Ohne Energienutzung ist der Betrieb einer
modernen Tierarztpraxis nicht vorstellbar:
Strom, Gas oder Heizöl sind notwendig, um
Geräte zum Laufen zu bringen. Doch es lohnt sich,
über Sparmaßnahmen nachzudenken. Sie schonen
damit nicht nur Ihren Geldbeutel, Sie leisten auch
noch einen Beitrag zum Klimaschutz.
Die gestiegenen Energiepreise der letzten Jahre spiegeln sich in
höheren Betriebskosten wider. Mit einer grundsätzlichen Fortsetzung
der Preissteigerungen sollte selbst nach den abschwächenden
Effekten der weltweiten Finanzkrise gerechnet werden. Ein Indikator
hierfür ist der bereits seit über einem Jahr konstant ansteigende
Rohölpreis und die damit verbundenen hohen Tankstellenpreise.
Nicht nur wenn Energie teuer ist, lohnt es sich, über Sparmaßnahmen
nachzudenken. Investitionen in Energiespartechnik
amortisieren sich oft mittelfristig alleine durch niedrigere Energiekosten
und auch die Überprüfung der Praxisabläufe fällt leichter
bei Kenntnis des Sparpotenzials.
Energiesparen vermeidet nicht nur unnötige Ausgaben, es
schont auch die endlichen Ressourcen fossiler Energieträger und
ist ein direkter Beitrag zum Klimaschutz. Energiesparen und Klimaschutz
sind durch die öffentliche und politische Diskussion
zu den Folgen einer ungebremsten Freisetzung von Kohlendioxid
(CO2) und anderer Treibhausgase zu wichtigen Themen geworden.
Naturverbundene Tierarztkunden sind durch Informationen zu
Energiesparmaßnahmen oder einem klimaneutralen Praxisbetrieb
positiv anzusprechen.
Am Strom gespart
Die Hersteller elektrischer Geräte haben in den letzten Jahren
vielfach den Stromverbrauch ihrer Produkte reduzieren können.
In den Stromkosten der Praxen schlägt sich das durch eine meist
zunehmende Geräteausstattung jedoch selten nieder. Energiesparmaßnahmen
bieten hier einen Ausweg. Vergleichswerte aus humanmedizinischen
Praxen zeigen, dass sich der Aufwand lohnt: Bis zu
20 Prozent des Stromverbrauchs können nach einer Untersuchung
im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz
Rheinland-Pfalz im Schnitt eingespart werden. Es empfiehlt
sich, bei jedem Neukauf eines Gerätes oder Beleuchtungssystems
neben den technischen Funktionen auch auf den Stromverbrauch
zu achten. Höhere Anschaffungskosten für effizientere Geräte werden
meist durch eingesparte Stromkosten ausgeglichen – und zwar
umso schneller, je höher die Strompreise steigen.
Für Kühlschränke oder Energiesparlampen hilft das verbindlich
vorgeschriebene EU-Energieeffizienzlabel mit der Einstufung in
eine Effizienzklasse bei der Auswahl. Empfehlenswert sind Geräte
der besten Klasse A, bzw. bei Kühl- und Gefriergeräten der zusätzlich
eingeführten Klasse A++. Preiswerte Angebote von A+ oder
A Kühlschränken sind auf den ersten Blick verlockend, belasten
aber langfristig die Stromrechnung und das Klima durch 30 bis
50 Prozent höheren Stromverbrauch.
Bei Kühl- und Gefriergeräten, die älter als zehn Jahre sind, lohnt
sich in der Regel sogar ein Ersatz noch funktionsfähiger Geräte
– finanziell und für die Umwelt durch den trotz der Herstellungsenergie
für das neue Gerät insgesamt niedrigeren Energiebedarf.
Eine bewusste Gerätenutzung spart ebenfalls Strom. Rund
30 Prozent Sparpotenzial liegt beispielsweise bei Kühlgeräten in
der Wahl des richtigen Standortes (möglichst kühl), einer angepassten
Temperatur (nicht niedriger als für die Haltbarkeit des
Inhaltes erforderlich), regelmäßigem Abtauen des Eisfaches, funktionsfähigen
Dichtungen und zügigem Schließen der Türen. Bei der
Beleuchtung wie auch bei vielen anderen Geräten zählt das konsequente
Ausschalten nach Benutzung bzw. die Installation von
Bewegungsmeldern. Auch das Vermeiden von unnötigem Stromverbrauch
im Standby, also einem Bereitschaftszustand, ist meist
mit Hilfsmitteln wie einer schaltbaren Steckerleiste möglich.
Strom lässt sich auch an unerwarteter Stelle sparen. Die Verschönerung
des Wartezimmers mit einem Bild oder Wandteppich
spart im Vergleich zu einem 300 Liter-Aquarium mit 25 Grad
Celsius Wassertemperatur knapp 500 Kilowattstunden oder rund
100 Euro jährlich (berechnet nach Vattenfall Europe: Stromverbrauch
prüfen, 2008).
