Einfluss körperlicher Mangelzustände auf den diätetischen Behandlungserfolg bei Hunden mit chronischen Enteropathien
[01.03.2010]
Enteritis: Zum Formenkreis der chronisch entzündlichen
Enteropathien zählen die sogenannten futterresponsiven
Diarrhöen, die sogenannten antibiotikaresponsiven
Diarrhöen sowie chronisch entzündliche
Darmerkrankungen im engeren Sinne.
Hierbei weisen Hunde mit futterresponsiven Diarrhöen
oftmals die günstigeren Behandlungsergebnisse auf. Da es
bei diesen Patienten durch die alleinige Anwendung eines
geeigneten Futtermittels zur Remission des Durchfallgeschehens
kommt, werden Futterinhaltsstoffe häufig als
Auslöser vermutet. In einer größeren retrospektiven Studie
konnten ca. 80 % der Hunde mit futterresponsivem
Verlauf nach einer Eliminationsphase von 14 Wochen erstaunlicherweise
wieder auf ihr altes Futter zurückgesetzt
werden, ohne dass die Symptome wiederkehrten. Dies
lässt vermuten, dass nicht nur exogene Faktoren wie Futterinhaltsstoffe
über den Heilerfolg entscheiden, sondern
auch endogene Faktoren wie günstigere immunologische
und metabolische Voraussetzungen eine Rolle spielen
könnten. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, an
40 Hunden mit chronisch entzündlichen Enteropathien retrospektiv
einen möglichen Einfluss immunologischer und
metabolischer Defizite auf den diätetischen Behandlungserfolg
zu untersuchen.
Hierzu wurden verschiedene zum Erstuntersuchungszeitpunkt
durch klinische und labordiagnostische Routinemethoden
gewonnene metabolische und immunologische
Parameter statistisch ausgewertet. Verglichen wurden
diese Daten zwischen vier Behandlungsgruppen: Hunde
mit futterresponsivem (FR-Gruppe), antibiotikaresponsivem
(AR-Gruppe) und steroidresponsivem Therapieve lauf (SR-Gruppe) sowie Hunde mit uneinheitlicher Therapie bei
Eiweißverlust-Enteropathie (PLE-Gruppe). Die Ergebnisse zeigten,
dass die FR-Gruppe im Median einen signifikant niedrigeren Gewichtsverlust
aufwies als die Gruppen AR, SR und PLE. Weiterhin
zeigte die FR-Gruppe signifikant höhere Serumkonzentrationen
von Gesamtprotein und Albumin als die PLE-Gruppe. Zusätzlich
hatte sie gegenüber der PLE-Gruppe und der AR-Gruppe einen
signifikant höheren Globulin- und Gamma-Globulin-Spiegel. Je
deutlicher das C-reaktive Protein erhöht war, desto deutlicher waren
der Cobalaminmangel und der Mangel an Gamma-Globulinen ausgeprägt. Je deutlicher der Mangel an Gamma-Globulinen war,
desto deutlicher waren der Gewichtsverlust, der Mangel an Cobalamin
und an Albumin ausgeprägt.
Insgesamt zeigt die Studie Hinweise für mögliche Zusammenhänge
zwischen dem Ausmaß immunologischer Störungen und der
Entstehung von Mangelzuständen bei Hunden mit chronischen Enteropathien
auf. Hunde, die nach einem kontrollierten Diätwechsel
durchfallfrei werden, weisen vor Therapiebeginn die geringsten
Verluste an Körpermasse auf, was sie körperlich weniger geschwächt
erscheinen lässt. Die gegenüber Hunden mit AR und mit
PLE bestehenden höheren Globulin- und Gamma-Globulin-Spiegel
lassen bei diesen Patienten geringere immunologische Defizite vermuten.
Die Studie stützt daher die Hypothese, dass bei Hunden
mit chronischen Enteropathien ein geringerer Gewichtsverlust und
ein höherer Albumin-, Globulin- und Gamma-Globulin-Spiegel in
Zusammenhang mit einer günstigen, rein diätetischen Behandelbarkeit
stehen könnte.
(Quelle: M. Münster et al. (2009): Einfluss körperlicher Mangelzustände auf
den diätetischen Behandlungserfolg bei Hunden mit chronischen
Enteropathien. Berl. Münch. Tierärztl. Wochenschr. 123, 74–82.)