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Im neuen Jahr gibt es wieder rechtliche Neuerungen.
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Im neuen Jahr gibt es wieder rechtliche Neuerungen.

2024 bringt neue Gesetze – was kommt?

Bereits im Januar und Februar treten einige rechtliche Neuerungen in Kraft, vor allem im Bereich Tierschutz. 

Neues Jahr, neues Glück? Auf alle Fälle bringt 2024 wieder einen bunten Blumenstrauß gesetzlicher Neuregelungen bzw. Anpassungen, die für Tierärztinnen und Tierärzte relevant sind. 

So gab es eine neue Studie zum Schmerzempfinden von Kükenembryonen, welche die geplante Verschärfung des bestehenden Gesetzes nichtig macht, bei Tieren mit Nachwuchs sollen rechtliche Anpassungen dafür sorgen, dass Hündinnen mit Welpen in Zwingerhaltung mehr Platz haben und Kälber besser gehalten werden. Auch Sauenhalter brauchen fortan ein Umbaukonzept für ihre Deckbereiche und Tierärzte müssen zum zweiten Mal ihre Antibiotika-Verbrauchsmengen melden. Mit Veröffentlichung der aktualisierten Leistungsprüfungsordnung (LPO) ist bei Springprüfungen eine dauerhafte Anwesenheit von Turniertierärzten nicht mehr zwingend vorgesehen.

Regelung zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei

Nachdem seit 2022 das Töten bereits geschlüpfter Eintagsküken verboten wurde, wollte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 2024 auch das Töten von Hühnerembryonen nach Geschlechterbestimmung im Ei nach dem siebten Bebrütungstag untersagen. Grundlage dieses Verbots war die Annahme, dass die Embryonen zum Selektionszeitpunkt des Geschlechts zwischen dem neunten und 13. Bebrütungstag bereits Schmerzen empfinden können.


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Allerdings hat eine aktuelle Studie gezeigt, dass das Schmerzempfinden der Hühnerembryonen nicht vor dem 13. Bebrütungstag einsetzt. Entsprechend fehlte die wissenschaftliche Grundlage für das Verbot ab Tag sieben und das Gesetz wurde angepasst: Ab dem 01. Januar 2024 ist verboten, die Bebrütung von Hühnerembryonen ab dem 13. Bebrütungstag zu stoppen. Eine Geschlechterbestimmung ist mit zugelassenen Verfahren bereits zuvor möglich.

Ab wann empfinden Hühnerembryonen Schmerz?

Das Tierschutzgesetz schreibt ab 2024 eine Geschlechtsbestimmung im Ei vor dem 7. Bebrütungstag vor. Doch Schmerzen spüren die Embryonen erst einige Tage später.
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Tierschutz-Hundeverordnung

Hündin mit Welpen: Mehr Platz im Zwinger

Bereits seit Januar 2023 gelten für gewerbsmäßige Züchterinnen und Züchter von Hunden laut Tierschutz Hundeverordnung sehr viel strengere Regeln, die vor allem die Sozialisation der Welpen sicherstellen. Die Zwingerhaltung von Hündinnen ist weiterhin erlaubt, allerdings muss der Hündin mit Welpen ab dem 01. Januar 2024 laut Verordnung das Doppelte an benutzbarer Bodenfläche zur Verfügung stehen, welche für Hunde bis 50 cm Widerristhöhe sechs Quadratmeter, für Hunde bis 65 cm acht und ab 65 cm zehn Quadratmeter vorsieht. 

Die neue Tierschutz-Hundeverordnung

Ab dem 1. Januar 2023 gelten neue Vorschriften für die Hundezucht und ein Verbot der Anbindehaltung von Hunden.
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Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung

Schluss mit Betonspaltenhaltung bei Kälbern

Am 09. Februar 2024 endet die dreijährige Übergangsfrist für die Haltung von Kälbern der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung nach Überarbeitung von Paragraf 5 Satz 1 Nummer 1 durch den Bundesrat. Fortan dürfen Kälber im Alter von zwei Wochen bis sechs Monaten nicht mehr auf Betonspalten gehalten werden, sondern müssen im Stall einen trockenen, weichen oder elastisch-verformbaren Liegebereich zu Verfügung gestellt bekommen. Dies gilt sowohl für Kälber- und Bullenmäster als auch für Milchkuhställe und muss auch in bereits genehmigten Ställen umgesetzt werde,  sowohl in Neu- als auch in Altbauten. 

Sauenhalter brauchen einen Plan

Ebenfalls ab 09. Februar 2024 müssen Sauenhalter die Vorgaben nach § 30 Absatz 2 und 2a der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (Haltung von Sauen im Deckzentrum) umsetzen. Bis zu diesem Datum muss den Behörden ein entsprechendes Betriebs- und Umbaukonzept vorgelegt werden. Alternativ muss bis zum 9. Februar 2024 der Ausstieg schriftlich bei der Behörde erklärt werden, womit die Sauenhaltung spätestens zum 9. Februar 2026 eingestellt werden muss.