Warm und kalt
Private Haushalte setzen nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes durchschnittlich
73 Prozent der im Wohnbereich verwendeten
Energie für das Heizen ein. Das Sparpotenzial
für Haushalte und analog für eine tierärztliche
Praxis ist entsprechend groß, auch ohne dass
die Raumtemperatur zu frostig wird.
Das größte Potenzial bieten Verbesserungen
am Gebäude, also eine Isolation der
Fassade, Einbau moderner Fenster, Dämmungen
von Keller und Dachboden sowie
der Einbau moderner Heiztechnik (Brennwertgeräte,
Erdwärme). Diese Maßnahmen
erfordern jedoch erhebliche Anfangsinvestitionen
und kommen daher trotz Amortisation in überschaubaren
Zeiträumen üblicherweise nur für Tierärzte in Betracht, die selbst
Eigentümer des Gebäudes sind.
Veränderungen im Heizverhalten und der technischen Praxisausstattung
bieten jedoch ebenfalls ergiebige Ansatzpunkte zum
Energiesparen. Als Faustregel gilt, dass ein Grad weniger Raumtemperatur
fünf bis sechs Prozent Heizenergie und damit CO2 und
Kosten spart. Wärmer als 20 Grad Celsius muss es auch bei sitzender
Tätigkeit in Büroräumen nicht sein. Eine Absenkung während
der Nacht-, Wochenend- und Urlaubszeiten reduziert die Heizkosten
weiter. Damit die optimale Raumtemperatur nicht mehrmals
täglich individuell von Hand eingestellt werden muss, empfehlen
sich programmierbare Thermostatventile. Bei moderaten Investitionskosten
ab etwa 30 Euro pro Thermostatkopf lassen sich diese
einfach einbauen und sparen dauerhaft 10 bis 30 Prozent Heizenergie
– abhängig vom bisherigen Heizverhalten und der Bereitschaft
zur maßvollen Absenkung der Temperaturen.
Lohnend ist auch eine gute Abdichtung von Fenstern und Türen.
Verkleidungen oder verdeckende Möbelstücke behindern den
Wärmeübergang und können den Heizenergiebedarf um 10 bis
20 Prozent steigen lassen. Veränderungen wie die Umstellung von
Dauer- auf Stoßlüftung machen sich ebenfalls in der Jahresenergierechnung
bemerkbar.
Immer mehr Verbreitung finden Klimaanlagen, die für angenehme
Praxistemperaturen auch im Sommer sorgen. Ein mobiles
Raumklimagerät kann jedoch schnell mit rund 100 Euro Stromkosten
zusätzlich auf den Praxiskosten lasten (nach dena, Juni 2009,
Kühlleistung: 2500 Watt, Leistungsaufnahme 1000 Watt, Energieeffizienzklasse
B, 500 Stunden pro Jahr Vollbetrieb, Strompreis:
20 Cent/Kilowattstunde). Die Auswahl eines stromsparenden, mit
der EU-Energieeffizienzklasse A ausgezeichneten Gerätes lohnt
sich langfristig in jedem Fall. Preiswertere und klimafreundlichere
Alternativen sind Ventilatoren (98 Prozent weniger Stromverbrauch)
oder Sonnenschutzmaßnahmen wie Rollos, Jalousien oder
Sonnenschutzfolie, die zumindest die Laufzeit einer Klimaanlage
und damit deren Energieverbrauch begrenzen können.
Fahren und Sparen
Ein ausreichend großes, verlässliches und häufig auch geländetaugliches
Fahrzeug ist Voraussetzung für jede Fahrpraxis, bildet
aber auch eine wesentliche Kostenposition. Ein relativ kostengünstiger
Oberklassewagen findet sich nach ADAC-Autokostenvergleich
(http://www1.adac.de/Auto_Motorrad/autokosten/) in den ersten
vier Jahren mit rund 13.300 Euro inkl. Mehrwertsteuer pro Jahr in
den Praxisausgaben wieder (Mittelwert TOP 10 Fahrzeuge, Vollkosten
inklusive Fix-, Betriebs-, Werkstattkosten und Wertverlust über vier
Jahre). Das sind bei zugrunde gelegten 15.000 Jahreskilometern fast
90 Cent pro Kilometer. Nun kommt sicher keine Fahrpraxis mit 15.000
Jahreskilometern aus, trotzdem bieten diese Werte eine Orientierungsmöglichkeit,
da die tatsächlichen Kosten eines Fahrzeuges häufig unterschätzt
werden bzw. nur die Kraftstoffkosten
betrachtet werden. Diese machen aber tatsächlich
nur rund ein Fünftel der Gesamtkosten aus.
Ist für die Praxis auch ein Fahrzeug der oberen
Mittelklasse ausreichend, sinken die Kosten auf
rund 7700 Euro bzw. gut 50 Cent pro Kilometer.
