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Foto: Canva

ITIS

Analgesie bei der Kastration des Hengstes

Die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS) hält die Gabe von Schmerzmitteln bei dem Eingriff für unverzichtbar.

Aktuelle Studien zeigen, dass die Kastration des Hengstes mit Schmerzen verbunden ist, die mehrere Tage anhalten. Durch die Gabe von nicht-steroidalen Entzündungshemmern (NSAIDs) lassen sich Schmerzen und Entzündungen wirksam reduzieren. In der Praxis kommen verschiedene NSAIDs zum Einsatz. Die häufigste analgetische Therapie scheint eine perioperative Gabe von Flunixin zu sein.

Meloxicam lindert Schmerzen signifikant

Eine aktuelle, kontrollierte Studie von Olson und Mitarbeitern prüfte die Wirksamkeit einer oralen Meloxicam-Suspension (15 mg/ml), die in Kanada zur postoperativen Kontrolle von Schmerzen und Entzündungen bei Rindern und Pferden entwickelt wurde.

88 gesunde Hengste wurden unbedeckt unter Sedierung (0,5 mg/kg Xylazin) und Lokalanästhesie (50 ml 2 % Lidocain mit Adrenalin) mithilfe eines Emaskulators kastriert. Die Hautschnitte wurden offen gelassen. Die Tiere in Gruppe 1 (n = 44) erhielten Meloxicam-Suspension (MOS) in einer Dosierung von 0,6 mg/kg oral zum Zeitpunkt der Kastration und anschließend einmal täglich für zwei Tage. Die Tiere der Gruppe 2 (n = 44) erhielten keine Schmerzmittel. Alle Pferde wurden an Tag 0 kastriert und anschließend für vier Tage auf klinische Anzeichen für Schmerzen und Entzündung beobachtet.

Die Score-Werte auf einer zusammengesetzten Verhaltensskala zur Schmerzbeurteilung lagen für die Kontrollgruppe zu jedem Beobachtungszeitpunkt signifikant höher als für die MOS-behandelte Gruppe. Auch die Schmerzwerte, die drei unabhängige Beobachter auf der visuellen Analogskala dokumentierten, waren für diese Tiere signifikant höher. Die mit MOS versorgten Pferden waren 24 bis 96 Stunden nach der Kastration auch deutlich aktiver. Bei den klinischen Untersuchungen an Tag 1, 2 und 3 zeigten sich bei den Kontrolltieren jeweils erheblich stärkere Präputialschwellungen als bei den Pferden der MOS-Gruppe.

Zusätzliche postoperative Flunixingaben ohne Vorteil?

Dalla Costa und Mitarbeiter entwickelten eine Horse Grimace Scale als Instrument zur Schmerzmessung bei der Kastration. In der von ihnen durchgeführten Studie wurden 40 gesunde Hengste kastriert: bedeckt, mit skrotalem Zugang ohne primären Wundverschluss in Rückenlage und unter Vollnarkose. Gruppe A (n =19) erhielt eine perioperative Flunixin-Injektion (1,1 mg/kg i.v.), Gruppe B (n =21) erhielt ebenfalls eine perioperative Flunixin-Injektion (1,1 mg/kg i.v.) und zusätzlich sechs Stunden nach der Kastration eine orale Flunixin-Gabe (Flunidol 5%, CP-Pharma, Burgdorf, 1,1 mg/kg p.o.). Alle kastrierten Pferde wurden zudem für drei Tage antibiotisch versorgt. Eine Kontrollgruppe C (n = 6) durchlief das gleiche Anästhesie-Protokoll wie die Gruppen A und B. Diese Pferde erhielten ebenfalls eine perioperative Flunixin-Injektion (1,1 mg/kg i.v.), an ihnen wurde jedoch kein schmerzhafter Eingriff vorgenommen.

Sowohl der Horse-Grimace-Scale-Score als auch der einer zusammengesetzten Schmerzskala waren acht Stunden nach dem Eingriff bei den kastrierten Pferden im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höher. Zwischen den beiden Behandlungsgruppen A und B mit einer bzw. zwei Flunixin-Gaben gab es hingegen keinen signifikanten Unterschied. Diese Studie scheint also nahezulegen, dass postoperative Schmerzmittelgaben zusätzlich zur perioperativen Analgesie keinen weiteren Vorteil bringen.

Schmerztherapie ist unverzichtbar

Während Dalla Costa et al. aus ethischen Gründen auf eine Kontrollgruppe mit Kastration, aber ohne Schmerzmittelgabe verzichteten, wurden in der Studie von Olson et al. 44 Hengste ohne postoperative Analgesie kastriert. Die Ergebnisse  zeigen deutlich, dass postoperative Schmerzen und Schwellungen nach der Kastration beim Hengst unbehandelt über mehrere Tage andauern und die Tiere deutlich beeinträchtigen. Diese Beobachtungen untermauern die Bedeutung einer mehrtägigen postoperativen Schmerzbehandlung nach der Kastration von Hengsten. (red)

 

ITIS – Die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie

Dieser Fachartikel wird publiziert mit Unterstützung der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS). Die ITIS ist ein Fachgremium, besetzt mit führenden Spezialisten für veterinärmedizinische Schmerztherapie. Die Experten um die Professorinnen Michaele Alef, Sabine Kästner, Heidrun Potschka und Sabine Tacke sowie Dr. Julia Tünsmeyer setzen sich für ein optimales Schmerzmanagement bei Haus- und Nutztieren ein.
Die Arbeit der Initiative tiermedizinische Schmerztherapie wird von Sponsoren engagiert begleitet und ermöglicht.

 

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