Mahlzeit – gesund essen im Beruf
[02.06.2009]
Fastfood, schwere Soßen, zu viel Fett und Kohlehydrate. Weil Hektik und Stress den Tag beherrschen, ernähren
sich viele Berufstätige einseitig. Das ist nicht nur ungesund, sondern macht auch schlapp und müde.
Wer arbeitet, soll gut essen, heißt es. Schließlich verlangt der Körper
die Energien zurück, die ein langer Werktag entzieht. Doch was
heißt das eigentlich – „gut essen“? Spätestens in der Mittagspause
steht die Entscheidung an, was auf den Teller soll: Darf es die Vollwertkost
mit Salat sein oder doch lieber das Schnitzel mit Pommes?
Glaubt man der Statistik, fällt den meisten die Wahl nicht schwer:
In punkto Beliebtheit schlägt das Schnitzel nach wie vor den Salat
um Längen – und das, obwohl durchaus bekannt ist, welches die
gesündere Alternative wäre. „Viele wissen im Grunde, wie man sich
richtig ernährt“, sagt der Ernährungspsychologe Christoph Klotter.
„Aber sie schaffen es nicht, dieses Wissen auch umzusetzen.“ Das
gilt vor allem, wenn Stress und berufliche Sorgen die Sorge um das
körperliche Wohl in den Hintergrund drängen.
„Vor 50 Jahren war das anders“, sagt Klotter. „Die Mahlzeiten
bestimmten den Rhythmus des Tages,
auch bei der Arbeit.“ Diese Zeiten sind
vorbei. Heute dominiert die Arbeit das Leben.
Das Essen wird zur lästigen Pflichtübung.
Für Christoph Klotter liegt genau
hier das Problem: Wo Essen zur Nebensache
wird, schwindet auch die Kontrolle
darüber, was wir zu uns nehmen.
Zu viel, zu wenig oder das Falsche
Die Folgen: Viele Berufstätige essen zu wenig,
zu viel oder das Falsche. Tierärzte bilden
da keine Ausnahme. Für die Ernährungsexpertin
Susanne Wendel – Autorin des Ratgebers „Richtig Essen im Job“* – fängt dieser Kreislauf bereits
am Morgen an: „Weil zu wenig Zeit da ist, fällt häufig das
Frühstück aus. Später isst man hier und da irgendetwas, und einmal
am Tag wird richtig zugeschlagen.“
Dass ein solches Essverhalten ungesund ist, wissen viele. Dass
man davon auch schlapp und müde wird, vergessen die meisten.
„Spätestens am Nachmittag kommt der sprichwörtliche Durchhänger.
Man ist unkonzentriert, die Leistungsfähigkeit fällt rapide ab.“
Die Ursachen für solche Tiefs sind bekannt: Wer zu wenig isst oder
Mahlzeiten ganz auslässt, dessen Blutzuckerspiegel fällt nach kurzer
Zeit in den Keller. Frühstücksmuffel spüren das in Form des
klassischen „Zehnuhr-Tiefs“. Manch einer greift dann zu Schokolade
oder Kaffee. Das schafft kurzfristig Abhilfe, die Wirkung verpufft
jedoch schnell wieder.
„Der zweite große Fehler besteht darin, Mittags
zu viel Fett und zu viele Kohlehydrate zu sich zu
nehmen“, sagt Wendel. Denn auch die üppigen
Soßen und Panaden, Nudeln und Kartoffeln, die
sich auf dem Teller türmen, gehören zu den typischen
Schlappmachern. Sie sind schuld, wenn
nach dem Essen der Wunsch nach einem Schläfchen
übermächtig wird. „Zwar versorgen uns Proteine,
wie sie in Fleisch oder Fisch enthalten sind,
mit Energie“, so Wendel. „ Werden diese jedoch
mit Kohlehydraten kombiniert, tritt der gegenteilige
Effekt ein. Die Leistungsfähigkeit sinkt.“
Schlappmacher: Wer sich von
Fastfood ernährt, nimmt nicht zur
zu. Hamburger und Co. sind auch
verantwortlich für das typische
Nachmittagstief.
Regelmäßige Mahlzeiten einhalten
Wer solche Fehler vermeiden will, sollte sich zunächst einmal an
regelmäßiges Essen gewöhnen, sagt die Expertin. Drei bis vier –
nicht zu große – Mahlzeiten am Tag sind das A und O. Das fängt
bereits mit dem Frühstück an. „Wer morgens nicht viel herunter
bekommt, kann später in der Praxis eine kleine Zwischenmahlzeit
einnehmen. Ein Joghurt, etwas Obst oder frisches Gemüse sind
dafür genau das Richtige“, rät Wendel.
Zum Mittag sollte man Fettes und Üppiges möglichst meiden.
„Gut geeignet ist beispielsweise mageres Fleisch oder Fisch in
Kombination mit Gemüse und Salat.“ Verzichten sollte man, so
weit es geht, auch auf so genannte „leere Kalorien“. Dazu zählen
Süßigkeiten und Backwaren wie Kekse und Kuchen. Die machen
zwar dick, enthalten aber so gut wie keine Nährstoffe, die der Körper
braucht, um fit durch den Tag zu kommen.