Ein erhebliches Sparpotenzial also, das zudem
Kosten- und Umweltvorteil verbindet. Verbraucht
ein Fahrzeug weniger Kraftstoff, so sind auch die
CO2-Emissionen niedriger.
Auswahlhilfen für effiziente Fahrzeuge der
gewünschten Autoklasse bieten das Angebot
http://ecotopten.de des Freiburger Ökoinstituts
im Internet oder die Auto-Umweltliste des
Verkehrsclub Deutschland (VCD). Zur Orientierung:
In Deutschland verursachten die im Jahr
2008 neu zugelassenen Pkw einen CO2-Ausstoß von durchschnittlich
fast 165 Gramm pro Kilometer (European Federation for Transport
and Environment, 2009). Bereits heute sind aber Fahrzeuge
mit niedrigem CO2-Ausstoß unter 140 Gramm pro Kilometer erhältlich
– und zwar durchaus auch in den EcoTopTen-Kategorien Mini-
Vans oder Familienautos. Der zukünftige EU-Grenzwert liegt bei
120 Gramm CO2 pro Kilometer ab dem Jahr 2015.
Über den fahrend verursachten Energieverbrauch entscheidet
nicht nur das Fahrzeug sondern auch seine Nutzung. Eine neben
den Erfordernissen von Tier und Kunden auch an der möglichst
optimalen Streckenführung orientierte Routenplanung spart Kilometer,
CO2 und Sprit. Bei der Anschaffung mobiler Kühlapotheken
sollte auf niedrigen Energieverbrauch geachtet werden. Spritsparendes
Fahren kann durch vorausschauendes Fahrverhalten,
niedertourige Fahrweise, einem Reifendruck an der Obergrenze,
Leichtlauföle und kraftstoffsparende Reifen insgesamt bis zu
20 Prozent Treibstoffkosten und CO2-Emissionen vermeiden.
Die Umstellung auf Autogas, auch Flüssiggas oder LPG (Liquified
Petroleum Gas) genannt, lohnt sich finanziell mindestens bis
Ende 2018 durch den bis dahin reduzierten Energiesteuersatz, der
die Treibstoffkosten gegenüber Benzin um bis zu 50 Prozent, gegenüber
Diesel um rund ein Drittel reduziert. Allerdings rentieren
sich die Umrüstkosten von rund 2000 bis 3000 Euro durch die ungefähr
halb so hohen Gaspreise erst nach 50.000 bis 70.000 Kilometer
Fahrleistung. Eine Rentabilitätsübersicht nach Automodellen
bietet der ADAC an (www.adac.de/tanken). Positiver Nebeneffekt
einer solchen Umstellung ist die Klimaentlastung: Gegenüber Benzin
spart der Treibstoffwechsel 10 bis 15 Prozent CO2 ein.
Ausblick: Die klimaneutrale Praxis
Energiesparmaßnahmen können die Treibhausgasemissionen einer
Tierarztpraxis zwar verringern, jedoch nicht vollständig vermeiden.
Ein freiwilliger finanzieller Ausgleich für verbleibende Emissionen
ist der einzige Weg zu einem klimaneutralen Praxisbetrieb. Ein entsprechendes
Siegel oder Zertifikat im Wartezimmer oder auf der
Internetpräsenz erregt Aufmerksamkeit bei den Kunden und ist
Aushängeschild für die Bemühungen um einen langfristig klimaverträglichen
Betrieb. Das Prinzip ist einfach und besonders bekannt
für den Klimaausgleich von Flugreisen: Die verursachten Klimagase
werden durch eine Kompensationszahlung „neutralisiert“, indem
die gleiche Menge CO2 in einem anerkannten CO2-Minderungsprojekt
(meist in einem Entwicklungsland) eingespart wird.
Um die eigene Glaubwürdigkeit sicherzustellen, empfiehlt sich
die vorherige Ermittlung der Praxisemissionen durch einen Gutachter
oder ein Fachinstitut sowie die Auswahl eines vertrauenswürdigen
Anbieters für den Ausgleich. Zentral ist die Einhaltung
des sogenannten „Gold Standards“, der durch UN-Zertifizierung die
klima- und entwicklungspolitische Zweckdienlichkeit der Projekte
sicherstellt. Bekannte Anbieter sind zum Beispiel die Non-Profit-
Organisationen Atmosfair oder myclimate.
Buchtipp
„Das Energiesparbuch“ der Stiftung Warentest von Monika Götze und Gudrun Pinn hilft, die Energiekosten
zu senken und gleichzeitig das Klima zu schützen. Die Spartipps sind in weiten Teilen auf Tierarztpraxen übertragbar.
Erschienen im September 2009,
176 Seiten, ISBN 978-3-86851-005-8,
12,90 Euro.
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(Quelle: DpT/Monika Götze)
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