner Erfahrung helfen zwei Dinge: Zum einen kann eine gezielte Schulung zur Notfallmedizin hilfreich sein, die fachliche Kompetenz stärken und Handlungsoption in Ausnahmesituationen erweitern, hierzu gibt es ein großes Angebot für TFAs und auch Kleintierpraktiker, in der Nutztiermedizin ist das Angebot eher eingeschränkt. Da kann es hilfreich sein, verschiedene Notfallsituationen kleinschrittig mit den Kollegen durchzugehen und aus ihren Erfahrungen zu lernen. Da Du in einer Gemischtpraxis arbeitest, ist die Spannbreite an möglichen Notfällen natürlich besonders groß und braucht einfach diesen fachlichen Austausch ganz besonders.

Als zweiten Punkt würde ich gerne den Aufbau eines Notfallplans in der Praxis ansprechen. Hier helfen z. B. Checklisten, was in Notfällen zu tun ist. An wen kannst Du Dich wenden, wenn Du in einer Situation nicht weiterweißt oder Dich sogar bedroht fühlst? Gibt es standardisierte Abläufe, die Kollegen erfolgreich etabliert haben, um Ausnahmesituationen zu meistern? Auch das regelmäßige Durchsprechen der konkret erlebten Situationen, ein sogenanntes Debriefing, nach einer Nacht- oder Notfallschicht ist ebenfalls ein gutes Instrument, um reflektorisch Sicherheit aufzubauen. Vielleicht kannst Du dieses Thema in einer Teambesprechung anregen, ich bin mir sicher, alle werden hier Beiträge leisten können, denn jeder von uns hat sich schon einmal in unangenehmen oder angsteinflößenden Situationen befunden.

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