Primäres malignes Lymphom der Harnblase bei einem Hund
[02.11.2009]
Onkologie: Ein primäres, ausschließlich die Harnblase
betreffendes (extranodales) malignes Lymphom kommt bei
Mensch und Tier sehr selten vor.
Die Mehrzahl der Patienten zeigt eine multizentrische Form, die
mehrere Lymphknoten, Milz und Leber, das Knochenmark und
angrenzende Organsysteme befallen kann. Maligne Lymphome,
die nicht primär das lymphatische Gewebe befallen, sind meist im
Auge, den Nieren, im gastrointestinalen System, im zentralen Nervensystem,
den Nasennebenhöhlen und der Haut anzutreffen. Weitere
primäre Lokalitäten für extranodale maligne Lymphome sind
in der Literatur selten beschrieben.Bisher ist nur wenig über deren
biologisches Verhalten und deren Ansprechbarkeit auf eine Therapie
bekannt. Beim Hund sind Harnblasentumore in der Regel Karzinome
des Übergangepithels. Maligne mesenchymale Tumore wie Leiomyosarkome,
Fibrosarkome oder Hämangiosarkome machen weniger als
10 % aller Neoplasien der Harnblase aus. Ein primäres, extranodales
malignes Lymphom der Harnblase kommt beim Hund extrem selten
vor und ist bislang kaum beschrieben. Der vorliegende Fallbericht
beschreibt erstmals einen Fall eines primären Lymphoms der Harnblase
beim Hund mit einer multimodalen Behandlung.
Eine drei Jahre alte kastrierte Mischlingshündin wurde in der
Tierklinik Hofheim mit einer seit fünf Wochen andauernden Hämaturie,
Pollakisurie und Polydipsie vorgestellt. Seit zwei Tagen
bestanden Dysurie, Anorexie und Vomitus. Die Allgemeinuntersuchung
ergab eine palpierbare, schmerzhafte Masse im Abdomen.
Alle ertastbaren peripheren Lymphknoten waren unauffällig. Blutbild
und Blutchemie waren ebenfalls ohne abnormen Befund. Die
Untersuchung des Urin Sedimentes ergab eine massive Hämaturie
mit einigen Leukozyten und uroepithelialen Zellen. Eine Untersuchung
auf Bakterien verlief negativ.
Eine ultrasonographische Untersuchung des Abdomens zeigte
eine große Masse, die fast die gesamte Harnblase mit Harnblasenhals
und Harnblasendreieck infiltrierte. Das Harnblasenvolumen
war beinahe verschwunden und die Harnblasenwand über drei
cm dick mit Verlust der typischen ultrasonographischen Struktur.
Die Nieren und alle weitren Abdominalorgane zeigten keine Veränderungen.
Die histopathologische und immunhistochemische
Untersuchung einer Harnblasenbiopsie führte zur Diagnose eines
primären B-Zell Lymphoms mit hohem Malignitätsgrad.
Aufgrund von fehlenden Informationen über die Behandlung
eines Harnblasenlymphoms beim Hund, wurde dem Besitzer eine
Kombination aus hypofragmentierter Bestrahlung der Blase und einer
Chemotherapie empfohlen.
Alle tumorassoziierten klinischen Symptome klangen bereits
nach der ersten Strahlungsbehandlung ab. Eine Woche nach der
dritten Bestrahlung zeigte das Ultraschallbild eine komplette
Remission des Tumors. Der Bestrahlung folgte ein Polychemotherapieprotokoll,
welches Vincristin, L-Asparaginase, Cyclophosphamide,
Cytosin Arabinoside und Doxorubicin enthielt und über
einen Zeitraum von sechs Monaten verabreicht wurde. Nachuntersuchungen
mit Ultraschall, Hämatologie, Blutchemie und Urinanalyse,
anfangs einmal pro Monat und später alle drei bis sechs
Monate zeigten keine Rückkehr der Neoplasie oder andere Anzeichen
einer systemischen Ausbreitung. Das Tier lebt im Moment mit
einer Remissionszeit von 52 Monaten.
Ein primäres (extranodales) Lymphom der Harnblase ist beim
Menschen definiert als malignes Lymphom, welches auf die Blase
beschränkt ist und keinen Bezug zu anderen Lymphomen im Patienten
hat. Diese Form des Lymphoms ist zu unterscheiden vom
„nicht-lokalisierten Lymphom“, bei welchem die Infiltration in die
Blase auf eine manifestierte systemische (multizentrische) Lymphomerkrankung
zurückzuführen ist. Ebenso ist es vom „sekundären“
Lymphom zu unterscheiden, bei dem die Entstehung auf
ein früheres erfolgreich behandeltes malignes Lymphom im Körper
beruht.
Die radio- und sonographischen Befunde bei Hunden mit Harnblasenlymphom
ähneln solchen anderer Neoplasien der Blase und führen
daher zu keiner eindeutigen Diagnose. Sonographisch stellen
sie sich als heterogene, wandständige oder lobuläre Masse dar mit
muköser und/oder submuköser Infiltration. In allen bisher beim
Hund beschriebenen Fällen, inklusive des hier vorliegenden Fallberichts,
beinhaltete der Vorbericht wie beim Menschen eine massive
Hämaturie und abdominale Schmerzen. Aufgrund von fehlenden
veterinärmedizinischer Literaturangaben zur Therapie, wurde in
diesem Fall eine Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie
gewählt, wie sie auch beim Menschen angewendet wird.
Da die histopathologischen Befunde zusätzlich ähnlich denen beim
Menschen mit einem primären malignen Lymphom sind, ist anzunehmen,
dass die Prognose ähnlich günstig ist und die Kombinationstherapie
zu einer anhaltenden kompletten Remission führt.
(Quelle: M. Kessler et al. (2009): Primary malignant lymphoma of the urinary
bladder in a dog: longterm remission following treatment with radiation
and chemotherapy. Schweiz. Arch. Tierheilk. Band 150, Heft 11,
565–569.)