Aktualisierte Leistungsprüfungsordnung im Pferdesport

Rufbereitschaft für Turniertierärzte

Am 01. Januar 2024 tritt die neue Leistungsprüfungsordnung in Kraft, welche die Abteilung Turniersport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zusammen mit Vertretern der Landespferdesportverbände und der Deutschen Richtervereinigung sowie den Disziplin-Ausschüssen des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) erarbeitet hat. Für Pferdetierärzte relevant ist die Modifikation des Paragraf 40, welcher die tierärztliche Betreuung auf Turnieren regelt. In der Neufassung der LPO steht für Springprüfungen mit abwerfbaren Hindernissen Folgendes: „in begründeten Fällen, insbesondere dann, wenn trotz ernsthaften Bemühens kein Tierarzt zur ständigen Anwesenheit verpflichtet werden kann, kann mit Genehmigung der zuständigen Landeskommission zwischen Veranstalter und Turniertierarzt eine Rufbereitschaft vereinbart werden.“ Die Bundestierärztekammer hat hierzu eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie den Kolleginnen und Kollegen rät „von einer Turnierbereitschaft im Bereitschaftsdienst Abstand zu nehmen“ (…), da die Notwendigkeit bestünde „verletzte Pferde im Rahmen einer Pferdesportveranstaltung zeitnah zu versorgen, um Schmerzen und Leiden schnellstmöglich lindern zu können.“

Nationale Datenbank HI-Tier

Antibiotika-Verbrauchsmengen: Daten gehen erstmalig an die EMA

Seit dem Inkrafttreten der neuen Tierarzneimittel-Verordnung, das seit dem 1. Januar 2023 gilt, wird die Verwendung antimikrobieller Arzneimittel EU-weit erfasst. Tierärztinnen und Tierärzte sind verpflichtet, die Verbrauchsmengen von Antibiotika für Rinder, Schweine, Hühner und Puten aller Nutzungsarten einmal pro Halbjahr elektronisch an die nationale Datenbank für die Verbrauchsmengenerfassung (HI-Tier) zu melden ( § 56 TAMG). 

Die Meldung des zweiten Halbjahrs hat am 14. Januar 2024 zu erfolgen, die Daten gehen dann nach Prüfung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erstmalig an die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Ab 2026 werden auch die Verbrauchsmengen für Enten, Gänse, Schafe, Ziegen, Fische (entsprechend der Verordnung), Pferde und der Lebensmittelgewinnung dienenden Kaninchen erfasst und ab 2027 an die EMA übermittelt.

Neues TAMG: Meldepflicht für Tierärzte ab Januar 2023

Ab dem 01. Januar 2023 werden die Antibiotika-Verbrauchsmengen bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten erfasst. Die Meldepflicht geht auf die Tierärzte und Tierärztinnen über.
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Neue Erkenntnisse zur Geschlechtsbestimmung vor dem Schlupf: Bis Tag 12 der Bebrütung empfinden Hühnerembryonen keinen Schmerz.
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Tierschutzgesetz

Ab wann empfinden Hühnerembryonen Schmerz?

Das Tierschutzgesetz schreibt ab 2024 eine Geschlechtsbestimmung im Ei vor dem 7. Bebrütungstag vor. Doch Schmerzen spüren die Embryonen erst einige Tage später.

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Professor Niklas-Medaille

Frühzeitige Geschlechtsbestimmung: Eier ohne Kükentöten

Ab Januar 2022 wird das Töten männlicher Küken verboten sein. Möglich macht das unter anderem ein Verfahren zur endokrinologischen Geschlechtsbestimmung im Ei, für das Prof. Dr. Almuth Einspanier von der Universität Leipzig jetzt mit der Professor Niklas-Medaille ausgezeichnet wurde. 

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Auch eine gute Beziehung zwischen Mensch und Tier steigert das Wohlergehen.
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News4Vets

Tierwohl in österreichischen Milchkuhherden

Welche Risikofaktoren hängen mit der Herdenprävalenz verschiedener Tierwohlindikatoren zusammen und was motiviert Landwirtinnen und Landwirte, das Tierwohl zu verbessern?

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Die Betreuung großer Rinderbestände erfordern eine besondere tierärztliche Betreuung
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Journal Club

Was bringt tierärztliches Herdenmanagement den Milchbauern?

Das EU-Recht stärkt die tierärztliche Bestandsbetreuung. An der FU Berlin wurde untersucht, ob Milchvieh-Betriebe tatsächlich von einer integrierten tierärztlichen Betreuung profitieren.