Mit engmaschigen Heunetzen kann bei
gleicher Futtermenge die Fresszeit verlängert
werden. Gleichzeitig verringert sich
das Verletzungsrisiko.
Unter Freilandbedingungen verbringen
Pferde 14 bis 21 Stunden des Tages mit der
Futteraufnahme. Dabei sind sie ständig in
Bewegung. Im Gegensatz dazu ist in der
heutigen Pferdehaltung die Fresszeit auf gut
vier Stunden verkürzt und dabei die Bewegungsmöglichkeit
stark eingeschränkt. Aus
der mangelnden Bedürfnisbefriedigung
kann ein Triebstau resultieren, der zum
„Schlagen gegen die Boxenwände“, „Wetzen
an den Gitterstäben“ und anderen abnormen
Verhaltensweisen führt. Aus diesen
Überlegungen ist es wünschenswert, die
Dauer der Beschäftigung mit der Futteraufnahme
zu verlängern. Bisher übliche Heunetze
haben relativ große Maschen (4 x 16
cm). Das Heu in solchen Netzen kann in der
gleichen Geschwindigkeit gefressen werden,
wie loses Heu. Darüber hinaus besteht
die Gefahr, dass das Pferd sich mit den Hufen
im Netz verfängt. Einige Besitzer versuchen
dieses Risiko zu verringern, indem sie
das Heunetz höher hängen, was wiederum
zu einer unphysiologischen Fresshaltung
führt.
Am Wissenschaftszentrum Weihenstephan
wurde untersucht, ob die Fresszeit von
Pferden durch die Verabreichung von Heu
in einem Netz mit engeren Maschen (4 x 4
cm) verlängerbar ist. In die Studie waren
24 Großpferde im Alter von fünf bis zwölf
Jahren einbezogen. Jedes Pferd erhielt „Heu
lose“ am Boden und „Heu im Netz“ mit je
vier Wiederholungen an voneinander unabhängigen
Tagen. Das Netz war gemäß den
Leitlinien in der Pferdehaltung 30–50 cm
über dem Boden aufgehängt. Durch die Vorlage
von „Heu im Netz“ wurde die Fresszeit
im Vergleich zur Bodenfütterung mehr als
verdoppelt.
Kontinuierliche Verhaltensbeobachtungen
an sechs Pferden zeigten, dass die Tiere
überwiegend motiviert aus dem Heunetz
fraßen und unterschiedliche Fresstechniken
entwickelten. In der Studie führte das Heunetz
zu keinen Verletzungen. Es wird der
Schluss gezogen, dass das engmaschige Heunetz
bei rationierter Heufütterung gut geeignet
ist die Fresszeit zu verlängern. Da die
Fresshaltung und die Fresstechnik mit der
natürlichen Futteraufnahme nicht vollständig
übereinstimmen, sollte dennoch ein Teil des
Heus weiterhin vom Boden gefüttert werden.
(Quelle: M.H. Zeitler-Feicht und S.Walker (2005): Zum
Einsatz eines speziellen Heunetztes in der Pferdefütterung
aus ethologischer Sicht. Pferdeheilkunde
21 (3), 229-233.)