Buchtipp: In der tierärztlichen Praxis ist die
Röntgendiagnostik neben der Ultraschalluntersuchung
der wesentlichste Pfeiler der bildgebenden
Diagnostik. Im Vergleich zu CT- und MRT-Untersuchungen
ist der gerätetechnische Aufwand geringer.
In vielen Fällen kann außerdem auf eine
Narkose verzichtet werden. Die Röntgenuntersuchung
kann eine Fülle an Informationen liefern.
Zwei Voraussetzungen sind dafür notwendig:
1. Damit eine Befunderhebung überhaupt möglich ist,
muss die Aufnahme bzw. die gesamte Untersuchung
bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen.
2. Der Untersucher muss weiterhin mit der Röntgenanatomie
und deren Varianten vertraut sein und in der Lage
sein, pathologische Veränderungen zu erkennen und
einzuordnen.
Um es vorweg zu nehmen: Das Buch wird beiden Aspekten
gerecht – zum einen, indem es Tipps vermittelt,
wie schwierige aufnahmetechnische Hürden gemeistert
werden können und zum anderen, indem es in der gebotenen
Ausführlichkeit die Befundmuster häufig vorkommender
Erkrankungen und deren differenzialdiagnostische
Bedeutung darstellt.
Im ersten Teil des Buches werden in prägnanter Form
wesentliche technischen Grundlagen der Röntgenbildentstehung,
Maßnahmen des praktischen Strahlenschutzes
und die Einsatzgebiete für alternative bildgebende Verfahren
zusammengefasst. Die zur Illustration verwendeten
Grafiken, Fotos und Röntgenaufnahmen sind sorgfältig
ausgewählt. Weiterführende Kenntnisse sind dennoch erforderlich,
will man das Gelesene in die Tat – also in die
Anfertigung guter Röntgenaufnahmen – umsetzen. Insbesondere
die digitale Bildaufzeichnung hält wesentlich
mehr als die dargestellten Fallsticke bereit.
Der zweite Teil widmet sich den unterschiedlichen Körperregionen
bzw. Erkrankungskomplexen von Hunden
und Katzen. In den Kapiteln werden zunächst chronologisch
die anatomischen Verhältnisse, Indikationsgebiete
sowie spezifische Aspekte der Aufnahmetechnik und der
Interpretation abgehandelt. Besonders wertvoll sind dabei
die Ausführungen zu den Kontrastmitteltechniken.
Neben Fragen der Indikationsstellung werden Untersuchungsprotokolle
ausführlich beschrieben. Es wird deutlich,
dass die konsequente Umsetzung diese Protokolle
die Grundvoraussetzung für den Erfolg der Diagnostik ist.
Im Mittelpunkt dieser Kapitel steht die Röntgendiagnostik
spezifischer Erkrankungen. Der Text ist knapp gehalten
und animiert zum Nachlesen. Die Recherche wird durch
eine am Ende des Kapitels befindliche Literaturübersicht
erleichtert. Sehr wertvoll ist die Hervorhebung interpretatorischer
„Stolperfallen“. Bei der Bildauswahl konzentrieren
sich die Autoren auf häufige Erkrankungen und auf
typische Befunde. Besonders informativ sind die Kapitel
„Thorax“ und „Herz“ sowie die Abschnitte, die die Diagnostik
der Abdominalorgane behandeln. Um der zunehmenden
Bedeutung von Vögeln, Kleinsäugern und
Reptilien/Amphibien im Klientel der Kleintierpraxis zu
entsprechen, beschäftigen sich die drei abschließenden
Kapitel mit diesen Tiergruppen. Das Kapitel „Kleinsäuger“
fügt sich organisch ein. Die Autoren dieses Kapitels vermitteln
das Handwerkzeug für die Diagnostik der wichtigsten
Erkrankungen der Kleinsäuger. Leider bleiben die
Kapitel „Vögel“ und „Reptilien-Amphibien“ hinter den Erwartungen
zurück. Die Röntgendiagnostik dieser in sich
schon sehr heterogenen Tiergruppen ist derart komplex,
dass es nicht möglich ist, diese auf den wenigen Seiten
sinnvoll zu behandeln. Die Informationen für den Anfänger
sind zu oberflächlich, als dass er sich in diese Gebiete
hinein wagen sollte. Dem Fortgeschrittenen werden die
Fakten nicht neu sein, er wird daher kaum Bedarf zum
Nachlesen haben. Auch die Illustration mit Röntgenaufnahmen
ist in diesen beiden Kapiteln zurückhaltend.
Bücher zur Röntgenologie leben von der Qualität der
Reproduktion der Röntgenaufnahmen. Es ist ein außerordentlich
schwieriges Unterfangen, subtile kontrastarmes
Detail einer Röntgenaufnahme in ein gedrucktes Bild zu
übersetzen. Jeder der sich an Publikationen oder Präsentationen
mit Röntgenaufnahmen versucht hat, wird diese
Erfahrung schon gemacht haben. Die Qualität des Druckes
überzeugt. Wenn vereinzelt in der Legende beschriebene
geringgradige Veränderungen im Lungenmuster oder in
der Trabekelzeichnung „verschluckt“ werden, so ist das
tolerabel. Irritierend wirkt, dass die mit digitalen Aufzeichnungssystemen
erzeugten Röntgenaufnahmen in der
Kontrastwiedergabe deutlich vom Bildeindruck konventioneller
Aufnahmen abweichen. Einsteigern könnte es
deshalb bei dem Nebeneinander konventioneller und digitaler
Röntgenaufnahmen schwer fallen, die beschriebenen
Veränderungen einzuordnen.
Es liegt in der Natur eines Handbuches – und als solches
ist das Buch konzipiert – dass nicht alle denkbaren
Erkrankungen umfassend beschrieben und in all ihren Facetten
bildlich dargestellt werden können. Das Buch ist für
den praktizierenden Tierarzt ein Nachschlagewerk, das
dazu dient, sich rasch über Wesentliches zu informieren.
Für Studenten ist es ein ausgezeichnetes Lehrbuch. Es ist
daher gleichermaßen Studierenden und praktisch tätigen
Tierärzten zu empfehlen.
(Quelle: Silke Hecht (Hrsg.): Röntgendiagnostik in der Kleintierpraxis,
2008, 480 Seiten; 859 Abbildungen; 38 Tabellen,EUR
(D) 149,00 / EUR (A) 153,20, ISBN 978-3-7945-251-0, Verlag
Schattauer GmbH.)