Einsatz einer Faltlappenplastik des weichen Gaumens zur Behandlung des verlängerten Gaumensegels
[10.10.2008]
Chirurgie: Ein verlängertes Gaumensegel (ESP) ist Teil des
brachyzephalen Syndroms, ein weitverbreiteter Zustand bei brachyzephalen
Hunden.
Dieses kann eine laryngeale Obstruktion bedingt durch deren Aspiration
in die Rima glottidis während der Inspiration verursachen.
Zusätzlich zeigen verlängerte Gaumensegel häufig eine Hyperplasie
des weichen Gaumens, was als Grund für die Stenose und Obstruktion
des Naso- und Oropharynx angesehen wird und ferner
die Respiration der betroffenen Tiere beeinträchtigt. Die konventionelle
operative Methode für die Korrektur einer ESP ist das Kürzen
des Gaumensegels durch Resektion des kaudalen Abschnittes (Staphylektomie).
Diese Technik zielt auf die Behebung der laryngealen
Obstruktion, erreicht aber keine signifikante Erleichterung im
naso- und oropharyngealen Bereich. Im Rahmen dieser Studie wurden
die Sicherheit und Effizienz einer Faltlappenplastik (FFP) untersucht
und eine neue chirurgische Technik beschrieben, welche
alle Komponenten einer Atemwegsobstruktion, verursacht durch
ein verlängertes Gaumensegel, berücksichtigt. Hierfür wurden die
Krankengeschichten (2004–2005) von 55 Hunden, die einer FFP
unterzogen worden waren, überprüft und in diese Studie aufgenommen.
45 dieser Tiere waren männlich (81,8 %) und zehn weiblich
(18,2 %). Das Alter reichte von sechs bis 105 Monate. Acht
unterschiedliche Rassen waren vertreten, darunter 32 französische
Bulldoggen, drei Boxer, zwei King Charles Spaniel, ein Norwich
Terrier, ein Sharpei und ein Shi Tzu.
Der Unterschied der FFP zur herkömmlichen Operationsmethode
besteht darin, dass ein Teil des hyperplastischen weichen Gaumens
abpräpariert und entfernt wird. Der nunmehr dünne weiche
Gaumen wird anschließend nach rostral bis zur Grenze des harten
Gaumens zusammengeklappt und vernäht. Bei allen 55 Hunden
traten keine intraoperativen Komplikationen auf. In sechs Fällen
wurde eine temporäre Tracheostomie durchgeführt. Zwei Tiere
starben postoperativ: ein Hund durch eine Tracheostomie Komplikation,
ein Hund an unbekannter Ursache, nach einer unauffälligen
Aufwachphase aus der Narkose. Bei 40 Tieren erfolgte eine
Nachkontrolle in einem Zeitraum von minimal 180 Tagen nach der
Operation in Form einer detaillierten Telefonbefragung der Besitzer.
Diese ergab, dass 39 Hunde (97,5 %) eine klinische Verbesserung
der Atmung nach erfolgtem chirurgischem Eingriff zeigten. In 85 %
der Fälle war diese Besserung innerhalb von 15 Tagen postoperativ
zu beobachten. Somit kann die FFP als eine sichere und effiziente
Methode empfohlen werden, welche vor allem bei übermäßig verdicktem
Gaumensegel wertvoll ist.
(Quelle: L. Findji and G. Dupré (2008): Folded flap palatoplasty for treatment
of elongated soft palates in 55 dogs. Vet. Med. Austria / Wien. Tierärztl.
Mschr. 95, 56–63.)