„Wer im Laufe des Nachmittags Hunger auf Süßes hat, sollte lieber
zum Obst greifen“, empfiehlt Wendel. Natürlich dürfe es auch
mal ein Schokoriegel sein. „Aber wenn – dann richtig genießen.“
Daneben gilt: Nicht das Trinken vergessen! 1,5 bis zwei Liter pro
Tag gelten als Faustregel. „Und zwar keine gesüßten Säfte oder
Limonaden, denn auch die enthalten nur leere Kalorien, sondern
lieber Mineralwasser.“
Doch nicht nur was wir im Laufe des Tages zu uns nehmen,
beeinflusst Wohlbefinden und Leistungskraft, auch das Wo und
Wie sind entscheidend. Eine Mittagspause sollte auch als solche
erkennbar sein, fordert Christoph Klotter. Essen ist dabei nicht
Neben-, sondern Hauptsache. „Man sollte nicht gleichzeitig seine
E-Mails beantworten“, rät der Psychologe, „sondern am besten in
einen anderen Raum gehen und dort eine echte Auszeit für die
Nahrungsaufnahme einlegen.“
Mehr als Nahrungsaufnahme
So weit die Theorie. Doch warum fällt es so schwer, solche Ratschläge
umzusetzen? Warum fallen wir immer wieder in alte, ungesunde
Gewohnheiten zurück? Die Antwort ist einfach: Essen ist
mehr als schlichte Nahrungsaufnahme. „Schon als Kleinkinder
identifizieren wir das Essen mit Liebe, Zuwendung und Geborgenheit“,
sagt Christoph Klotter. „Auch später bleibt die Nahrungsaufnahme
untrennbar mit zentralen Emotionen verbunden.“
Wer isst, nimmt nicht nur Kalorien und Nährstoffe
zu sich. Er oder sie verschafft sich auch Trost,
Belohnung, ein allgemeines Wohlgefühl. Will man
schlechte Ernährungsgewohnheiten überwinden,
müssen andere positive Erfahrungen diese Funktion
übernehmen. Welche das sind, muss jeder selbst herausfinden: vielleicht
ein heißes Bad am Abend oder eine schöne Tasse Tee.
Der zweite Punkt heißt Vorbereitung. „Man kann seinen Einkaufsplan
entsprechend zusammenstellen“, sagt Susanne Wendel,
„ausreichend Obst und Gemüse einkaufen und dies zu Hause
vorbereiten.“ Im hektischen Praxisalltag konsequent auf gesunde
Ernährung zu achten, ist schwierig. Entscheidend sind dabei die
Rahmenbedingungen. Auch hier heißt das Stichwort: Planung. Gerade
in Terminpraxen besteht die Möglichkeiten, den Tagesablauf
so zu gestalten, dass genügend Zeit bleibt, um hin und wieder eine
gesunde Zwischenmahlzeit einzunehmen.
Die Umstellung auf eine gesunde Ernährung ist nicht einfach.
Doch der Aufwand lohnt sich. Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit
werden schon bald merklich gesteigert. Langfristig profitiert auch
die Gesundheit. Ein bisschen Disziplin brauche man schon am Anfang,
meint Wendel. Sechs Wochen dauert es in der Regel, bis sich
eine neue Gewohnheit etabliert hat. Wer die durchhält, wird die
gesunden Leckereien schon bald nicht mehr missen wollen.
Fünf Tipps für die gesunde Ernährung im Job
1. Setzen Sie auf volles Korn
Wer sich zwischendurch Brot oder Brötchen beim Bäcker besorgt,
sollte Vollkornprodukte bevorzugen. Vollkornbrot enthält jede Menge
gesunde Ballaststoffe. Die machen nicht nur satt, sondern sind
auch gut für die Verdauung. Das übliche Tief nach dem Essen wird
so vermieden.
2. Meiden Sie fette Speisen
Während uns Vollkornnahrung fit hält, hat schweres und fettes Essen
genau den gegenteiligen Effekt. Wir fühlen uns schlapp und müde.
Die Leistungsfähigkeit fällt rapide ab. Für die Mittagspause heißt das:
Machen Sie einen Bogen um fett paniertes Fleisch oder Fastfood.
3. Süßes nur in Maßen
Auf Süßes ganz zu verzichten, fällt den meisten extrem schwer.
Schließlich sind die süßen Leckereien auch echte Stimmungsaufheller.
Gegen einen gelegentlichen süßen
Snack ist nichts einzuwenden. Entscheidend
ist jedoch die Menge und auch hier gibt es
gesunde Alternativen: Müsliriegel, Vollkornkekse oder Reiswaffeln
mit Schokoüberzug. Greifen Sie also nicht gleich zum erstbesten
Schokoriegel, sondern achten Sie auf das Angebot im Supermarkt
4. Trinken nicht vergessen
Viele unterschätzen den eigenen Flüssigkeitsbedarf oder vergessen
ganz einfach, regelmäßig zu trinken. Die Folgen lassen nicht auf sich
warten: Man wird müde. Auch Kopfschmerzen können auftreten.
Die Devise heißt also: Trinken, trinken, trinken! Am besten Wasser
oder Mineralwasser. Tee sollte wenn möglich ungesüßt, Fruchtsäfte
verdünnt genossen werden. Abzuraten ist von süßen Limonadegetränken,
gesüßten Säften oder Dicksäften. Übrigens: Wer viel Vollkornnahrung
zu sich nimmt, hat einen höheren Flüssigkeitsbedarf,
da die Körner im Magen Wasser aufnehmen und quellen.
5. Ideal - Obst und Gemüse
Dass Gemüse gesund ist, wissen die meisten. Salate, Karottensticks,
Gemüseauftrische oder entsprechende Convenienceprodukte
eignen sich perfekt als Mittagsimbiss. Als Nachtisch empfiehlt sich
ein Apfel oder ein Obstsalat – auch als Alternative zum süßen Snack
zwischendurch geeignet.
Susanne Wendel: Richtig essen im Job: Warum bin
ich nur so schlapp?
© Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
